Okonek

Okonek
Wappen von Okonek
Okonek (Polen)
Okonek (Polen)
Okonek
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Złotowski
Gmina: Okonek
Fläche: 6,01 km²
Geographische Lage: 53° 32′ N, 16° 51′ OKoordinaten: 53° 32′ 0″ N, 16° 51′ 0″ O
Einwohner: 3616
(1. Jan. 2024)
Postleitzahl: 64-965
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PZL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 11: Kołobrzeg–Bytom
Eisenbahn: PKP-Linie 405: Piła–Ustka
Nächster int. Flughafen: Posen
Gmina
Gminatyp: Stadt-und-Land-Gemeinde
Gminagliederung: 27 Ortschaften
15 Schulzenämter
Fläche: 325,88 km²
Einwohner: 7911
(1. Jan. 2024)
Bevölkerungsdichte: 24 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3031053
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Andrzej Jasiłek
Adresse: ul. Niepodległości 53
64-965 Okonek
Webpräsenz: www.okonek.pl

Okonek (deutsch Ratzebuhr) ist eine Kleinstadt mit Sitz einer Stadt-und-Land-Gemeinde im Powiat Złotowski der polnischen Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage

Die Stadt liegt in Hinterpommern, am östlichen Ende der Stettiner Seenplatte, etwa 15 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Szczecinek (Neustettin) und sechs Kilometer westlich von Lędyczek (Landeck). Der Fluss Czarna (Zarne), ein Nebenfluss der Gwda (Küddow), fließt durch die Stadt.

Bahnhof
Rathaus
Stadtkirche, bis 1945 Gotteshaus der evangelischen Gemeinde Ratzebuhr
Bismarckturm

Geschichte

Der Herzog Barnim IX. von Pommern-Stettin erteilte im Jahre 1554 die Order, im äußersten Südosten seines Herrschaftsgebietes an der Grenze zu Polen ein ihm unterstelltes Amtsdorf anzusiedeln. Für das Jahr 1563 ist überliefert, dass ein Jakob Woyke das Schulzenamt innehatte. Die Marktgerechtigkeit für zwei Jahrmärkte erteilte 1592 der Pommernherzog Johann Friedrich. Fünf Jahre später wurde das Recht auf jährlich drei Märkte erweitert. 1628 hatte sich der Ort zu 45 Bauernhöfen, sechs Katen, zwei Mühlen und einer Schenke entwickelt. Bis auf zwei Höfe brannte alles während des polnisch-schwedischen Krieges 1658 ab. 1663 konnte die als Fachwerkbau errichtete neue Kirche geweiht werden.

Nachdem Pommern 1653 unter brandenburgische Herrschaft gekommen war, unterstand Ratzebuhr administrativ dem Neustettinschen Kreis.

1656 brachen Polen unter dem Anführer Babomoski in die Region ein, wurden jedoch zurückgeschlagen. Bei dem Einfall der Polen 1658 wurde Ratzebuhr samt der Kirche gänzlich eingeäschert. 1748 erlitt die Stadt erneut eine Feuersbrunst.

1720 wurde in der Stadt eine damals so bezeichnete Akzisestation (später Finanzamt) eingerichtet. Um den Grenzort gegenüber Polen zu stärken, erhob der preußische König Friedrich II. Ratzebuhr 1754 zur Stadt nach lübischen Recht und veranlasste auswärtige Tuchmacher, sich dort niederzulassen. Während des Siebenjährigen Krieges zogen 1758 russische Truppen plündernd durch die Stadt. In den Jahren 1781 bis 1782 wurde im Rahmen des preußischen Trockenlegungsprogramms das westlich der Stadt gelegene Tiefe Bruch urbar gemacht.

