Oliver Bange

Oliver Bange auf dem Liberalismus-Kolloquium des Archivs des Liberalismus, Jena 2018

Oliver Bange (* 30. März 1964 in Gummersbach) ist ein deutscher Historiker, Sozialwissenschaftler und Publizist. Er ist Privatdozent der Universität Mannheim mit der Venia Legendi für die gesamte Neue Geschichte.

Leben

Bange begann 1983 sein Studium der Politikwissenschaft, der Wirtschaftsgeschichte und der Mittleren und Neueren Geschichte an der RWTH Aachen und der London School of Economics (LSE), das er 1989 abschloss. In den Jahren von 1987 bis 1989 war er u. a. als Volontär beim Press and Information Office of the European Communities in London und der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf beschäftigt. Danach schloss Bange sein vierjähriges postgraduales Studium der Neuesten Geschichte bei Alan Sked an der London School of Economics and Political Science 1995 mit einem Ph.D. ab. Er wurde 1997 von John Barnes (London School of Economics) und John Young (University of Leicester) mit der Dissertation Die europäische und atlantische Krise von 1963 promoviert.

Im darauffolgenden Jahr nahm er eine Tätigkeit als Lektor beim Nomos Verlag in Baden-Baden auf, die er bis 1997 ausübte. Von 1998 bis 2002 war er als Researcher bzw. Redakteur beim Medienanalyse-Unternehmen Media Tenor, beim Institut für Medieninhaltsanalyse in Leipzig sowie als Redakteur der Zeitschrift Media Monitor International tätig. Im Jahr 2002 nahm Oliver Bange eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Ostpolitik und Détente“ von Gottfried Niedhart am Historischen Seminar der Universität Mannheim an, die er bis 2005 behielt. Währenddessen habilitierte er sich 2004 mit einer Arbeit Ostpolitik und Détente – Die Anfänge 1966–1969 zum Privatdozenten an der Universität Mannheim. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit bietet Bange dort bis heute Veranstaltungen an, zuletzt im Herbstsemester 2014 ein Hauptseminar zur deutschen Teilung und zur innerdeutschen Grenze und im Frühjahrssemester 2015 über „Geheime Orte – Russen und Sowjets in Potsdam“.

Von 2005 bis 2008 war Bange Koordinator des internationalen Forschungsprojektes „CSCE and the Transformation of Europe“. Im folgenden Jahr nahm er seine Arbeit als Historiker im Forschungsbereich „Militärgeschichte der DDR“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA) auf, die er bis 2018 ausübte. Derzeit arbeitet er im Bundesministerium der Verteidigung.

Er forscht zur Geschichte des Kalten Krieges und publizierte unter anderem in Archiv für Sozialgeschichte, Militärgeschichtliche Zeitschrift, International Journal und Journal of European Integration History. Bange lebt mit seiner Familie in Potsdam.

Rezeption

Horst Teltschik, der engste außenpolitische Berater von Kanzler Helmut Kohl, feierte den Band im Frühjahr 2014 in Potsdam öffentlich als „wichtige Dokumentation, der man möglichst viele Leser wünscht“. Der Politikwissenschaftler Werner Link rezensierte bei FAZ.NET den herausgegebenen Band Wege zur Wiedervereinigung. Die beiden deutschen Staaten in ihren Bündnissen 1970 bis 1990: „Das voluminöse Buch fasst Forschungsergebnisse einzelner Wissenschaftler zusammen, die mit unterschiedlichen Methoden und Konzepten gearbeitet haben. Auch die zentralen Begriffe – wie Ost-West-Konflikt, Kalter Krieg und Détente – differieren. In einem Punkt besteht jedoch weitgehend eine terminologische Gemeinsamkeit, nämlich in der Auffassung, dass die Détente als „antagonistische Kooperation“ zu begreifen ist.“ Außerdem resümierte er: „Nach der Lektüre des Bandes wird man die Frage weiter diskutieren wollen, welche Kurzformel adäquat ist: Wandel durch Annäherung oder Annäherung (und dann Wiedervereinigung) durch Wandel.“

