Ortsneckname

An den aus dem Kriegsjahr 1917 stammenden Necknamen Moosrebber der Oberfeller erinnert ein Denkmal in dem Moselort.

Ein Ortsneckname, Spitzname (auch Ortsneckerei, Uzname oder niederdeutsch Terneidsname) ist die scherzhafte Bezeichnung der Ortseinwohner durch die Bevölkerung benachbarter Orte. Die Namensgebung liegt meist im Dunklen. Sie soll sich auf Grund besonderer Begebenheiten, hervorstechender Eigenschaften oder Gewohnheiten der Bewohner herleiten und sind in der Regel in der örtlichen Mundart entstanden. Mit dem Orts-Spitznamen wird/wurde jeder Bewohner(-in) des Ortes bei Neckereien oder Streitereien belegt. In der Regel erzählt man sich eine schwankhafte Geschichte (nicht selten aber auch mehrere, voneinander abweichende), die den Ortsnecknamen erklärt (vergleichbar einer ätiologischen Erzählung).

In der Ethnologie werden solche (oft gegenseitigen) spöttischen Beziehungen von Volksgruppen joking relationships genannt. Deutschsprachige Ortsnecknamen sind in Deutschland und Österreich – oft in mundartlichen Ausprägungen – weit verbreitet.

Beispiele

Umwertung

Denkmal für die Thürer Somporsch

Ursprünglich meist höchst abfällig gemeint, wurden die Ortsnecknamen im 20. Jahrhundert häufig von den Verspotteten selbst aufgegriffen und mit Stolz als Teil ihrer Identität betrachtet (siehe auch Geusenwort). Als Beispiel für das Wechselspiel von positivem Selbstbild und Negativ-Stereotyp nennen sich die „eingefleischten“ Fellbacher stolz Moiekäfer (Maikäfer), während sie Neubürger abfällig als Engerlinge bezeichnen. Gelegentlich sind den Ortsnecknamen moderne Denkmal-Skulpturen gewidmet.

Forschungsgeschichte

Die maßgebliche volkskundliche Monographie hat Hugo Moser vorgelegt. In den letzten Jahren erscheinen vor allem in Süddeutschland populär ausgerichtete Bücher mit Necknamen-Sammlungen (z. B. David Depenau 2001–2004).

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Hans-Jörg Hennecke: Lindener Butjer. In: linden-entdecken.de. Lebendiges Linden e. V., abgerufen am 27. Januar 2016.
  2. ↑ Liste von Ortsspottnamen – ÖsterreichWiki. Abgerufen am 13. November 2024.
  3. ↑ Salzburger Stierwascher auf www.sn.at
  4. ↑ Julius Jakob: Wörterbuch des Wiener Dialekts mit einer kurzgefassten Grammatik, Wien/Leipzig 1929, S. 183.