Natalia Romik (* 1983 in Warschau) ist eine polnische Architektin, Künstlerin, Kuratorin und Historikerin, deren Arbeit jüdische Erinnerung und die materielle Kommemoration des Holocaust in Ostmitteleuropa, besonders in Polen und der Ukraine, untersucht. Im Jahr 2022 erhielt sie für ihre Forschung und künstlerische Arbeit zu jüdischen Verstecken während des Holocaust den Dan-David-Preis.
Romik schloss an der Universität Warschau ein Masterstudium der Politikwissenschaften ab. Sie promovierte an der Bartlett School of Architecture des University College London in Architekturdesign. Ihre Dissertation trug den Titel Post-Jewish Architecture of Memory within Former Eastern European Shtetls (2018). Seit 2007 arbeitet sie als Architektin, Designerin und Künstlerin und entwirft Ausstellungen und Gebäude. Sie beriet die Gestaltung der Dauerausstellung des Museums der Geschichte der polnischen Juden POLIN in Warschau und wirkte an Ausstellungs- und Erinnerungsprojekten in Chmielnik, Gliwice und auf dem Bródno-Friedhof in Warschau mit. Im Jahr 2025 war sie von Februar bis Juli Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, wo sie an einem Projekt zur Architektur des Versteckens arbeitete.
Romiks Arbeit umfasst Archivforschung, architektonisches Entwerfen, künstlerische Praxis und soziale Beteiligung. Oftmals steht dabei die Frage im Mittelpunkt, wie materielle und architektonische Spuren jüdischen Lebens in ehemaligen Schtetln, Städten und Landschaften sichtbar gemacht werden können.
Mit dem Projekt Nomadisches Schtetl-Archiv schuf sie eine mobile, spiegelverkleidete Archivstruktur, die in frühere jüdische Kleinstädte im südöstlichen Polen reiste und dort Erinnerungsobjekte, lokale Geschichten und Konflikte um jüdisches Erbe in einen öffentlichen Raum überführte. Ihre bekannteste Werkgruppe ist Kryjówki. Architektura przetrwania (‚Verstecke: Die Architektur des Überlebens‘), eine künstlerische und forschungsbasierte Auseinandersetzung mit Verstecken, die Juden während des Holocausts ntzten. In der Galeria Zachęta in Warschau wurden 2022 spiegelnde Abgüsse von neun Verstecken aus Polen und der heutigen Ukraine gezeigt, darunter Baumhöhlen, Schränke, städtische Kanäle, Höhlen und leere Gräber. Die Ausstellung beruhte auf interdisziplinären Recherchen von Romik, Aleksandra Janus und einem Team aus Anthropologen, Historikern, Archäologen und Heimatforschern. Zu den untersuchten Objekten gehörte ein Schrank aus Huta Zaborowska, der in Zachęta erstmals gezeigt wurde und in dem Inschriften eines vermutlich jüdischen Kindes aus dem Jahr 1943 gefunden wurden.
Romik und ihr Team untersuchten auch die Józef-Eiche in Wiśniowa, in deren Innerem Spuren gefunden wurden, die mit den dort verborgenen jüdischen Brüdern Denholz in Verbindung gebracht werden. Romik beschrieb die Ausstellung nicht als Darstellung der Helfenden, sondern als Untersuchung der Architektur zur Ermöglichung des Überlebens. Die polnische Wochenzeitung Polityka hob hervor, dass die Ausstellung historische Verstecke zu einem Zeitpunkt zeigt, zu dem durch Russlands Angriff auf die Ukraine erneut Schutz- und Fluchträume in den Blick rückten.
Im Jahr 2024 zeigte das Jüdische Museum Frankfurt Verstecke: Die Architektur des Überlebens als multimediale Ausstellung mit Skulpturen, Dokumentarfilmen, forensischen Aufnahmen, Fotografien, Dokumenten und Fundobjekten aus den untersuchten Verstecken.
Romik wurde 2022 mit dem Dan-David-Preis ausgezeichnet. Der Preis war in jenem Jahr auf historische Disziplinen neu ausgerichtet, vergeben wurden jeweils 300.000 US-Dollar. Ihr Werk wurde als Beitrag zur Auffindung und Bewahrung jüdischer Kriegsverstecke und damit zur Erforschung jüdischer Überlebensarchitektur beschrieben.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Romik, Natalia |
| KURZBESCHREIBUNG | polnische Architektin, Künstlerin, Kuratorin und Historikerin |
| GEBURTSDATUM | 1983 |
| GEBURTSORT | Warschau |