| Neoglyphea inopinata | ||||||||||||
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Neoglyphea inopinata | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name der Gattung | ||||||||||||
| Neoglyphea | ||||||||||||
| Forest & de Saint Laurent, 1975 | ||||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Art | ||||||||||||
| Neoglyphea inopinata | ||||||||||||
| Forest & de Saint Laurent, 1975 |
Neoglyphea inopinata ist eine Art der Zehnfußkrebse innerhalb der Glypheidea aus dem westlichen Pazifik. Sie ist die einzige Art der Gattung Neoglyphea und neben Laurentaeglyphea neocaledonica eine von nur zwei heute lebenden Arten der Glypheidea. Das erste bekannte Exemplar wurde 1908 vor den Philippinen gefangen, jedoch erst 1975 als Vertreter einer zuvor nur fossil bekannten Gruppe erkannt und wissenschaftlich beschrieben.
Die bekannten Exemplare von Neoglyphea inopinata erreichen Gesamtlängen von etwa 7 bis 14,9 Zentimetern bei einer Carapaxlänge von 3 bis 6,7 Zentimetern. Der Körper ist langgestreckt und hummerartig. Der Carapax ist im Mittel etwa dreieinhalbmal so lang wie breit und dicht mit kleinen dornigen Höckern besetzt. Auf seinem vorderen Abschnitt bilden größere Höcker drei Paar schwach ausgeprägte Längsreihen. Die Cervicalfurche ist tief ausgebildet, während die Postcervicalfurche kaum erkennbar und die Branchiocardialfurche deutlich, aber flach ist. Das Rostrum ist lang und besitzt gezähnte Ränder.
Der vordere Kopfbereich besitzt eine charakteristische subzylindrische Verlängerung. Die Augenstiele setzen an deren vorderem Ende an, während die Antennulenstiele deutlich weiter hinten entspringen. Das Epistom ist langgestreckt und etwa eineinhalbmal so lang wie breit. Die Augen besitzen große, annähernd kugelförmige Corneae.
Die dritten Maxillipeden und die Schreitbeine sind schlank. Besonders das erste Schreitbeinpaar ist stark verlängert, sein Merus reicht weit über die Augen hinaus und der Propodus ist mindestens sechsmal so lang wie breit. Der Dactylus kann gegen den Propodus geklappt werden und bildet dadurch eine Greifvorrichtung, ohne dass eine vollständige Schere ausgebildet ist. Die ersten vier Schreitbeinpaare besitzen keine vollständigen Scheren.
Zwischen den Geschlechtern besteht ein deutlicher Sexualdimorphismus. Bei den Männchen sind die ersten Schreitbeine länger und proportional schlanker als bei den Weibchen. Auch die seitlichen Platten des Pleons unterscheiden sich: Sie laufen bei den Männchen stärker zugespitzt aus, während sie bei den Weibchen abgerundeter sind.
Neoglyphea inopinata ist aus zwei voneinander weit entfernten Gebieten des westlichen Pazifiks bekannt. Die meisten Exemplare wurden südwestlich der Einfahrt zur Manilabucht auf den Philippinen in einem kleinen Gebiet zwischen 13° 59′ und 14° 08′ N sowie 120° 15,8′ und 120° 20,5′ O in Tiefen von etwa 186 bis 200 Metern gefangen. Weitere Exemplare stammen aus der Timorsee bei etwa 9° 46′ S und 130° 00′ O aus Tiefen von 240 bis 300 Metern. Die Datenbank DecaNet gibt für die Art entsprechend eine bekannte Tiefenverbreitung von 186 bis 300 Metern an.
Die Tiere leben auf festem, schlammigem Untergrund. Sie halten sich in selbst angelegten Wohnröhren im Schlamm auf, über ihre weitere Lebensweise und insbesondere ihre Ernährung ist nur wenig bekannt.
