| Negaprion fronto | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Negaprion fronto | ||||||||||||
| (Jordan & Gilbert, 1882) |
Negaprion fronto ist eine Art der Gattung der Zitronenhaie (Negaprion) aus der Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae). Sie lebt in den Küstenregionen im östlichen Pazifik und ist dort von Mexiko über Mittelamerika bis Ecuador und Peru verbreitet. Die Art wurde bereits 1882 von David Starr Jordan und Charles Henry Gilbert als Carcharias fronto beschrieben, galt jedoch bis in die frühen 2000er Jahren als Synonym des Zitronenhais (Negaprion brevirostris). Seit den 2010er-Jahren wird sie teilweise wieder als eigenständige Art anerkannt. Molekulargenetische Untersuchungen zeigen eine starke Isolation der ostpazifischen Populationen, eine speziell auf die Artabgrenzung ausgerichtete taxonomische Revision steht jedoch noch aus.
Negaprion fronto ist morphologisch vom Zitronenhai (Negaprion brevirostris) kaum zu unterscheiden. Wie dieser und der Sichelflossen-Zitronenhai (Negaprion acutidens) ist er ein kräftig gebauter Requiemhai mit einem breiten, deutlich abgeflachten Kopf. Die Schnauze ist kurz, breit und vorne rund bis stumpfwinklig, die Augen sind klein und rund. Die Lippenfurchen sind kurz und weitgehend auf die Mundwinkel beschränkt. Wie für die Gattung Negaprion charakteristisch besitzt die Art fünf Kiemenspalten und gewöhnlich keine Spritzlöcher. Papillöse Kiemenreusen fehlen. Die beiden großen Rückenflossen liegen vergleichsweise weit hinten am Körper. Die zweite Rückenflosse erreicht etwa 80 bis 100 % der Größe der ersten, ihr Ansatz liegt etwas vor dem Ansatz der Afterflosse. Zwischen den Rückenflossen befindet sich kein Interdorsalkamm. Die Brustflossen sind breit, die Afterflosse ist groß und nur wenig kleiner als die zweite Rückenflosse. Die Schwanzflosse ist deutlich asymmetrisch, mit gut entwickeltem unterem Lobus.
Die Oberseite und die Flanken sind weitgehend einheitlich gelblich- bis graubraun gefärbt, die Unterseite ist heller gelblich bis weißlich. Auffällige Flecken oder andere Körperzeichnungen fehlen. Als maximale Gesamtlänge werden etwa 3,70 Meter angegeben, die Länge bei der Geburt liegt bei ungefähr 60 bis 65 Zentimetern.
Eine moderne morphologische Unterscheidung gegenüber dem Atlantischen Zitronenhai (N. brevirostris) ist bislang nur eingeschränkt bekannt. Viele der diagnostischen äußeren Merkmale werden als gattungstypisch von beiden Formen geteilt, weshalb ihre Abgrenzung gegenwärtig vor allem auf geographischen und populationsgenetischen Merkmalen beruht.
Das Verbreitungsgebiet von Negaprion fronto ist auf die Küstengebiete des östlichen Pazifik von der Pazifikküste der Baja California Sur und dem Golf von Kalifornien in Mexiko südwärts entlang der Pazifikküsten Mittelamerikas bis Ecuador und Peru beschränkt. Die Art gilt damit als endemisch für den tropischen und subtropischen östlichen Pazifik.
Die Tiere leben überwiegend in flachen küstennahen Gewässern und kommen über felsigem Untergrund, an Riffen sowie über Sand- und Schlammböden vor. Sie nutzen auch Ästuare, Flussmündungen und Mangrovengebiete und können in Brackwasser sowie zeitweise in Süßwasser vordringen. Nach Angaben des Smithsonian Tropical Research Institute wurde sie von der Oberfläche bis in etwa 92 Meter Tiefe nachgewiesen. Über die Lebensweise von Negaprion fronto liegen nur wenige eigenständige Untersuchungen vor, da die ostpazifischen Tiere über lange Zeit unter dem Namen Negaprion brevirostris zusammen mit den Populationen im Atlantik behandelt wurden und sich ein Teil der älteren Literatur nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Fundorte der heute als N. fronto angesehenen Linie zuordnen lässt.
Die Art ist ein küstennaher Räuber und ernährt sich vor allem von Knochenfischen, Krebstieren und Kopffüßern gezählt.
