Nattwerder

Wegweiser in die alte Heimat

Nattwerder ist ein Gemeindeteil des Ortsteils Grube der Stadt Potsdam. Der Ort befindet sich im Nordwesten Potsdams zwischen Töplitz und Golm direkt an der Wublitz. Die Ortschaft hat etwa 40 Einwohner (2006).

Dorfkirche in Nattwerder

Geschichte

Da die Mark Brandenburg nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach entvölkert war, wandte sich 1683 der Kurfürst Friedrich Wilhelm hilfesuchend an die Stadtväter von Bern mit der Bitte, doch in der Landwirtschaft erfahrene Leute in die Mark zu schicken. Da sich die wirtschaftliche Situation um Bern nicht auf dem Höhepunkt befand und viel Not herrschte, kamen 14 Familien samt ihren Knechten und Mägden, insgesamt 103 Männer, Frauen und Kinder, am 18. Juni 1685 in die Mark und begründeten das Schweizer Kolonistendorf Nattwerder. Der Kurfürst ließ ihnen das zum Kauf von Werkzeugen nötige Geld auszahlen, stellte ihnen das Saatgut für die erste Aussaat und gewährte für die Dauer von 30 Jahren die Befreiung von Abgaben. 1768 wurde ein Schöpfwerk zur Entwässerung der umliegenden Moore eingerichtet.

Die Siedler bewahrten lange ihre Eigenart, ihre Gebräuche und ihre Sprache. Erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu Heiraten zwischen den „Schweizern“ und ihren Nachbarn.

Verwaltungszugehörigkeit

Nattwerder war eine Gemeinde des Kreises Osthavelland. Am 1. April 1939 wurde der Ort in den Stadtkreis Potsdam umgegliedert. Am 25. Juli 1952 wurde er aus Potsdam wieder ausgegliedert und kam als Ortsteil zur Gemeinde Grube (damals Kreis Potsdam-Land). Schließlich wurde der Ort zusammen mit Grube am 26. Oktober 2003 nach Potsdam eingemeindet. Er ist heute ein Gemeindeteil des Ortsteils Grube der Stadt Potsdam. Kirchlich gehört Nattwerder zum Pfarrbereich Töplitz (Stadt Werder (Havel), Landkreis Potsdam-Mittelmark).

Die Fußgängerbrücke über die Wublitz

Sehenswürdigkeiten

Literatur

Commons: Nattwerder (Potsdam) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Potsdam-Seite
  2. 1 2 3 4 Bernd Giesen: Freie Menschen aus hohen Bergen. Nattwerder ist ein unscheinbares Fleckchen Erde in der Mark Brandenburg. Doch es hat eine ungewöhnliche Geschichte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Februar 2024, S. R3.
  3. ↑ Beitrag zur Statistik Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 19.1 Brandenburg an der Havel, Potsdam, Frankfurt (Oder), Cottbus (PDF)
  4. ↑ Hauptsatzung der Landeshauptstadt Potsdam vom 11.11.2004 (PDF)
  5. ↑ Pfarrbereich Töplitz
  6. ↑ Petra Krimphove: Mit Schiff und Privilegien nach Deutschland. In: swissinfo.ch. Abgerufen am 9. März 2024.

Koordinaten: 52° 26′ N, 12° 56′ O