Napoli Explosion ist eine seit 2010 entstehende fotografische Serie des italienischen Fotografen Mario Amura über das Lichtermeer, das durch Feuerwerkskörper in der Silvesternacht in Neapel am Fuße des Vesuvs entsteht. Die Fotografien dokumentieren das Ereignis und erkunden die Grenze zwischen gegenständlicher und abstrakter Fotografie. Sie werden als monumentale, großformatige Werke ausgestellt.
Projekt und Arbeitsweise
Das Projekt nahm 2010 bei einem Aufenthalt zum Jahreswechsel auf dem Monte Faito seinen Anfang. Der Berg erhebt sich über dem Golf von Neapel gegenüber dem Vesuv. Für die Aufnahmen kehrt Amura seitdem jedes Jahr in der Silvesternacht mit seinem Team dorthin zurück. Von diesem Standort aus bewegen die Fotografen ihre Kameras während der Aufnahme und arbeiten mit unterschiedlichen Belichtungszeiten. Aus dem Zusammenspiel dieser Bewegungen mit den Flugbahnen des Feuerwerks entstehen Lichtspuren und Farbflächen. Die anschließende Bearbeitung umfasst Farbkorrekturen; die bei der Aufnahme entstandenen Formen bleiben erhalten.
Ein wiederkehrendes Motiv ist die dunkle Silhouette des Vesuvs inmitten der vom Feuerwerk erhellten Stadtlandschaft. Amura versteht die Feier als ein Ritual, mit dem die Bevölkerung der Bedrohung durch den Vulkan begegnet.
Kritische Rezeption
Der Kunsthistoriker Salvatore Settis bezeichnete Napoli Explosion als autobiografisches Werk und als eine Hymne der Stadt Neapel an sich selbst.
In seinen Ausstellungstexten hob der Kurator Sylvain Bellenger die enge Beziehung zwischen den Fotografien und der Malerei hervor. Die Oberflächen der 2025 im Real Albergo dei Poveri ausgestellten Werke verglich er mit Stoff, Schiefer oder Gold und stellte eine Verbindung zum Informel her.
Der neapolitanische Schriftsteller Erri De Luca betonte die enge Verbindung des Projekts mit dem Vesuv als Wahrzeichen der Stadt. Das von der Bevölkerung gezündete Feuerwerk deutete er als eine Art Parodie eines Vulkanausbruchs.
Einzelausstellungen
14. Dezember 2023 bis 1. April 2024: Napoli Explosion, Cellaio im Park des Museums Capodimonte, Neapel. Die von Sylvain Bellenger kuratierte Ausstellung umfasste 37 großformatige Fotografien.
11. Dezember 2025 bis 10. Februar 2026: Mario Amura: Napoli Explosion. Fogos, Cores e Luzes, Polo Cultural ItaliaNoRio, Rio de Janeiro. Die vom Italienischen Kulturinstitut veranstaltete Ausstellung zeigte 20 Fotografien und einen 18-minütigen Dokumentarfilm.
15. Dezember 2025 bis 19. April 2026: Napoli Explosion RAP, Real Albergo dei Poveri, Neapel. Die ebenfalls von Bellenger kuratierte Ausstellung zeigte 33 Arbeiten im Rahmen des Programms zum 2500-jährigen Stadtjubiläum. Rotes Licht fiel durch die Fenster in die Ausstellungsräume. Amura bezog diese Gestaltung auf die Magmakammer des Vulkans und die fotografische Dunkelkammer.
Publikationen
Mario Amura: Napoli Explosion. Band 1. Vesev Impresa Sociale, 2023, ISBN 979-12-210-4935-0 (englisch und italienisch).
Mario Amura: Napoli Explosion. Band 2. Vesev Impresa Sociale, 2025, ISBN 979-12-243-1275-8 (englisch und italienisch).
Napoli Explosion. Fogos, Cores, Luzes. Istituto Italiano di Cultura Rio de Janeiro, Rio de Janeiro 2026 (Ausstellungskatalog, italienisch und portugiesisch).
↑Salvatore Settis: E Mario Amura immortala Napoli di fine d’anno. In: Il Sole 24 Ore, Domenica. Nr. 76, 17. März 2024, S. XI.
↑Bruno Di Marino: Phantasmagories under the volcano. The painterly, the photographic and the kinetic in the abstractions of NapEx. In: Mario Amura: Napoli Explosion. Band 1. Vesev Impresa Sociale, 2023, ISBN 979-12-210-4935-0, S. 24–25 (englisch).
↑Salvatore Settis: Napoli Explosion. In: Mario Amura: Napoli Explosion. Band 2. Vesev Impresa Sociale, 2025, ISBN 979-12-243-1275-8, S. 34–35 (englisch).
↑Sylvain Bellenger: The Aurora and the Night of Photography. In: Mario Amura: Napoli Explosion. Band 2. Vesev Impresa Sociale, 2025, ISBN 979-12-243-1275-8, S. 46–47 (englisch).
↑Erri De Luca: Within a Few Minutes. In: Mario Amura: Napoli Explosion. Band 2. Vesev Impresa Sociale, 2025, ISBN 979-12-243-1275-8, S. 8–9 (englisch).