| Oechsler AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1864 |
| Sitz | Ansbach, |
| Leitung |
|
| Mitarbeiterzahl | 2.950 (2022) |
| Umsatz | 379,8 Mio. Euro (2022) |
| Branche | Kunststoffverarbeitung |
| Website | www.oechsler.com |
| Stand: 31. Dezember 2022 | |
Die Oechsler AG (Eigenschreibweise: OECHSLER) ist ein Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie mit Sitz in Ansbach in Bayern. Es ist für die Automobil-, Medizin- und Sportartikelindustrie tätig.
Die Unternehmensgeschichte geht auf das Jahr 1864 zurück, als der Namensgeber Matthias Oechsler es als Beinringler- und Beinknopfmacher-Handwerksbetrieb gründete. Im Jahr 1893 stieg sein Sohn Otto Oechsler als Mitinhaber in das Unternehmen ein und übernahm den Betrieb 1901 nach dem den Tod des Vaters. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg die Mitarbeiterzahl auf 1000 an.
Im Jahr 1912 erweiterte Otto Oechsler das Unternehmen mit einem Zweigwerk in Weißenburg in Bayern. Bis in die 1930er Jahre expandierte das Unternehmen, ehe die Weltwirtschaftskrise es zwang, einzelne Abteilungen einhergehend mit einbrechenden Exporten zu schließen. Gesichert ab 1934 produzierte die Matthias Oechsler & Sohn AG verschiedene Abzeichen für NS-Organisationen, unter der Reichszeugmeisterei-Nummer M1/14, darunter Parteiabzeichen für die NSDAP und die Hitlerjugend.
Im Zweiten Weltkrieg fiel das Werk in Ansbach Bombenangriffen der Alliierten zum Opfer. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde eine neue Werkhalle für die Herstellung von Präzisionskunststoffteilen geschaffen.
Im Jahr 1947 entwickelte der inzwischen das Unternehmen leitende Albert Oechsler mit seinen beiden Brüdern eine Kunststoff-Spritzguss-Maschine und machte Oechsler zu einem Systemlieferanten. Zum 100-jährigen Jubiläum wurde das Unternehmen in eine GmbH & Co. KG umgewandelt. Die damalige Bahnhofsstraße heißt seitdem zu Ehren des Unternehmensgründers Matthias-Oechsler-Straße. Von 1965 bis 1970 folgten weitere Ausbauten der Werke in Ansbach und Weißenburg.
Im Jahr 2000 wurde aus der Matthias Oechsler & Sohn GmbH & Co. KG die Oechsler AG. Diese verfolgt eine Globalisierungsstrategie. Heute hat die Oechsler-Gruppe Produktionsstandorte in Deutschland (Ansbach, Weißenburg, Brodswinden), China (Taicang), Rumänien (Lipova) und Mexiko (Querétaro).
Die Oechsler AG betrieb von 2015 bis 2019 als Technologie- und Entwicklungspartner die Speedfactories von adidas in Brodswinden und Acworth. In den Speedfactories wurde unter Nutzung von modernster Technologie die Schuhproduktion automatisiert.
Das Unternehmen ist tätig im Kunststoff- und Keramikspritzguss, der Aktuatorik (allg. Antriebstechnik), in Additiver Fertigung und der Montage von Bauteilen. Die Produktpalette reicht von Medizinprodukten über Robotic Systeme bis hin zu Sportartikeln. Zudem gilt Oechsler als einer der größten Produzenten für kunststoffbasierte 3D-gedruckte Komponenten.
Zu den bekanntesten Produkten des Unternehmens zählen die Elektronische Parkbremse, Komponenten für Vakuumpumpen, Assistenzsysteme für autonomes Fahren sowie Schuhsohlen, Sporthelme und Medizinprodukte.
Der Spritzguss ist die älteste Kompetenz im Unternehmen. Der Bereich erstreckt sich von der Konstruktion und Fertigung von Spritzgusswerkzeugen über die Produktion von polymeren, keramischen und metallischen Komponenten bis hin zur Montage von Baugruppen (Klein- und Großserie).
Der Kunststoffspritzguss findet unter anderem im Automotive wie im Healthcare-Sektor Anwendung. In zertifizierten Reinräumen werden beispielsweise Blutzuckermessgeräte und Inhaliergeräte (bspw. für Asthmaerkrankungen) gefertigt.
Die Produkte des Keramikspritzguss werden unter anderem für Automotive-Anwendungen gefertigt. Kratzfeste Oberflächen mit Lichtapplikationen, freie 3D-Formgestaltung und Oberflächenveredelungen ermöglichen verschleißfeste Produkte.
Neben der Herstellung von Einzelkomponenten bietet das Unternehmen auch antriebstechnische Baueinheiten, so genannte Aktuatoren an. Diese setzen elektrische Signale in eine mechanische Bewegung um. Aktuatoren werden bislang vor allem für den Automobilsektor produziert, wobei Anwendungsmöglichkeiten auch im Roboter- oder Mobilitätsbereich gegeben sind. Eines der Kernprodukte in diesem Bereich ist die elektronische Parkbremse. Oechsler gilt als globaler Marktführer in Bezug auf absolut gefertigte Stückzahlen von elektronischen Parkbremsen. Im Jahr 2018 wurde das Unternehmen von ZF Friedrichshafen in dem Bereich „Innovation“ mit dem „ZF Supplier Award“ ausgezeichnet.
Die additive Fertigung, oft auch 3D-Druck genannt, nutzt Oechsler in Ergänzung zu den bestehenden Herstellungsverfahren. Die Kapazität umfasst ca. 200 Drucker weltweit. Bisherige Produkte sind vor allem Sport- und Lifestyle-Artikel wie Schuhsohlen, Sporthelme (in Zusammenarbeit mit American Football Team Riddell) oder Sportsitze (in Zusammenarbeit mit Porsche).
Das Unternehmen produziert stromleitende Heizsysteme für Sensoren, die als Assistenzsysteme für autonomes Fahren genutzt werden, sowie Systeme für die selektive katalytische Reduktion (SCR-Systeme) im Automobilbereich. Diese Technik beschreibt die Verminderung von Stickoxiden in Abgasen. Daneben produziert das Unternehmen auch Schlüsselkomponenten für Vakuumpumpen, die zum Druckaufbau bei Autobremsen verwendet werden.
Die Oechsler-Gruppe unterhält Produktionsstandorte in Ansbach, Ansbach-Brodswinden und Weißenburg sowie bei der chinesischen Tochtergesellschaft Oechsler Plastic Products Co. Ltd. in Taicang, der Oechsler Romania s.r.l. in Lipova, der Oechsler Mexico S.A. de C.V. in Querétaro, der Oechsler Motion Inc. in Acworth (USA) und der Oechsler Motion LLC in Long An (Vietnam). Die Nachkommen des Unternehmensgründers sind nach wie vor mit 79 Prozent am Grundkapital der Aktiengesellschaft beteiligt, neben dem Management ist der Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs-AG (DBAG) mit 20 Prozent beteiligt.
Quelle: