Oberseelbach Gemeinde Niedernhausen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 11′ N, 8° 18′ O |
| Höhe: | 343 m ü. NHN |
| Fläche: | 2,92 km² |
| Einwohner: | 415 (30. Juni 2026) |
| Bevölkerungsdichte: | 142 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1977 |
| Postleitzahl: | 65527 |
| Vorwahl: | 06127 |
Oberseelbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Niedernhausen im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Ort liegt im Naturpark Rhein-Taunus am Nordrand des Hohen Taunus. Bis zur hessischen Gebietsreform am 1. Januar 1977 war Oberseelbach eine selbständige Gemeinde.
Oberseelbach liegt knapp nördlich des waldreichen Hohen Taunus an einer Straße über den Seelbach, einen von Lenzhahn kommenden linken Zufluss des Daisbachs. Der mit 365 Metern niedrigste Straßenübergang über den Taunushauptkamm und damit über die Wasserscheide zwischen Main und Lahn liegt knapp einen Kilometer nordwestlich der Ortslage auf der Gemarkungsgrenze zu Dasbach, die hier ungefähr dem Verlauf des Obergermanisch-Raetischen Limes entspricht. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich südöstlich der Ortslage auf dem Hohlen Stein in 475 Metern Höhe.
Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Ortes als superior Selebach findet sich in einem Kopialbuch der Kirche St. Stephan in Mainz und datiert auf die Jahre 1226 bis 1239.
Der Seelbach bildete über Jahrhunderte eine Grenze zwischen den Herrschaftsgebieten der Grafen von Nassau im Norden und der Herren von Eppstein beziehungsweise später des Kurfürstentums Mainz im Süden. Je nach Lage ihrer Grundstücke hatten die Einwohner Abgaben an unterschiedliche Landesherren zu entrichten. Nach dem Dreißigjährigen Krieg sollen in Oberseelbach lediglich ein Haushalt und 14 Einwohner verblieben sein.
Während der Zeit des Herzogtums Nassau gehörte Oberseelbach zum Amt Idstein. Nach der Annexion des Herzogtums Nassau durch Preußen im Jahr 1866 wurde der Ort ab 1867 dem Untertaunuskreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.
Im Zuge der hessischen Gebietsreform wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Niedernhausen, Engenhahn, Niederseelbach, Oberseelbach und Oberjosbach zum 1. Januar 1977 durch Landesgesetz zur Gemeinde Niedernhausen zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurde die Gemeinde Teil des ebenfalls zum 1. Januar 1977 neu gebildeten Rheingau-Taunus-Kreises mit der Kreisstadt Bad Schwalbach. Zuvor gehörte Niedernhausen dem Main-Taunus-Kreis an.
Für Oberseelbach wurde – wie für die übrigen Ortsteile – ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Sitz der Gemeindeverwaltung blieb Niedernhausen.
Einwohnerentwicklung
| Oberseelbach: Einwohnerzahlen von 1821 bis 2017 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1821 | 109 | |||
| 1834 | 148 | |||
| 1840 | 150 | |||
| 1846 | 150 | |||
| 1852 | 156 | |||
| 1858 | 152 | |||
| 1864 | 147 | |||
| 1871 | 146 | |||
| 1875 | 147 | |||
| 1885 | 144 | |||
| 1895 | 132 | |||
| 1905 | 135 | |||
| 1910 | 145 | |||
| 1925 | 166 | |||
| 1939 | 162 | |||
| 1946 | 214 | |||
| 1950 | 235 | |||
| 1956 | 224 | |||
| 1961 | 220 | |||
| 1967 | 361 | |||
| 1970 | 367 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2011 | 444 | |||
| 2017 | 612 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: ; Zensus 2011 | ||||
Religionszugehörigkeit
| • 1885: | 144 evangelische (= 100 %) Einwohner |
| • 1961: | 194 evangelische (= 88,18 %), 26 katholische (= 11,82 %) Einwohner |
Oberseelbach verfügt über mehrere als Kulturdenkmäler ausgewiesene Bauwerke, die das historische Ortsbild prägen.
Das ortsbildprägende Rat- und Backhaus in der Hauptstraße steht unter Denkmalschutz. Es bildet zusammen mit einer Scheune aus dem Jahr 1808 eine Baugruppe aus dem späten 18. Jahrhundert. Das Gebäude besitzt ein Sichtfachwerk-Obergeschoss, das früher als Ratsstube diente, über einem niedrigen massiven Erdgeschoss mit der ehemaligen Backstube. Der Uhrendachreiter mit Zwiebelhaube prägt das Erscheinungsbild des Bauwerks.
Gegenüber dem Rat- und Backhaus befindet sich ein gusseiserner Laufbrunnen aus der Zeit um 1900, der ebenfalls als Kulturdenkmal ausgewiesen ist. Der rechteckige Brunnentrog mit aufgesetzten Stegen und Rosetten stammt möglicherweise aus der Michelbacher Hütte. Der Brunnen steht am heute verrohrten Seelbach. Weitere Beispiele finden sich unter Gusseiserne Brunnen im Taunus.
Ebenfalls gegenüber dem Brunnen befindet sich die Hofanlage Hauptstraße 6. Das verputzte Wohnhaus mit Krüppelwalmdach aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbindet Merkmale barocker Bauernhäuser mit einem biedermeierlichen Wohnhaustyp und besitzt eine streng gegliederte Fassade mit Mitteleingang.
Ein weiteres Kulturdenkmal ist das ehemalige Feuerwehrhaus, ein kleiner Fachwerkbau aus dem 19. Jahrhundert.
Oberseelbach beteiligte sich ab 2024 am Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft. Im Regionalentscheid 2024 der Landkreise Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus und Wetterau belegte der Ort den zweiten Platz und qualifizierte sich damit für den hessischen Landesentscheid 2025.
Im Landesentscheid 2025 erreichte Oberseelbach erneut den zweiten Platz und qualifizierte sich damit für den 28. Bundesentscheid 2026.
Beim 28. Bundesentscheid Unser Dorf hat Zukunft wurde Oberseelbach 2026 mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.
Im Anschluss nahm Oberseelbach am European Village Renewal Award (Europäischer Dorferneuerungspreis) teil und wurde dort mit dem Europäischen Dorferneuerungspreis in Silber ausgezeichnet.
Oberseelbach liegt an der Landesstraße L 3026, die westlich der Ortslage verläuft und Idstein im Norden mit dem Kernort Niedernhausen im Süden verbindet. Im Bereich Oberseelbach kreuzt sie die Landesstraße L 3273, die parallel zum Taunushauptkamm von Heftrich über den Ortskern und Niederseelbach nach Neuhof führt.