Nina Brodsky (russisch Нина Бродская; * 13. Juni 1892 in Kiew als Nina Alexandrowna Brodskaja; † 28. Juli 1979 in Paris) war eine russisch-französische jüdische Bühnen- und Kostümbildnerin, Grafikerin und Lyrikerin.
Nina Brodsky wurde in Kiew im Russischen Kaiserreich in eine wohlhabende Familie geboren und wuchs zusammen mit ihrer ebenfalls künstlerisch begabten Schwester Olga auf. Von 1907 bis 1908 lebte sie in Moskau, wo sie an der Stroganow-Schule für Angewandte Kunst studierte. Zudem studierte sie Malerei und Grafik bei Hermann Struck in Berlin sowie Kunst in Weimar und in Sankt Petersburg, wo sie 1915 in den Ateliers von Georgi Bogdanowitsch Jakulow, Mstislaw Walerianowitsch Dobuschinski, Alexander Nikolajewitsch Benois und Wassili Iwanowitsch Schuchajew lernte. Sie versuchte sich auch in der Dichtung.
Nach der russischen Revolution ging Nina Brodsky mit ihrer Schwester Olga 1919/1920 nach Berlin. Ihre außergewöhnliche Begabung für Bühnenbild und Kostüm wurde sichtbar, als sie als Bühnen- und Kostümbildnerin am russischen Emigranten-Kabarett Der Blaue Vogel in der Goltzstraße 9 in Berlin-Schöneberg tätig wurde. Sie arbeitete unter anderem mit dem Regisseur Max Reinhardt zusammen und entdeckte 1926 in einer Hamlet-Inszenierung projizierte Bühnenbilder für sich. Als Illustratorin und Gebrauchsgrafikerin war sie für verschiedene Auftraggeber und den Jüdischen Verlag in Berlin tätig, für den sie unter anderem jüdische Kinderkalender illustrierte.
Von 1930 bis 1933 wohnte und arbeitete Nina Brodsky in Basel, wo sie Oskar Wälterlin kennenlernte und 1931 ihre ersten projizierten Bühnenbilder entwarf. Von 1936 bis 1937 lebte sie in Paris, arbeitete für das Théâtre du Châtelet und entwarf auch Filmplakate, wie etwa für Die große Illusion von Jean Renoir. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs hielt sie sich in Toulouse auf. Mit Hilfe ihrer Cousins konnte sie ein Visum erhalten, um zu ihnen in die Schweiz zu reisen, wo sie bis Kriegsende blieb.
Anschließend kehrte Nina Brodsky nach Frankreich zurück und ließ sich 1947 endgültig in Paris nieder. 1955 entwarf sie das Bühnenbild für die Pariser Opernproduktion La damnation de Faust. Sie schrieb weiterhin Gedichte, veröffentlichte 1968 einen Gedichtband und arbeitete auch als Übersetzerin.
Nina Brodsky vermachte 1979 ihr gesamtes Archiv der Bibliothèque nationale de France. Die Sammlung umfasst Hunderte von Dokumenten zu Bühnenbildern und Kostümen, Skizzen, etwa zwanzig dreidimensionale Modelle, Fotografien von Bühnenbildern, Projektionskopien von projizierten Bühnenbildern, Illustrationen sowie Korrespondenz, Texte und Dokumente.
Im Jahr 2025 zeigte das Jüdische Museum Berlin die Ausstellung Widerstände. Jüdische Designerinnen der Moderne, in der auch Nina Brodsky vertreten war.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Brodsky, Nina |
| ALTERNATIVNAMEN | Brodskaya, Nina; Бродская, Нина |
| KURZBESCHREIBUNG | russisch-französische Grafikerin, Bühnen- und Kostümbildnerin, Lyrikerin |
| GEBURTSDATUM | 13. Juni 1892 |
| GEBURTSORT | Kiew |
| STERBEDATUM | 28. Juli 1979 |
| STERBEORT | Paris |