Der Historiker Hermann Wentker schrieb 2014 beim Online-Rezensionsjournal Sehepunkte: „Trotz des methodisch reizvollen Ansatzes, die deutsch-deutsche Geschichte in den beiden letzten Jahrzehnten des Systemkonflikts vor allem aus sicherheitspolitischer Perspektive zu betrachten, ist das Gesamtergebnis nur teilweise überzeugend. Das liegt zum einen an der mangelnden Qualität einer Reihe von Beiträgen und zum anderen daran, dass die Beiträger in den einzelnen Kapiteln den Vorgaben der Herausgeber offensichtlich nicht immer gefolgt sind.“

Viel internationales Lob erhielt Bange auch für seine Beiträge zur Nuklear- und Geheimdienstgeschichte. So urteilte Winfried Heinemann in der Militärgeschichtlichen Zeitschrift, dass kein Beitrag in dem als Standardwerk zum NATO-Doppelbeschluss angelegten Sammelband „Entrüstet Euch!“ so viel Beachtung verdiene wie der von Bange zum Zusammenspiel von technologischen Entwicklungen, Kriegsbildern und Bedrohungsperzeptionen. Armin Grünbacher bezeichnete Banges Analyse in der renommierten English Historical Review als das „outstanding chapter“ dieses Sammelbandes überhaupt. Ähnlich positiv äußerte sich auch Rolf-Dieter Müller 2014 in der FAZ über Banges in einem bei Stanford University Press erschienenen Band enthaltene „umfassende“ Darstellung zum Kampf der DDR-Staatssicherheit gegen die Auswirkungen des internationalen Entspannungsprozesses der 1970er Jahre.

Laut Mark Kramer, dem Herausgeber des Journals of Cold War Studies und Programmdirektor des Projects on Cold War Studies der Harvard University, gehört Bange zu den „renommiertesten Historikern“ auf dem Gebiet der Entspannungspolitik des Kalten Krieges.

Schriften (Auswahl)

Monografien/Herausgeberschaften

Beiträge in Sammelbänden und Aufsätze in Fachjournalen

Einzelnachweise

  1. ↑ Helmut-Schmidt-Universität (Hrsg.): Wissenschaftliches Kolloquium: Helmut Schmidt und die internationale Politik. Hamburg, 26. und 27. November 2018.
  2. ↑ Buchpräsentation und Vortrag von Prof. Horst Teltschik am 13. Mai 2014 in Potsdam.
  3. ↑ Hermann Wentker: Oliver Bange/Bernd Lemke (Hrsg.): Wege zur Wiedervereinigung. In: Sehepunkte. Ausgabe 14, Nr. 2, 2014 (Rezension).
  4. ↑ Winfried Heinemann: Buchbesprechung zu Christoph Becker-Schaum (u. a.): Entrüstet euch!: Nuklearkrise, NATO-Doppelbeschluss und Friedensbewegung. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift. Band 72, Heft 1, Paderborn 2012, S. 226–227 (degruyter.com).
  5. ↑ Armin Grünbacher: Review zu Christoph Becker-Schaum (u. a.): Entrüstet euch!: Nuklearkrise, NATO-Doppelbeschluss und Friedensbewegung. In: The English Historical Review. Jg. 129, Nr. 538, 2014, S. 779–781 (oxfordjournals.org).
  6. ↑ Rolf-Dieter Müller: Von Kriechern und Riechern (Jonathan Haslam/Karina Urbach (Hrsg.): Secret Intelligence in the European States System 1918–1989) In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. März 2014 (faz.net).
  7. ↑ Mark Kramer: Editor’s Note. In: Journal of Cold War Studies. Jg. 18, Nr. 3, 2016, S. 1–2, hier: S. 2 (mitpressjournals.org).
  8. ↑ Hermann Wentker: Rezension (sehepunkte.de)
Personendaten
NAME Bange, Oliver
KURZBESCHREIBUNG deutscher Militärhistoriker
GEBURTSDATUM 30. März 1964
GEBURTSORT Gummersbach