Najeeb Halaby

Najeeb Halaby

Najeeb Elias „Jeeb“ Halaby Jr. (* 19. November 1915 in Dallas, Texas; † 2. Juli 2003 in McLean, Virginia) war ein US-amerikanischer Pilot, Regierungsbeamter und Geschäftsmann. Er leitete von 1961 bis 1965 die Luftfahrtbehörde FAA und von 1969 bis 1972 die Fluggesellschaft Pan Am. Seine Tochter Lisa wurde als Königin Nūr von Jordanien bekannt.

Leben und Wirken

Kindheit und familiärer Hintergrund

Najeeb Elias Halaby Junior wurde am 19. November 1915 in Dallas im US-Bundesstaat Texas geboren. Er war Einzelkind. Seine Mutter Laura Halaby, geborene Wilkins, war gebürtige Texanerin und hatte an der Southern Methodist University Kunst studiert; sein Vater Najeeb Elias Halaby war libanesisch-syrischer Christ und als junger Mann 1891 in die USA eingewandert. Jeeb Halabys Eltern betrieben ein Geschäft für Kunst und Inneneinrichtung. Sein Vater, den er später als Geschäftsmann beschrieb, der „mitten in Bagdad Davidsterne hätte verkaufen können“, starb 1928. Nach dem Tod des Vaters zogen seine Mutter und er nach Südkalifornien um, wo er unter anderem in Los Angeles und Santa Barbara lebte. In einem Interview mit der Washington Post 1978 erklärte er, seine Mutter, eine Anhängerin der religiösen Bewegung „Christliche Wissenschaft“, habe maßgeblichen Einfluss auf ihn gehabt, insbesondere wegen ihres Glaubens daran, dass jeder Mensch sich durch eigene Anstrengung perfektionieren könne. Halaby, der nach eigenen Angaben als Kind ein wenig Arabisch konnte, dies aber nach dem Tod seines Vaters verlernte, sah sich nicht als „arabisch-amerikanisch“, sondern als reinen Amerikaner „ohne Bindestrich“.

Ausbildung und Zweiter Weltkrieg

Halaby besuchte die Leelanau School, ein privates Internat in Michigan. Anschließend studierte er zunächst an der Stanford University, wo er auch Schauspielkurse nahm, Golf spielte und 1937 einen Abschluss in Politikwissenschaft erwarb. Danach führte er das Studium an der University of Michigan und der Yale University weiter, wo er 1940 in Rechtswissenschaft abschloss.

Bereits als Jugendlicher war er von der Fliegerei begeistert, wozu besonders auch der Transatlantikflug von Charles Lindbergh beigetragen hatte. Mit 16 Jahren flog er zum ersten Mal allein einen Doppeldecker über dem Mines Field in Los Angeles. Einen Pilotenschein erwarb er 1933, im Alter von 17 Jahren. Mit finanzieller Unterstützung seiner Eltern kaufte er eine Fairchild 24 und flog auch während seiner Studienzeit weiter.

Von 1940 bis 1942 war er als Jurist für die Kanzlei O’Melveny & Myers in Los Angeles tätig. Auch in dieser Zeit nahm er weiter Flugunterricht. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war er zunächst Testpilot für den Flugzeughersteller Lockheed. 1943 wurde er Marineflieger. Als Fluglehrer war er beteiligt an der Einrichtung der ersten Testpilotenschule der U.S. Navy am Patuxent River in Maryland. Als Testpilot flog er eine erbeutete Messerschmitt Me 262 sowie das erste Strahlflugzeug der USA, die Bell P-59, und führte den ersten durchgängigen Transkontinentalflug mit einem Strahlflugzeug durch.

Tätigkeit in Behörden und Privatwirtschaft

Halaby 1961 beim Amtseid als Admini­strator der FAA

Ende der 1940er Jahre ließ sich Habaly in der US-Hauptstadt Washington nieder. Dort war er im Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten unter Minister James Forrestal als außenpolitischer Berater und an der Entwicklung von Militärhilfe-Programmen beteiligt. 1953 verließ er das Pentagon, wo er den Rang eines Deputy Assistant Secretary erreicht hatte, um Aufsichtsfunktionen für das Firmenimperium von Laurance Rockefeller zu übernehmen.