2025 wurden sechs Jungtiere im Boca-Grande-Ästuar des Coiba-Nationalparks an der Pazifikküste Panamas gefangen. Sie hielten sich in einem mangrovengesäumten Ästuar mit einem Salzgehalt von 16 bis 29 ‰ auf und wurden sowohl während der Trocken- als auch während der Regenzeit nachgewiesen. Die Nutzung flacher Ästuare und Mangrovenbereiche durch Jungtiere entspricht dem auch bei anderen Zitronenhaien bekannten Muster von küstennahen Aufzuchtgebieten. Die Jungtiere waren 50,8 bis 78,0 Zentimeter lang. Ihr Auftreten über mehrere Monate hinweg deutet darauf hin, dass einzelne Ästuare im östlichen Pazifik dauerhaft oder wiederholt als Aufzuchtgebiete genutzt werden.
Die Art wurde 1882 von den US-amerikanischen Ichthyologen David Starr Jordan und Charles Henry Gilbert anhand von Material aus Mazatlán im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa als Carcharias fronto wissenschaftlich beschrieben. Als Typusmaterial dienten zwei Syntypen, darunter ein vollständiges Exemplar und ein weiteres durch einen Kiefer repräsentiertes Exemplar im National Museum of Natural History in Washington. Im 20. Jahrhundert wurde Carcharias fronto mit dem 1868 aus Kuba beschriebenen Zitronenhai synonymisiert, diese Auffassung wurde weitgehend übernommen und die ostpazifischen Zitronenhaie galten lange als geographisch isolierte Population von N. brevirostris.

Molekulargenetische Untersuchungen aus dem Jahr 2008 behandelten die ostpazifischen Zitronenhaie noch als N. brevirostris, zeigten jedoch eine starke genetische Isolation gegenüber den atlantischen Populationen. Die dabei untersuchten ostpazifischen Tiere stammten vor allem aus dem Golf von Kalifornien und von den Islas Tres Marías. Die Autoren fanden sowohl in den untersuchten mitochondrialen Markern wie auch bei Mikrosatelliten der Zellkern-DNA deutliche Unterschiede zwischen den ostpazifischen und den atlantischen Tieren. Die Isolation betrachteten sie als Folge der Entstehung des Isthmus von Panama vor etwa 3,5 Millionen Jahren.
Seit den 2010er-Jahren behandeln mehrere Autoren die Tiere aus dem Ostpazifik wieder als eigenständige Art und führen N. fronto als Bestandteil der pazifischen Knorpelfischfauna. Auch Eschmeyer's Catalog of Fishes folgt dieser Auffassung und führt N. fronto aktuell als gültige Art des östlichen Pazifiks von Mexiko bis Ecuador und Peru. Die taxonomische Abtrennung ist jedoch nicht allgemein akzeptiert, das World Register of Marine Species und das Integrated Taxonomic Information System führen Negaprion fronto weiterhin als Synonym von N. brevirostris.
Eine eigenständige Gefährdungsbewertung von Negaprion fronto durch die International Union for Conservation of Nature (IUCN) liegt bislang nicht vor. Eschmeyer's Catalog of Fishes führt die Art 2026 als „Not Assessed“ (nicht bewertet).
Für den östlichen Zentral- und Südostpazifik schätzte die IUCN im Rahmen der Betrachtung von Negaprion brevirostris einen Bestandsrückgang von 50 bis 79 % innerhalb von drei Generationen. Als wichtigste Gefährdungsursache gilt die dabei die intensive Küstenfischerei, vor allem durch Stellnetze und Langleinen. Im Golf von Kalifornien, wo Zitronenhaie in den 1960er-Jahren noch häufig anzutreffen waren, wurden zwischen 1998 und 1999 keine Exemplare mehr nachgewiesen und auch für die pazifischen Küsten Kolumbiens und Ecuadors liegen nur wenige neuere Nachweise vor. Die IUCN verwies zudem auf die Gefährdung küstennaher Aufzuchtgebiete durch die Zerstörung der Mangrovengebiete und andere Veränderungen der Küstenlebensräume. Die nachgewiesene Nutzung des Boca-Grande-Ästuars als mögliches Aufzuchtgebiet unterstreicht die Bedeutung solcher Lebensräume für den Schutz der ostpazifischen Populationen.