Nuon Phaly (Khmer នួន ផល្លី; * 1942 in der Provinz Kandal; † 2012) war eine kambodschanische Sozial- und Gesundheitsarbeiterin, die Überlebende der Roten Khmer, besonders traumatisierte Frauen und Kinder, unterstützte. Sie gründete mit Hem Soeurn das Khmer-Volkszentrum zur Linderung von Depressionen und das Waisenhaus Zukunftslicht in Phnom Penh. Im Jahr 1998 erhielt sie den Ramon-Magsaysay-Preis.
Nuon Phaly wurde 1942 in der Provinz Kandal geboren und lernte Stenografie auf Französisch und Khmer. Bis 1972 arbeitete sie als leitende Sekretärin im Finanzministerium in Phnom Penh. Nach der Einnahme Phnom Penhs durch die Roten Khmer im April 1975 wurde sie wie viele andere Einwohner in die Landgebiete deportiert. In dieser Zeit erlitt ihre Familie schwere Gewalt; ihre zwölfjährige Tochter wurde von Angehörigen der Roten Khmer vergewaltigt und ermordet. Nach dem Ende der Herrschaft Pol Pots gelangte sie in ein Flüchtlingslager an der thailändisch-kambodschanischen Grenze, wo sie wegen ihrer Bildung und Sprachkenntnisse mit ausländischen Helfern kommunizieren konnte. Dort traf sie auf Frauen, die nach Krieg, Folter und Familientrennungen schwer traumatisiert waren und ihre Kinder kaum noch versorgen konnten. 1985 öffneten Nuon Phaly und Hem Soeurn ihr kleines Haus im Lager als Anlaufstelle für depressive Flüchtlinge. 1993 kehrte sie nach Kambodscha zurück; die mit ihr repatriierten 91 Kinder wurden zunächst in Phnom Penh untergebracht. Sie starb 2012 im Alter von 70 Jahren nach einem Verkehrsunfall.
Aus der Betreuung im Lager entstand 1987 das Khmer-Volkszentrum zur Linderung von Depressionen, das mit Unterstützung des Katholischen Büros für Flüchtlingsnothilfe und des UNHCR Frauen und Kinder aufnahm. In ihrer Arbeit verband Nuon Phaly traditionelle Khmer-Heilweisen mit westlichen Therapiekonzepten, die sie in Thailand kennengelernt hatte. Ihr Ansatz diente als praktische Hilfe in einer Gesellschaft, in der Überlebende der Roten Khmer besonders häufig unter Depressionen litten. Ihre drei Schritte waren Vergessen, Arbeiten und Vertrauen; Vertrauen sollte auch durch gemeinschaftliche Tätigkeiten wie Maniküre und Pediküre neu gelernt werden. Nach der Rückkehr nach Phnom Penh wurde aus der Arbeit das Waisenhaus Zukunftslicht, das 1995 offiziell eröffnete. Das Waisenhaus nahm Kinder auf, bot Schulbildung, medizinische und materielle Unterstützung sowie berufliche Ausbildung an und blieb zugleich ein Zentrum für Beratung und Lebensunterhaltstraining von Kriegswitwen. Die handwerklichen Tätigkeiten, besonders Weben und Nähen, dienten sowohl der Ausbildung als auch der Finanzierung; es gab ein Seidengeschäft, eine Gästeunterkunft und internationale Unterstützung durch Käufer und Rotarier. Das Waisenhaus wuchs später auf mehr als 287 Kinder an und bot neben Unterkunft, Nahrung und Schulmaterial auch Englisch-, Computer-, Kunst- und Handwerksunterricht an. Die Ramon-Magsaysay-Stiftung würdigte Nuon Phaly 1998 für ihren Einsatz, kriegstraumatisierten Frauen und Kindern nach der nationalen Tragödie Kambodschas geistigen und materiellen Wiederaufbau zu ermöglichen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Phaly, Nuon |
| KURZBESCHREIBUNG | kambodschanische Sozial- und Gesundheitsarbeiterin |
| GEBURTSDATUM | 1942 |
| GEBURTSORT | Provinz Kandal |
| STERBEDATUM | 2012 |