Morosche Karottensuppe

Ernst Moro (links, 1904)

Die Morosche Karottensuppe (auch Moro-Suppe) ist eine Karottensuppe aus Möhren, Wasser und Salz. Die erstmals von Ernst Moro Anfang des 20. Jahrhunderts publizierte Suppe wird als Schonkost bei Durchfallerkrankungen verabreicht und hat mikrobiologische Wirkung.

Zubereitung

Für die Morosche Karottensuppe werden 500 g – 1 kg Karotten (gereinigt und geschält) in einem Liter Wasser 90 Minuten gekocht. Der Nachteil eines 1:1-Verhältnisses ist, dass die Karotten anbrennen können, falls zuviel Wasser verdampft, das Endprodukt ist ein Brei und keine Suppe und man sollte zum Essen etwas trinken. Danach werden die Karotten püriert unter Zugabe von einem gestrichenen TL (ca. 3–5 g) Salz. Gegebenfalls nach dem Kochen wieder die Karottensuppe auf insgesamt 1 Liter mit abgekochten oder frischen Wasser auffüllen oder verdünnen, je nach gewünschter Konsistenz.

Bei Varianten des Rezepts werden bei der Zubereitung außerdem noch zum Ende Brühe, Fond oder Hühnerfleisch mit püriert. Gerade bei kleinen Kindern (frühestens ab 6 Monaten) oder Patienten mit Nierenproblemen sollte man es bei den 3 Grundzutaten Karotte, Wasser, Salz belassen und auch das Salz reduzieren. Im ersten Lebensjahr sind nicht mehr als ca. 1 g und von 1–3 Jahre 2 g Salz pro Tag empfohlen. Bitte mit dem Kinderarzt absprechen.

Anwendung als Haus- und Heilmittel

Die Morosche Karottensuppe findet als natürliches Heilmittel in der Human- und Tiermedizin Anwendung.

Erstmals wurde sie am Anfang des 20. Jahrhunderts publiziert. Der renommierte österreichische Kinderarzt Ernst Moro war zu jener Zeit Oberarzt an der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Sterbe- und Komplikationsrate von Kindern mit Durchfallerkrankungen konnte er 1908 durch die Verabreichung dieser Karottensuppe drastisch senken. Moro bereitete die Suppe nach alten Hausrezepten zu, womit er vielen Kindern in seinem Wirkungsbereich das Leben rettete.

Etwa 100 Jahre später konnte der Nachweis eines auf der Zubereitung basierenden biochemischen Phänomens die Wirksamkeit belegen: Beim langen Kochen der Karotten entstehen aus den enthaltenen Ballaststoffen kurze Ketten von Zuckermolekülen (sog. Oligosaccharide), die der molekularen Oberfläche der Darmschleimhaut ähneln, so dass die pathogenen Darmkeime statt an der Darmwand an den Oligosacchariden andocken und einfach ausgeschieden werden. Auf diese Weise kann die Darmflora wieder gesunden.

Die Morosche Karottensuppe wird nicht nur in der Humanmedizin, sondern auch in der Tiermedizin eingesetzt. Besonders in der Hundehaltung ist sie ein bewährtes Hausmittel gegen Durchfallerkrankungen.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Karottensuppe nach Moro könnte auch EHEC lahmlegen Ärzte Zeitung, 8. Juni 2011.
  2. 1 2 3 Warum ein altes Hausmittel gegen Durchfall wirkt: Karotten-Extrakt statt Antibiotika, Wiener Zeitung, 11. September 2000
  3. ↑ Y. Thoonsen: Durchfall und Erbrechen bei Hund und Katze. In: alfavet Magazin 6/2018, S. 13.
  4. ↑ Rezept und Hintergrundwissen zur „Karottensuppe nach Moro“ (Memento vom 28. August 2019 im Internet Archive) auf der Homepage des NDR, abgerufen am 25. Mai 2017
  5. ↑ Biografie von Ernst Moro auf der Website der Uniklinik Heidelberg, abgerufen am 25. Mai 2017
  6. ↑ YRhoades, Jonathan & Manderson, K & Wells, A & Hotchkiss, Arland & Gibson, G & Formentin, Kitty & Beer, M & Rastall, R.: Oligosaccharide-Mediated Inhibition of the Adhesion of Pathogenic Escherichia coli Strains to Human Gut Epithelial Cells In Vitro. In: Journal of Food Protection. 71. Jahrgang, 2008, S. 2272–2277, doi:10.4315/0362-028X-71.11.2272 (englisch, researchgate.net): “The aim of the study was to investigate the ability of pectic oligosaccharides (POS) to inhibit adhesion of three strains of verotoxigenic Escherichia coli, three strains of enteropathogenic E. coli, and one nonclinical strain of Desulfovibrio desulfuricans to human intestinal epithelial cell cultures. (...) Attachment was determined in the human HT29 cell line by viable count of adherent bacteria. POS in buffer at pH 7.2 were antiadhesive at a dose of 2.5 mg ml(-1), reducing adhesion of enteropathogenic E. coil and verotoxigenic E. coli strains to less than 30 % of control values. Concentrations resulting in 50 % inhibition ranged from 0.15 to 0.46 mg ml(-1). L. acidophilus was not significantly affected, but adhesion of L. gasseri was reduced to 29 % of the control value. POS reduced the adhesion of D. desulfuricans to 0.33% of the control value. POS also had a protective effect against E. coli verocytotoxins VT1 and VT2 at concentrations of 0.01 and 1 microg ml(-1), respectively.”
  7. ↑ Dr. Ilse Ertl: Morosche Möhrensuppe für Hunde: Rezept gegen Durchfall. In: Vetura Naturheilkunde. Abgerufen am 17. April 2025.