| Orthomol Holding GmbH | |
|---|---|
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1991 |
| Sitz | Langenfeld (Rheinland), Nordrhein-Westfalen |
| Leitung |
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| Mitarbeiterzahl | 495 |
| Umsatz | 153,57 Millionen Euro |
| Website | www.orthomol.com |
| Stand: 31. Dezember 2022 | |
Orthomol ist ein Familienunternehmen mit Sitz in Langenfeld, Nordrhein-Westfalen. Es wurde 1991 von Kristian Glagau und Hans Dietl gegründet.
Das Unternehmen vertreibt Nahrungsergänzungsmittel und war 2019 Marktführer im Bereich der sogenannten alternativen orthomolekularen Medizin, deren Grundannahmen und Konzepte nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin nicht wissenschaftlich belegt sind und im Widerspruch zum anerkannten Stand der Ernährungswissenschaften stehen.
Ende der 1980er Jahre entwickelte Kristian Glagau, vorher u. a. im Marketing der Firma Fresenius tätig, die Idee, orthomolekulare Produkte in Deutschland zu vertreiben, nachdem der Nobelpreisträger Linus Pauling im Jahr 1968 in den Vereinigten Staaten damit begonnen hatte, kombinierte Vitamin-, Mineralstoff- und Spurenelement-Präparate zur Prävention von Krankheiten einzusetzen. 1991 gründete Glagau mit seinem Partner Hans Dietl das Unternehmen Orthomol. Sie vertrieben spezifische Mikronährstoff-Kombinationen, die von Lohnherstellern produziert wurden. Als Warenlager nutzten sie zunächst Räumlichkeiten an Glagaus Wohnsitz in Langenfeld. Das Unternehmen wuchs und bis zur Jahrtausendwende hatte Orthomol die Zahl von 100 Mitarbeitern überschritten.
2001 kaufte Glagau die Firmenanteile des zuvor verstorbenen Mitinhabers Dietl. Der Vertrieb expandierte über Europa hinaus nach Russland, in die Vereinigten Staaten sowie den Nahen Osten und Asien. Im Jahr 2009 verstarb auch der zweite Firmengründer, Kristian Glagau. Das Unternehmen wurde von seinen beiden Kindern gemeinsam mit Michael Schmidt weitergeführt, der schon zu Lebzeiten Glagaus Geschäftsführer gewesen war. Seit 2014 leiten Nils Glagau und Michael Schmidt das Unternehmen. 2019 wurde ein neues Produktionsgebäude errichtet.

Dachgesellschaft des Unternehmens ist die Orthomol Holding, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach deutschem Recht. Sie bildet mit ihren deutschen und internationalen Tochtergesellschaften einen Konzern.
Das Sortiment von Orthomol umfasst Nahrungsergänzungsmittel, die als Granulate, Kapseln und Trinkfläschchen das Immunsystem unterstützen sollen.
Die Verbraucherzentrale hält Nahrungsergänzungsmittel, die ärztlich empfohlen werden, nicht immer für sinnvoll, und rät zur Vorsicht, wenn „ein ganz bestimmtes Produkt“ und nicht nur ein Nährstoff oder eine Nährstoffkombination empfohlen wird. Ärzten ist der Handel, Verkauf oder die Vermittlung von Nahrungsergänzungsmitteln in ihrer Praxis während der Sprechzeiten nicht gestattet; manche von ihnen verkaufen die Produkte außerhalb der Sprechzeiten oder sind als Vertriebspartner tätig, zum Beispiel durch Auslage von Prospekten, wofür sie Provision erhalten. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mache die Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln unnötig. Bei Minderjährigen bestehe zudem die Gefahr einer Überschreitung der vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen täglichen Höchstmengen.
Im Jahr 2002 bemängelte Der Spiegel, dass Orthomol seinerzeit Präparate ohne jegliche medizinische Evidenz für eine Einnahme im Zusammenhang mit Krebserkrankungen bewarb. Der Tagesspiegel kritisierte, dass Nahrungsergänzungsmittel in erster Linie den Herstellern nützten, und zitierte das Arznei-Telegramm, das angesichts des nicht nachgewiesenen Nutzens und gravierender Bedenken von Produkten der orthomolekularen Medizin abrate.
Laut Peter Sawicki in einem Artikel von Spiegel Online (2014) hat Orthomol Immun (Orthomols bekanntestes Produkt) „weder als Einzelstoff noch als Kombination eine belegte Wirkung bei der Prävention von Erkrankungen“. Der Hinweis des Herstellers auf das Votum der Ethikkommission des Campus Charité sei zudem „eine bewusste Irreführung“. Die Deutsche Apothekerzeitung berichtete 2016, dass rezeptfreie Immunstimulanzien, darunter Orthomol Immun Pro, vom Verbrauchermagazin Öko-Test mit „ungenügend“ bewertet wurden. Neben dem fehlenden Wirksamkeitsbeleg wurden auch Deklarationsmängel und Überdosierungen beanstandet. 2018 urteilte die Wirtschaftswoche, das Unternehmen verkaufe „zweifelhafte Produkte mit vorbildlichem Marketing“. Nach einer Klage des Verbandes Sozialer Wettbewerb e.V. entschied der Europäische Gerichtshof im Oktober 2022, dass eine Einstufung als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke nur bei nachgewiesenem spezifischen Nährstoffbedarf zulässig sei, der durch normale Ernährung nicht gedeckt werden könne. Orthomol stufte ihre betroffenen Präparate in Nahrungsergänzungsmittel um.
In der 2. Fußball-Bundesliga fungierte das Unternehmen als Hauptsponsor des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf sowie des Hamburger SV. Nach dem Aufstieg der Fortuna in die 1. Bundesliga wurde die Zusammenarbeit beendet.