Nicolas Legendre wurde am 7. August 1619 in Étampes geboren. Über seine Ausbildung ist wenig gesichert bekannt. Älteren biografischen Quellen zufolge soll er sich die Bildhauerei weitgehend im Selbststudium angeeignet haben. Zu seinen frühen Arbeiten zählten steinerne Statuen des heiligen Bruno für die Kartause Gaillon. Am 2. August 1664 wurde er als Mitglied in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen; sein Aufnahmestück war eine Büßende Magdalena aus Terrakotta. Im Jahr 1665 wurde er zum Adjoint à Professeur an der königlichen Bildhauerschule gewählt. Nicolas Legendre arbeitete wiederholt für Pariser Kirchen. Für die Kirche Saint-Paul schuf er einen umfangreichen Skulpturenschmuck aus Holz, für die Kirche St-Nicolas-du-Chardonnet fertigte er Statuen, Stuckarbeiten und eine Pietà. Letztere wurde von 1802 bis 1805 in die Kirche Saint-Merri überführt. In Saint-Nicolas-du-Chardonnet wurde Legendre nach seinem Tod auch bestattet. Durch seine Verbindung zum Hofmaler Charles Le Brun erhielt er zudem Aufträge für das Schloss Vaux-le-Vicomte, den Landsitz des Finanzministers Nicolas Fouquet. Im Prozess gegen Fouquet trat Legendre als Gläubiger auf. Nicolas Legendre war zweimal verheiratet. Ein Sohn aus erster Ehe war ab 1682 als Bildhauer tätig.
Werke (Auswahl)
Zu Nicolas Legendres nachweisbaren Arbeiten zählen:
Statuen des heiligen Bruno (Stein) für die Kartause von Gaillon,
Bildhauerarbeiten für die Abbaye de la Victoire in Senlis,
Holzschnitzerei am Portal des Collège de la Marche in Paris sowie
zwei Engelsfiguren an der Fassade des Hôtel de Beauvais in Paris (1657) sowie
Skulpturenschmuck der Fassade zur Rue des Bernardins sowie Ausstattung der Marienkapelle und der Kapelle der Sterbenden in der Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet in Paris (1662),
die vollständige Holzausstattung (Basreliefs und Einzelfiguren) der Kirche Saint-Paul in Paris (1665),
Figuren des heiligen Leu und des heiligen Gilles für Étampes,
vier Steinmedaillons am Louvre (1669), in Zusammenarbeit mit Laurent Magnier,
Reliefs der Brunnenanlage Bain des Nymphes im Park von Versailles (um 1668–1670) nach Entwürfen von François Girardon in Zusammenarbeit mit Laurent Magnier,
dekorative Bildhauerarbeiten für den Park von Versailles, die Tuilerien und den Louvre.
Literatur
Nicolas Legendre. In: Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, Berlin/Boston, 2009 ff.
Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006.
Bulletin de la Société de l'Histoire de l'Art français. 1924, S. 29–30.
Louis Dussieux, Eudore Soulié, Philippe de Chennevières u. a.: Mémoires inédits sur la vie et les ouvrages des membres de l'Académie royale de peinture et de sculpture. Bd. I, Paris 1854, S. 408–414.
Grégory Vouhé: Nicolas Legendre. Anne d'Autriche et Radegonde. In: L'Actualité Poitou-Charentes. Nr. 98, Oktober–Dezember 2012.