Otto Jelinek

Otto Jelinek
Otto Jelinek (2014)
Nation Kanada 1957 Kanada
Geburtstag 20. Mai 1940
Geburtsort Prag
Sterbedatum 5. September 2026
Sterbeort Mississauga, Kanada
Karriere
Disziplin Paarlauf
Partner/in Maria Jelinek
Verein Oakville Skating Club
Medaillenspiegel
WM-Medaillen 1 × Goldmedaille 1 × Silbermedaille 2 × Bronzemedaille
 Weltmeisterschaften
Bronze Colorado Springs 1957 Paare
Bronze Paris 1958 Paare
Silber Vancouver 1960 Paare
Gold Prag 1962 Paare
 

Otto John Jelinek (tschechisch Otto Jelínek; * 20. Mai 1940 in Prag; † 5. September 2026 in Mississauga, Kanada) war ein kanadischer Eiskunstläufer und Politiker. Im Paarlauf mit seiner Schwester Maria gewann er 1962 die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft.

Nach seiner sportlichen Karriere war er von 1972 bis 1993 Abgeordneter der Progressiv-konservativen Partei im kanadischen Unterhaus. Von 1984 bis 1993 hatte Jelinek verschiedene Ministerämter in der kanadischen Regierung, zuletzt von 1989 bis 1993 Minister of National Revenue (Minister für Steuerangelegenheiten). Von 2013 bis 2016 war er Botschafter Kanadas in seinem Geburtsland Tschechien.

Herkunft

Otto Jelinek wurde in Prag geboren, das während des Zweiten Weltkriegs von NS-Deutschland besetzt und dem sogenannten Protektorat Böhmen und Mähren zugeordnet war. Sein Vater besaß einen Produktionsbetrieb für Flaschenverschlüsse (d. h. Korken und Aluminium-Bierkapseln) in Prag, die er über die Tschechoslowakei hinaus in den Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns, Deutschland und anderen Teilen Europas vertrieb. Nach dem Februarumsturz der Kommunisten in der Tschechoslowakei 1948 wurde die Familie enteignet.

Anschließend flohen die Eltern mit Otto, seiner Schwester Maria sowie zwei weiteren Brüdern zunächst in die Schweiz, wo bereits der älteste Bruder in Lausanne zur Schule ging. Ein Jahr später zogen sie weiter nach Kanada, wo sie sich in Oakville (Ontario) bei Toronto niederließen. Er besuchte das Appleby College in Oakville und für ein Jahr die Schweizerische Alpine Mittelschule Davos in der Schweiz.

Sportliche Karriere

Viermal waren Otto und seine Schwester Maria Jelinek seit 1956 kanadische Vizemeister im Paarlauf hinter Barbara Wagner und Robert Paul geworden, ehe sie nach deren Rücktritt in den Jahren 1961 und 1962 schließlich kanadische Meister wurden. Bereits bei ihrem Weltmeisterschaftsdebüt 1957 in Colorado Springs gewannen sie die Bronzemedaille, die sie im Jahr darauf in Paris verteidigten. 1959 verpassten sie mit dem vierten Platz knapp hinter den US-Amerikanern Nancy und Ronald Ludington eine erneute Medaille. Bei ihren einzigen Olympischen Spielen belegten sie 1960 in Squaw Valley, wie schon bei der Weltmeisterschaft im Vorjahr, den vierten Platz, allerdings diesmal noch knapper hinter den Ludingtons. Bei der Weltmeisterschaft im selben Jahr in Vancouver wurden die Jelineks Vizeweltmeister hinter ihren Landsleuten Wagner und Paul, bei deren Siegen sie sich bereits 1957 und 1958 auf dem Podium platziert hatten.

Otto und Maria Jelinek erlangten Berühmtheit, als sie zur Weltmeisterschaft 1962 in ihre ursprüngliche Heimat nach Prag zurückkehrten. Bis dahin hatten sie noch die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit und waren gewarnt worden, dass sie nach tschechoslowakischen Gesetzen schwerwiegende Folgen wegen ihrer einstigen Flucht erwarteten. Die Internationale Eislaufunion verlangte jedoch die Zusage freien Geleits für die beiden Sportler, anderenfalls hätte sie die Austragung der Weltmeisterschaft aus Prag abgezogen. Die tschechoslowakische Regierung entließ die Jelineks auf ihren Wunsch aus ihrer Staatsbürgerschaft. Schließlich errangen die beiden dort die Goldmedaille im Paarlauf. Sie waren die ersten, die es schafften, Hebungen mit mehreren Drehungen zu vollziehen. Als „Jelinek-Todesspirale“ wurde ein neuartiges Element bekannt, bei dem Maria in eine Todesspirale ging, während Otto einen Axel-Sprung vollführte.

Nach dem Ende ihrer Amateurkarriere wechselten die Jelinek-Geschwister 1962 zu den Profis und traten bis 1969 in der Eisrevue The Ice Capades auf. Gleichzeitig investierten beide in Immobiliengeschäfte. Danach beendeten beide das professionelle Eislaufen. 1970 gründete Otto Jelinek das Unternehmen Canadian Skate Industries, das Schlittschuhe für Eishockey und Eiskunstlauf produzierte.

Politische Karriere

Nach einer Zeit in diesem Geschäft ging Otto Jelinek als Mitglied der Progressiv-Konservativen Partei in die Politik. Er wurde 1972 als Abgeordneter des Wahlkreises High Park – Humber Valley (einem Stadtteil von Toronto) ins kanadische Unterhaus gewählt, wobei er den bisherigen Wahlkreisabgeordneten von den Liberalen besiegte. 1974 wurde Jelinek wiedergewählt. Nach dem Neuzuschnitt der Wahlkreise wechselte er 1979 in den Wahlkreis Halton und wurde auch für diesen ins Unterhaus gewählt sowie bei den Wahlen 1980 und 1984 bestätigt. Nach einem erneuten Neuzuschnitt vertrat er von 1988 bis 1993 den Wahlkreis Oakville – Milton im Unterhaus. Politisch gesehen war er eher ein „rechter Konservativer“ und überzeugter Antikommunist.

Als die Konservativen im September 1984 die Regierung bildeten, ernannte Premierminister Brian Mulroney Jelinek zum Staatsminister für Fitness und Amateursport (Minister of State for Fitness and Amateur Sport) und zum für Multikulturalismus verantwortlichen Minister. In letzterer Funktion wurde er im Juni 1986 abgelöst, das erstgenannte Amt behielt er bis März 1988. Anschließend wurde er Minister für Versorgung und öffentliche Dienstleistungen (Minister of Supply and Services). Nach dem Ausscheiden von Stewart McInnes aus dem Parlament übernahm Jelinek im Dezember 1988 zusätzlich geschäftsführend die Funktionen des Ministers für öffentliche Arbeiten (Minister of Public Works) und die ministerielle Zuständigkeit für Defence Construction Canada (die Behörde für den Bau von Verteidigungsinfrastruktur).

Im Januar 1989 wurde Jelinek Minister of National Revenue, d. h. zuständiger Minister für die kanadische Steuerbehörde Department of National Revenue. Mit dem Rücktritt Mulroneys als Premierminister im Juni 1993 verließ auch Jelinek die Regierung und trat zur Parlamentswahl im Oktober desselben Jahres nicht mehr an.

Zurück in Tschechien

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft in der Samtenen Revolution und der Auflösung der Tschechoslowakei zog Jelinek 1994 wieder nach Tschechien. Er wurde Vorstandsvorsitzender bei Deloitte & Touche Central Europe als auch Vorsitzender und geschäftsführender Gesellschafter der Firma für Tschechien. Ab 2004 (bis mindestens 2006) war er zudem Vorsitzender des Bürgervereins „Olympiade für die Tschechische Republik“ (Olympiáda pro Českou republiku), der sich an der Seite des Prager Bürgermeisters Pavel Bém für eine Bewerbung der tschechischen Hauptstadt um die Olympischen Sommerspiele 2016 oder 2020 einsetzte.

Die tschechische Regierung unter Ministerpräsident Jiří Paroubek ernannte Jelinek im Januar 2006 zum Koordinator der Auslandsaktivitäten der Tschechischen Republik, namentlich der Tourismuszentrale CzechTourism, der Agentur für Wirtschafts- und Investitionsförderung CzechInvest sowie der Agentur für Förderung des Außenhandel CzechTrade. Aus dieser Funktion schied er Ende Januar 2007 aus. Stattdessen wechselte er als Vorsitzender für die Region Mittel- und Osteuropa (CEE) zum kanadischen Immobilienkonzern Colliers International.

Außenminister John Baird (Konservative Partei) ernannte den 73-jährigen Jelinek im August 2013 zum kanadischen Botschafter in Tschechien. Dieses Amt hatte er bis 2016 inne.

Privates

Otto Jelinek war ab 1974 mit Leata Bennett verheiratet, das Paar bekam zwei Kinder. Er war protestantischer Konfession. Am 5. September 2026 starb Jelinek im Alter von 86 Jahren in Mississauga (Ontario).

Ergebnisse

Paarlauf

(mit Maria Jelinek)

Wettbewerb / Jahr 1956 1957 1958 1959 1960 1961 1962
Olympische Winterspiele4.
Weltmeisterschaften3.3.4.2.1.
Kanadische Meisterschaften2.2.2.2.1.1.
Commons: Otto Jelinek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Otto Jelinek, Part 1: Escape, tragedy and “incredibly emotional” triumph in Prague, Radio Prague International, 19. