Oberwalgern Gemeinde Fronhausen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 43′ N, 8° 40′ O |
| Höhe: | 259 (239–264) m ü. NHN |
| Fläche: | 3,85 km² |
| Einwohner: | 505 (31. Dez. 2014) |
| Bevölkerungsdichte: | 131 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1974 |
| Postleitzahl: | 35112 |
| Vorwahl: | 06426 |
Ansicht von Westen über das Salzbödetal hinweg | |
Oberwalgern ist ein Ortsteil der mittelhessischen Großgemeinde Fronhausen im äußersten Süden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Der Ort liegt etwa anderthalb Kilometer (nord)westlich des Hauptortes Fronhausen (Lahn).
Die Walangere marca wurde zwischen 770 erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Damit war ein Gebiet und nicht nur einzelne Orte gemeint. Die Differenzierung nach den Ortsnamen Ober- und Niederwalgern war in dieser Zeit noch nicht vorhanden. 769/778 schenkte Erpho dem Kloster Lorsch Güter in „Walangere marca“. Das Kloster erhielt 795 von Theotger einen Bifang in „... Walanger marca ...“
Oberwalgern wird erneut 1288 erwähnt: „... in Lollor et in superiori Walgern.“
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen erfolge am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz der Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Bellnhausen, Erbenhausen, Fronhausen mit Sichertshausen, Hassenhausen, Holzhausen und Oberwalgern zur neuen Großgemeinde Fronhausen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Fronhausen wurden Ortsbezirke gebildet.
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten, denen Oberwalgern angehört(e):
Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung (1807–1813 und endgültig 1822) sind die Ämter neben der Verwaltung für die Rechtsprechung (meist Niedere Gerichtsbarkeit bzw. Erste Instanz) zuständig. Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Oberwalgern zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.
Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Fronhausen 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden. Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.
Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Oberwalgern 525 Einwohner. Darunter waren 9 (= 1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 75 Einwohner unter 18 Jahren, 189 zwischen 18 und 49, 132 zwischen 50 und 64 und 129 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 228 Haushalten. Davon waren 71 Singlehaushalte, 81 Paare ohne Kinder und 69 Paare mit Kindern, sowie 21 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 54 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 141 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1502: | 15 Hausgesesse |
| • 1577: | 22 Hausgesesse |
| • 1630: | 15 Hausgesesse |
| • 1745: | 154 Einwohner |
| • 1681: | 14 hausgesessene Mannschaften |
| • 1838: | Familien: 20 nutzungsberechtigte, 18 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen |
| Oberwalgern: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2014 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1834 | 201 | |||
| 1840 | 197 | |||
| 1846 | 180 | |||
| 1852 | 186 | |||
| 1858 | 197 | |||
| 1864 | 216 | |||
| 1871 | 209 | |||
| 1875 | 221 | |||
| 1885 | 229 | |||
| 1895 | 228 | |||
| 1905 | 270 | |||
| 1910 | 276 | |||
| 1925 | 309 | |||
| 1939 | 360 | |||
| 1946 | 468 | |||
| 1950 | 467 | |||
| 1956 | 421 | |||
| 1961 | 461 | |||
| 1967 | 495 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | ? | |||
| 2009 | 490 | |||
| 2011 | 525 | |||
| 2014 | 505 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: LAGIS; ab 2000 Gemeinde Fronhausen; Zensus 2011 | ||||
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1861: | alle Einwohner evangelisch-lutherisch |
| • 1885: | 216 evangelische (= 94,32 %), kein katholischer, 13 andere Christen (= 5,68 %) |
| • 1961: | 433 evangelische (= 93,93 %), 25 katholische (= 5,42 %) Einwohner |
| Quelle: Historisches Ortslexikon | |
| • 1775: | Erwerbspersonen: 13 Ackerleute, 3 Schmiede, 1 Leineweber, 1 Zimmermann, 5 Müller, 1 Schneider, 1 Branntweinbrenner, 1 Spielmann, 6 Tagelöhner. |
| • 1838: | Familien: 20 Ackerbau, 10 Gewerbe, 11 Tagelöhner. |
| • 1961: | Erwerbspersonen: 77 Land- und Forstwirtschaft, 97 Produzierendes Gewerbe, 18 Handel und Verkehr, 16 Dienstleistungen und Sonstiges. |
Für Oberwalgern besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Oberwalgern. Der Ortsbeirat Oberwalgern besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 56,88 %. Alle Kandidaten gehörten der „Offenen Liste Oberwalgern“ an. Der Ortsbeirat wählte Thomas Pusch zum Ortsvorsteher.
Im Ort gibt es eine historische evangelische Kirche und ein Dorfgemeinschaftshaus.
Anmerkungen
Einzelnachweise