Bei einem eiertragenden Weibchen wurden etwa 1000 annähernd kugelförmige Eier mit einem Durchmesser von ungefähr 1,2 bis 1,3 Millimetern beobachtet. Die Eier werden an langen Borsten der Pleopoden getragen. Aufgrund ihrer vergleichsweise großen Eier vermuteten Forest und de Saint Laurent eine kurze Larvalentwicklung, bei der beim Schlupf bereits ein relativ weit entwickeltes Stadium erreicht wird.
Das später als Holotypus bestimmte Exemplar wurde am 17. Juli 1908 vom amerikanischen Forschungsschiff Albatross an der Station 5278 südwestlich der Einfahrt zur Bucht von Manila gefangen. Der Fundort lag bei 14° 00′ 10″ N und 120° 17′ 15″ O in etwa 185 Metern Tiefe. Das männliche Tier war 115 Millimeter lang; unter anderem fehlten ihm beide ersten Schreitbeine. Es wurde unter der Inventarnummer USNM 152650 in der Sammlung des National Museum of Natural History in Washington, D.C., aufbewahrt, blieb dort jedoch über Jahrzehnte unbestimmt.
Im März 1975 zeigte der am Smithsonian tätige Karzinologe Fenner A. Chace das unbestimmte Exemplar Michèle de Saint Laurent, die sich zu Forschungsarbeiten in Washington aufhielt. De Saint Laurent erkannte seine ungewöhnliche Morphologie und schickte Zeichnungen an Jacques Forest in Paris. Forest untersuchte das Exemplar anschließend gemeinsam mit ihr. Durch den Vergleich mit fossilen Formen erkannten sie darin einen rezenten Vertreter der bis dahin nur fossil bekannten Glypheiden. Noch 1975 beschrieben Forest und de Saint Laurent gleichzeitig die neue Gattung Neoglyphea und deren Typusart Neoglyphea inopinata.
Da dem Holotypus mehrere Schreitbeine fehlten und nur ein Männchen vorlag, wurden 1976 gezielte Fänge im Gebiet des ursprünglichen Fundorts durchgeführt. Dabei wurden neun weitere Exemplare gesammelt, anhand derer Forest und de Saint Laurent die äußere Morphologie der Art ausführlich beschrieben. Weitere Expeditionen in den Jahren 1980 und 1985 erbrachten zusätzliches Material, darunter zwei adulte Weibchen. Diese ermöglichten insbesondere die Beschreibung des Sexualdimorphismus und der weiblichen Fortpflanzungsorgane. Später wurden außerdem drei Exemplare aus der Timorsee bekannt.
Im Jahr 2006 wurde mit Neoglyphea neocaledonica eine zweite rezente Art zunächst derselben Gattung zugeordnet. Wegen deutlicher Unterschiede unter anderem im Aufbau des vorderen Kopfbereichs, des Epistoms und der Schreitbeine stellte Forest für diese Art noch im selben Jahr die neue Gattung Laurentaeglyphea auf. Neoglyphea ist dadurch weiterhin monotypisch und enthält nur N. inopinata.
Molekulargenetische Untersuchungen bestätigten die enge Verwandtschaft von Neoglyphea inopinata und Laurentaeglyphea neocaledonica. Eine auf drei mitochondrialen und fünf nukleären Genen beruhende Analyse von 2010 stellte beide Gattungen gemeinsam in eine monophyletische Gruppe der Glypheidea. Eine Untersuchung der vollständigen mitochondrialen Genome von 2018 bestätigte die gemeinsame Abstammung der beiden rezenten Gattungen; in dieser Analyse bildeten die Glypheidea die Schwestergruppe der Polychelida, beide zusammen die Schwestergruppe der Großkrebse (Astacidea).
Die beiden rezenten Gattungen werden auf Familienebene unterschiedlich eingeordnet. Eine aktuelle Bearbeitung der fossilen und rezenten Glypheidea stellt Neoglyphea und Laurentaeglyphea in die eigenständige Familie Neoglypheidae. Die taxonomische Datenbank DecaNet behandelt die Neoglypheidae dagegen als jüngeres Synonym der Glypheidae und ordnet Neoglyphea entsprechend dieser Familie zu.