Als nach dem Wiener Kongress 1815 wieder eine Zollgrenze zum russischen Kongresspolen entstand, gerieten die Ratzebuhrer Tuchmacher so sehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, dass viele von ihnen nach Kongresspolen auswanderten. Erst mit dem 1878 erfolgten Anschluss an das Eisenbahnnetz konnte sich die Wirtschaft wieder erholen. Neben den noch bestehenden zwei Tuchfabriken (der Familien Adler und Saecker) siedelten sich zwei Sägewerke, eine Ziegelei und eine Möbelfabrik an. 1914 wurde eine Großversandgärtnerei gegründet, die später zu Europas größter Edelweißzüchterei expandierte.

Um 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Ratzebuhr eine Flächengröße von 44,6 km², und im Stadtgebiet standen zusammen 286 bewohnte Wohnhäuser an 18 verschiedenen Wohnorten:

  1. Altes Forsthaus
  2. Bahnhof Ratzebuhr
  3. Chausseehaus
  4. Emilienhof
  5. Ferdinandshöhe
  6. Forsthaus Ratzebuhr
  7. Friedrichshof
  8. Hintermühle
  9. Krügershof
  10. Marienhöh
  11. Polenskenhof
  12. Ratzebuhr
  13. Schützenhaus
  14. Sommersruh
  15. Spinnerei
  16. Tannhausen
  17. Vordermühle
  18. Ziegelei

Ratzebuhr gehörte 1945 zum Landkreis Neustettin im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Kurz darauf wurde Ratzebuhr – wie ganz Hinterpommern – seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der darauf folgenden Zeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration vertrieben. Ratzebuhr wurde in Okonek umbenannt.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1740864
1782974darunter elf Juden
17941029darunter 15 Juden
18121060darunter sechs Katholiken und 47 Juden
18161132darunter zehn Katholiken und 74 Juden
18311322darunter fünf Katholiken und 13 Juden
18431579darunter sechs Katholiken und 78 Juden
18521850darunter sechs Katholiken und 99 Juden
18612063darunter fünf Katholiken und 99 Juden
18752248
18802432
19052192Stadt an der Zarne, mit einer evangelischen und einer katholischen Kirche, einer Synagoge sowie einem Amtsgericht
19252611darunter 23 Katholiken und 30 Juden
19332960
19392941

Verkehr

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Städtepartnerschaft

Gemeindegliederung

Zur Stadt- und Landgemeinde Okonek gehören außer geschlossenen Ortschaften auch Streusiedlungen.

Geschlossene Ortschaften:

Namedeutscher Name (bis 1945)
BorkiBarken
BorucinoBurzen
BrokęcinoBahrenbusch
ChwalimieWallachsee
CiosaniecHasenfier
DrzewiceHohenholz
Glinki MokreNaßglienke
Glinki SucheTrockenglienke
LędyczekLandeck
ŁomczewoLümzow
LotyńLottin
LubniczkaKlein Hertzberg
OkonekRatzebuhr
PniewoPinnow
PodgajeFlederborn
Węgorzewo SzczecineckieVangerow

Verstreute Siedlungen: Anielin (Karolinenhof), Babi Dwór (Babylon), Brzozówka (Birkenhof), Ciosaniec-Bolkowo (Hasenfier), Czersk (Marienwalde), Kruszka (Kruschke), Lubnica (Groß Hertzberg), Lubnicki Młyn, Przybysław (Ewaldshof), Rydzynka (Krügershof), Skoki (Mückenmühle), Wojnówko.

Literatur

Fußnoten

  1. 1 2 Area and population in the territorial profile in 2024. Abgerufen am 7. September 2025.
  2. ↑ Julius Adolph Wilcke: Chronik der Stadt Neustettin – Nach urkundlichen und amtlichen Quellen. Eckstein, Neustettin 1862, S. 35.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Kratz (1865), S. 320–321.
  4. 1 2 Die Stadt Ratzebuhr im ehemaligen Kreis Neustettin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011).
  5. 1 2 3 4 Michael Rademacher: Neustettin. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  6. ↑ Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig/Wien 1908, S. 351 (Zeno.org).