Muzhou Daoming

Muzhou Daoming (chinesisch 睦州道明, Pinyin Mùzhōu Dàomíng; (780 – 877) war ein chinesischer Zen-Meister in der späten Tang-Dynastie (617–907). Er ist auch in unterschiedlichen Schreibweisen bekannt unter dem Namen Muzhou Daozong (Chin: 睦州道蹤; Pinyin: Mùzhōu Dàozōng), Bokuju,Mujo, oder Mu-chou.

Leben

Muzhou Daoming wurde in Jiangnan 江南 als Ch’en Tsun-su geboren. Nach seiner Ausbildung als Klosterschüler wählte er Huangbo Xiyun als seinen Meister, zu dessen Schülern auch der einige Jahre jüngere Linji Yixuan gehörte, der später die Linji-Schule gründete (Japanisch: Rinzai-shu). Muzhou führte ihn in den Umgang mit dem Meister und die richtigen Fragestellungen ein. Danach lebte er zusammen mit etwa hundert Mönchen lange im Lingyin-Tempel in Muzhou (heute: Zhejiang). Neben seiner Lehrtätigkeit flocht er Strohsandalen und schenkte sie vorübergehenden Pilgern. Nach seiner Erleuchtung übernahm er den Namen des Klosters als seinen eigenen, kehrte danach – anders als die meisten Zen-Meister – in den Laienstand zurück und lebte wieder bei seiner Mutter. Dieser Entschluss wird auch mit der Verfolgung der Buddhisten in den Jahren von 842–846 in Zusammenhang gebracht, die der 15. Kaiser der chinesischen Tang-Dynastie Tang Wuzong auslöste, der auch andere Religionen unterdrückte. Trotz seines Rückzugs ins Privatleben wurde Mu-chou immer wieder von Schülern aufgesucht, die Zen bei ihm lernen wollten. Häufig wies er sie ab, unter ihnen auch Yunmen, den er erst akzeptierte, nachdem der Schüler sich beim dritten Versuch, angenommen zu werden, ein Bein gebrochen hatte.

Legenden und Lehre

Muzhou Daoming Portrait

Muzhou wird in den gängigen Koan-Sammlungen nur selten erwähnt. Gemeinsam mit seinem Meister Huangbo und parallel zu seinem Mitschüler Linji Yixuan kämpfte er dafür, die Grenze zwischen dem Buddhismus als religiöser Lehre und der Praxis des Zen zu ziehen, der solche Lehren als irrelevant zurückweist. Die Zen-Praxis umfasst danach nicht mehr das intensive Lesen der Schriften, sondern lange Meditationen, die Stellung widersprüchlicher Fragen (Kōan), das »Andonnern« des Schülers mit „katsu“ oder „ho“ und Schläge, wenn er unzureichende Antworten gibt.

Nicht selten traf ein Meister auf einen Schüler, der ihm mit einem Schrei antwortete, ohne dessen Sinn zu verstehen. Eine Legende erzählt von einer solchen Begegnung:

„Mu-dschou fragte einen Mönch: Wo kommst du gerade her? Zur Antwort schrie der Mönch: Ho‘! Mu-dschou sagte: Nun habe ich alter Mönch ein Ho‘ von dir zur Antwort bekommen. Abermals schrie der Mönch: Ho‘! Mu-dschou sagte: Ein drittes Ho‘, ein viertes Ho‘, und was dann? Der Mönch sagte kein Wort mehr. Da schlug ihn Mu-dschou und sagte zu ihm: Hohlkopfräuber, du!“

– Yüan-wu: Bi-Yän-Lu – Niederschrift von der Smaragden Felswand

Muzouh konzentrierte sich schon als Mönch auf eine radikale Vereinfachung dieser Grundgedanken, sodass die Texte ihn gelegentlich als „töricht“ bezeichnen. Dazu ist folgende Legende überliefert:

„Als Mu-chou und ein fremder Mönch in der Straße aneinander vorbeigingen, rief Mu-chou: „Hochwürdiger Herr!“ Der Mönch drehte sich um. „Dummkopf“, sagte Mu-chou, dann gingen beide ihres Weges. Diese Geschichte wird von einigen Mönchen weitererzählt. Jahre später kritisierte Hsüeh-tou sie mit folgenden Worten: „Der törichte Mu-chou war im Unrecht. Hat der Mönch sich nicht umgewandt? Warum soll er Dummkopf geheißen werden?“ Später nahm Hui-tang Stellung zu dieser Kritik: „Der törichte Hsüeh-tou war im Unrecht. Hat sich der Mönch nicht umgewandt? Warum soll er nicht Dummkopf genannt werden?““

– Genro: Die 100 Zen-Kōans der Eisernen Flöte

Der Schlüssel zu dieser Legende: Mönche nennen einander, auch wenn sie sich nicht kennen „Bruder“, die Anrede „Hochwürdiger Herr“ ist also eine Provokation, auf die ein Zen-Meister nicht reagieren sollte: „Wu-tsu sagte: „Wenn du einem Zen-Meister auf der Straße begegnest, kannst du ihn weder ansprechen noch ihm mit Schweigen gegenübertreten.“

Einzelnachweise

  1. ↑ Muzhou Daozong. ZENline by terebess, abgerufen am 15. Oktober 2026 (englisch).
  2. ↑ John Tarrant: 2019 Fall Sesshin: Awakenings of Linji & the Great Chan Teachers. Pacific Zen Institute, abgerufen am 15. Oktober 2026 (englisch).
  3. ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 239.
  4. ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 2019, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 239.
  5. ↑ Yüan-wu: Bi-Yän-Lu – Niederschrift von der Smaragden Felswand. Band 1. Carl Hanser, München 1977, ISBN 3-446-11250-2, Kap. 11, S. 226.
  6. ↑ Shi Daoyuan: Original Teachings of Chan-Buddhism selected from the Transmission of the Lamp. Random House, New York 1969, S. 107–115 (archive.org [abgerufen am 20. Oktober 2026] Ausgewählt und übersetzt aus dem Chinesischen Original (entstanden zwischen 1004 und 1007) durch Chang Chung-yuan).
  7. ↑ Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt 1988, S. 248 ff. (französisch: La Monde Chinois. Übersetzt von Regine Kappeler).
  8. ↑ Yüan-wu: Bi-Yän-Lu – Niederschrift von der Smaragden Felswand. Band 1. Carl Hanser, München 1977, ISBN 3-446-11250-2, S. 148.
  9. ↑ Heinrich Dumoulin: Geschichte des Zen-Buddhismus. 2. Auflage. I: Indien, China und Korea. Narr Francke Attempo, Tübingen 239, ISBN 978-3-7720-8514-7, S. 190 ff.
  10. ↑ Yüan-wu: Bi-Yän-Lu – Niederschrift von der Smaragden Felswand. Band 1. Carl Hanser, München 1977, ISBN 3-446-11250-2, Kap. 10, S. 211 ff.
  11. ↑ Genro, Fugai, Senzaki: Die 100 Zen-Kōans der „Eisernen Flöte“. Origo, Zürich 1973, Kap. 55, S. 78.
  12. ↑ Genro, Fugai, Senzaki: Die 100 Zen-Kōans der „Eisernen Flöte“. Origo, Zürich 1973, Kap. 55, S. 78.
Personendaten
NAME Muzhou Daoming (chin.: 睦州道明; Pinyin: Mùzhōu Dàomíng)
ALTERNATIVNAMEN Muzhou Daozong (Chin: 睦州道蹤; Pinyin: Mùzhōu Dàozōng), Bokuju, Mujo, Mu-chou
KURZBESCHREIBUNG chinesischer Chan-Meister
GEBURTSDATUM 780
GEBURTSORT Jiangnan (Nanning)
STERBEDATUM 850
STERBEORT Jiangnan (Nanning)