Am 3. März 1961 ernannte ihn Präsident John F. Kennedy, in dessen Präsidentschaftswahlkampf er sich engagiert hatte, als Nachfolger von Elwood Quesada an die Spitze der Federal Aviation Administration (FAA). In den amerikanischen Medien wurde die Personalie positiv aufgenommen, da Halaby ein ausgewiesener Luftfahrtexperte war. In seiner bis 1965 währenden Amtszeit dezentralisierte er die Behörde und förderte die Einrichtung des FAA-Ausbildungszentrums (FAA Academy) in Oklahoma City, ebenso eine engere Zusammenarbeit mit der damaligen Regulierungs- und Unfalluntersuchungsbehörde Civil Aeronautics Board. Er galt als auch auf operativer Ebene sehr aktiv und flog selbst an die Schauplätze vieler größerer Flugunfälle. Zur Verbesserung der Flugsicherheit brachte er neue Bestimmungen auf den Weg, die unter anderem verbesserte Radarüberwachung, stärkere Verwendung von Computern in der Flugüberwachung und getrennte Luftstraßen für Strahlflugzeuge und langsamere, propellergetriebene Maschinen vorsahen. Halaby, der als Schüler wegen der Tätigkeit und Herkunft seines Vaters als „Teppichhändler“ gehänselt worden war, setzte sich besonders gegen Rassendiskriminierung ein und schaffte die Rassentrennung an den Terminals der amerikanischen Flughäfen ab. Den medizinischen Dienst der FAA ließ er um eine psychiatrische Abteilung erweitern. Das Regelwerk der FAA ließ er zusammenfassen in eine einheitliche Sammlung, die Federal Aviation Regulations.

Zum 1. Juli 1965 verließ Halaby die FAA; sein Nachfolger wurde William F. McKee. Halaby trat eine Stelle bei der Fluggesellschaft Pan Am an, zunächst als Senior Vice President. Zu dem Stellenwechsel hatte ihn der Unternehmensgründer und langjährige Vorsitzende Juan Trippe selbst bewogen und klargemacht, dass er Halaby zu seinem Nachfolger bestimmt hatte. Trippe erhoffte sich wegen Halabys Einfluss in Regierungskreisen Vorteile für das Unternehmen und Zugeständnisse im Regulierungbereich insbesondere für den Inlandsflug-Markt.

1969 wurde Halaby Chief Executive Officer (CEO) und im folgenden Jahr auch Präsident von Pan Am. Seine Bemühungen, lukrative Flugrouten zu sichern, blieben jedoch weitgehend erfolglos; unrentable Verbindungen, die Vorgänger Trippe auf Druck des US-Außenministeriums übernommen hatte, mussten hingegen beibehalten werden. Fusionsvorhaben mit den Konkurrenten Trans World Airlines und Eastern Air Lines zerschlugen sich. Die in der Belegschaft stark vertretenen Gewerkschaften setzten derweil bedeutende Gehaltserhöhungen durch. Halaby bemühte sich um Einsparungen, indem er 5200 Beschäftigte – etwa ein Siebtel der Gesamtbelegschaft – entließ und die Ausgaben für Wartung, Lebensmittel und Werbung um 20 Millionen Dollar verringerte. Dennoch belief sich der Unternehmensverlust für 1971 auf 46 Mio. Dollar. Wegen seiner Personalpolitik in der Führungsebene stand er ebenfalls intern in der Kritik. Bereits 1972 musste er von seinen Ämtern zurücktreten, nachdem sich die finanzielle Situation des Unternehmens stark verschlechtert hatte. Ursachen waren sowohl eine generelle Krise der amerikanischen Fluggesellschaften – verursacht durch allgemeine Rezession, Inflation und verstärkte Konkurrenz, die zu einem Verlust von Marktanteilen insbesondere für Inlandsflüge geführt hatte –, aber auch die hohen Kosten der Einführung des vierstrahligen Großraumflugzeugs Boeing 747 („Jumbo-Jet“). Die Anschaffung des Überschall-Verkehrsflugzeugs Concorde hatte er abgelehnt.

