NaziCrimesAtlas

Der NaziCrimesAtlas – Digitaler Atlas NS-Verbrechen (NCA) (andere Schreibweise: Nazi Crimes Atlas) ist eine zweisprachige Mobile App, welche die Tatorte von NS-Verbrechen im heutigen Bundesgebiet während der Zeit des Nationalsozialismus dokumentiert. Die App wurde vom gemeinnützigen Verein dieKunstBauStelle e. V. entwickelt und am 8. Mai 2025, dem 80. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Europa veröffentlicht.

Entstehung

Das Projekt entstand unter der Leitung des Künstlers und Initiators Wolfgang Hauck vom Trägerverein dieKunstBauStelle e. V. In Landsberg am Lech zusammen mit der Historikerin Edith Raim. Ziel ist es, das flächendeckende Ausmaß des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen unmittelbar vor Ort in deutschen Städten, Dörfern und im alltäglichen Raum (wie Wohnungen, Schulen, Rathäusern oder öffentlichen Plätzen) sichtbar zu machen und wissenschaftliche Daten einer breiteren Öffentlichkeit sowie der lokalen Erinnerungs- und Bildungsarbeit zur Verfügung zu stellen. Das Projekt wurde im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) sowie von 2024 bis 2025 durch das Bundesministerium der Finanzen gefördert.

Inhalte und Datenbasis

Die App basiert auf historischen Quellen, vor allem auf etwa 25.000 Gerichtsakten der deutschen Nachkriegsjustiz zu NS-Verbrechen an 8.000 Orten, sowie auf Verzeichnissen von Konzentrations-, Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlagern, die ständig erweitert werden. Für weitere Informationen werden Archive der Gedenkstätte Yad Vashem, der Arolsen Archives und der Zentralen Stelle in Ludwigsburg herangezogen. Es werden alle Opfergruppen erfasst, nicht nur die jüdische Bevölkerung, sondern auch andere von NS-Verbrechen betroffene Menschen. Durch die angegebenen Aktenzeichen sind alle die Original-Quelle auffindbar. Die Inhalte dürfen für nicht-kommerzielle Forschungszwecke, Bildung, Berichterstattung und Erinnerungskultur genutzt werden. Die Verbrechen sind in thematische Tatkomplexe unterteilt, darunter:

Funktionsweise

Die App bietet eine dreistufige Navigation mit allgemeiner Übersicht, interaktiver Karte und Detailansicht. Nutzer können nach spezifischen Tatkomplexen filtern, Kurzbeschreibungen zu Taten, Zeiträumen und Opfergruppen einsehen sowie Verknüpfungen zu bestehenden Erinnerungsorten wie Stolpersteinen, Gedenkstätten und Archivalien aufrufen.

Verfügbarkeit und Technik

Der NaziCrimesAtlas ist als kosten- und werbefreie Anwendung für mobile Betriebssysteme (iOS und Android) über die jeweiligen App-Stores sowie alternativ als APK-Datei erhältlich. Die Basisfunktionen der App sind nach dem Download auch offline nutzbar.

Einzelnachweise

  1. ↑ Neue App zeigt Orte von 25.000 Nazi-Verbrechen. In: www.zeit.de. 7. Mai 2025, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  2. ↑ Erinnerungskultur per App: Wo die Nazis Verbrechen verübten. In: www.zeit.de. 6. Dezember 2024, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  3. ↑ Selma Hornbacher-Schönleber: Die App Nazi Crimes Atlas macht Verbrechen des Nationalsozialismus sichtbar. Frankfurter Rundschau, 21. November 2025, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  4. ↑ Digitaler Atlas NS-Verbrechen – NaziCrimesAtlas – dieKunstBauStelle. Abgerufen am 20. Oktober 2026 (deutsch).
  5. ↑ Christopher Beschnitt: Neue App zeigt Deutschland-Karte mit Nazi-Verbrechen. In: www.juedische-allgemeine.de. 7. Mai 2025, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  6. ↑ Reichspogromnacht 1938: App macht Ausmaß der Verbrechen deutlich. In: www.sueddeutsche.de. 7. November 2025, abgerufen am 20. Oktober 2026.