Mysterientheater bedeutet Theater- und Dramaaufführungen, die Ereignisse und Handlungen, die nicht unmittelbar den irdischen Sinnen zugänglich sind, dem Zuschauer sichtbar und erlebbar machen. Idealerweise werden damit beide Welten, die irdische und die geistige, in ihrem verschränkten Einfluß im Leben der Menschen und der Welt dargestellt.
Die Wurzeln liegen in den alten Einweihungsstätten (z. B. den Mysterien von Eleusis), bei denen spirituelle Wahrheiten in rituellen Handlungen dramatisch dargestellt wurden. Mysterien von Eleusis
Im christlichen Kontext des Mittelalters wurden biblische Geschichten – von der Schöpfung und dem Paradies, Weihnachten, über das Leiden Christi bis zum Jüngsten Gericht – für das Volk anschaulich aufgeführt. Mysterienspiel und Oberuferer Weihnachtsspiel
Mysterientheater war lange Zeit Teil von volkstümlichen Aufführungen und hat sich in einigen Gegenden mit (unregelmäßigen) Aufführungen bis heute erhalten bzw. wurden neu entdeckt und werden wiederaufgeführt:
Inhaltlich und formal knüpfen die in unserer Zeit neu entwickelten Spiele an die Tradition von Mittelalter und Barock an: „Osterspiel von Muri“, „Ordo virtutum“ von Hildegard von Bingen und aus dem Barock „Das große Welttheater“ von Caldéron. Laßnitzer Volksschauspiele
Die vier Künste Literatur, Architektur, Bildende Kunst und Musik werden in ihrer Vielfalt beschrieben, in ihrer Sinnenhaftigkeit und Symbolik gedeutet und durch Texte aus der Bibel, durch Zitat berühmter Persönlichkeiten oder durch kurze Szenen anschaulich vermittelt. Die „Künste” treten als Personifikationen in historischen Kostümen auf, große farbige Fahnen mit entsprechenden Symboldarstellungen und die begleitende Musik aus verschiedenen Epochen unterstreichen die Wirkung.
Die „York Mysterienspiele“ ("York Mystery Plays") sind ein Zyklus von 48 mittelalterlichen Theaterstücken, die die christliche Weltgeschichte von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht behandeln. Ursprünglich wurden sie von 48 verschiedenen Zünften aufgeführt, die zusammen einen „Zyklus“ aufführten. Die Aufführung des gesamten Zyklus konnte bis zu 20 Stunden dauern und sich über mehrere Tage erstrecken. Nach einer Aufführungszeit von fast 200 Jahren wurden die Stücke während der Reformation beschlagnahmt; die letzte mittelalterliche Aufführung fand 1569 statt. Sie ruhten daraufhin rund 400 Jahre lang – eine Zeitspanne, in der viele der Zünfte, die sie zuvor unterstützt hatten, bereits nicht mehr existierten.
Die Beliebtheit von Mysterienspielen hat in den letzten Jahren allgemein zugenommen; Gruppen in Chester, Coventry und Lichfield führen regelmäßig ihre eigenen Stücke auf. In Lincoln, Durham, Aldermarston, Gloucester, Manchester und Cardiff wurden entweder Stücke aus anderen Städten übernommen oder auf der Grundlage von Originaltexten neue Skripte erstellt.
sind der am längsten überlebende mittelalterliche Mysterien-Spielezyklus in England, der alle fünf Jahre von der Stadtgemeinschaft aufgeführt wird. Die für die lokale Gemeinschaft so bedeutende Aufführung der Spiele wurde während der Reformation unterbunden; die letzte aufgezeichnete Aufführung vor der Wiederbelebung im 20. Jahrhundert fand 1575 statt. und Chester Mystery Plays
Der Gründer der Anthroposophie Rudolf Steiner hat vier Mysteriendramen geschrieben: Die Pforte der Einweihung (1910), Die Prüfung der Seele (1911), Der Hüter der Schwelle (1912) und Der Seelen Erwachen (1913). Diese Dramen sind der Versuch, den geistigen Entwicklungsweg einzelner, konkreter individueller Menschen in künstlerischer Form dramatisch darzustellen. Ein fünftes Drama wurde wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges nicht mehr geschrieben. Vermutlich sollten insgesamt sieben Dramen entstehen.
Die Personen und Handlungen der vier Mysteriendramen von Rudolf Steiner wurden von dem Autor Michael Hedley Burton in dem Mysteriendrama „Wenn der Wille erwacht“ fortgeführt (Englischer Originaltitel: "When the Will Awakens"). Es spielt in der heutigen Zeit, in der ökonomische Kräfte die Oberhand in einer Weltwirtschaft haben. Die Personen darin wissen, dass die Gesellschaft nicht einfach mit den alten Ideen und Lösungen so weitermachen kann. Das Stück zeigt, wie bewußte, geistige Arbeit von selbständigen modernen Menschen, die zusammen kreativ arbeiten, der Anstoß für eine wirksame soziale Gemeinschaft sein kann.
Gemäß der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland [wird] in der Zukunft [...] die Weiterentwicklung von Mysterientheater erwartet: "Alle die Dinge, die zum Beispiel in unseren Mysteriendramen dargestellt sind, werden für die zukünftigen Menschen seelisch greifbar sein."
Mysterientheater wird auch das Genre der Kriminalstücke, Detektivdramen, Krimitheater (im Englischen: Mystery Theatre) benannt, wo es um die Auflösung eines spannenden kriminaltechnischen Rätsels durch Ermittlungen geht.
Das Orgien-Mysterien-Theater ist ein von dem österreichischen Aktionskünstler Hermann Nitsch in den 1950er-Jahren entwickeltes, aufwendiges Gesamtkunstwerk, das seine Wurzeln im Wiener Aktionismus und im abstrakten Expressionismus hat.
Im Krimidinner (Mystery Dinner) lösen Teilnehmer in einer kriminalistischen Rahmenhandlung den Fall wie der Ermittler. Krimispiel