Nach seiner Tätigkeit für Pan Am betrieb er eine internationale Anwaltskanzlei sowie ein Investment-Unternehmen namens Halaby International, das vor allem auf Luftfahrtprojekte im Nahen Osten spezialisiert war. 1978 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel Crosswinds: an Airman’s Memoir. Neben seinen hauptberuflichen Tätigkeiten war Najeeb Halaby an leitender Stelle für die Wolf Trap Foundation for the Performing Arts und in vielen Aufsichtsgremien von Finanz- und Luftfahrtunternehmen tätig.

Halaby, der noch mit über 80 Jahren selbst flog, starb am 2. Juli 2003 im Alter von 87 Jahren an seinem Wohnsitz in McLean (Virginia) an Herzversagen.

Familie

Najeeb Halaby war dreimal verheiratet. Seine erste Ehe mit Doris Carlquist, mit der er drei Kinder hatte, wurde geschieden. 1980 ehelichte er Jane Allison Coates, die 1996 verstarb. Danach war er sechs Jahre lang bis zu seinem Tod mit Libby Cater verheiratet.

Halabys Tochter Lisa aus erster Ehe heiratete 1978 König Hussein I. von Jordanien und war fortan als Königin Nūr bekannt. Die Architekturstudentin hatte Hussein ein Jahr zuvor in der jordanischen Hauptstadt Amman bei einer Feier zur Auslieferung der ersten Boeing 747 an die jordanische staatliche Fluggesellschaft kennengelernt.

Schriften

Commons: Najeeb Halaby – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Cynthia Marshall Devlin: The Life and Legacy of Najeeb Elias Halaby, Jr.: Aviation Pioneer. Texas State Historical Association, 24. April 2024, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Adam Bernstein: Najeeb Halaby Dies at 87; Pilot Guided FAA, Pan Am. In: The Washington Post. 3. Juli 2003, S. B.07 (englisch, washingtonpost.com [abgerufen am 16. August 2026]).
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 David Stout: Najeeb E. Halaby, Former Airline Executive, Dies at 87. In: The New York Times. Late Edition (East Coast), S. A.20 (englisch, nytimes.com [abgerufen am 16. August 2026]).
  4. 1 2 3 The Pilot-President. In: Time. Band 95, Nr. 3, 19. Januar 1970, S. 55 (englisch, time.com [abgerufen am 16. August 2026]).
  5. 1 2 3 FAA Administrators. (PDF; 1,65 MB) Federal Aviation Administration, abgerufen am 18. August 2026 (englisch).
  6. 1 2 3 Maria Papageorgiou: FAA Administrator Najeeb Halaby. (PDF; 263 KB) Federal Aviation Administration, abgerufen am 16. August 2026 (englisch).
  7. 1 2 Pan Am Changes Pilots. In: Time. Band 99, Nr. 14, 3. April 1972, S. 60–61 (englisch, time.com [abgerufen am 16. August 2026]).
  8. ↑ Najeeb Halaby, 87; FAA Chief, Father of Queen Noor of Jordan. In: Los Angeles Times. 4. Juli 2003, S. B.18 (englisch, latimes.com [abgerufen am 16. August 2026]).
Personendaten
NAME Halaby, Najeeb
ALTERNATIVNAMEN Halaby, Najeeb Elias junior (vollständiger Name); Halaby, Jeeb (Spitzname)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Regierungsbeamter und Geschäftsmann
GEBURTSDATUM 19. November 1915
GEBURTSORT Dallas, Texas
STERBEDATUM 2. Juli 2003
STERBEORT McLean, Virginia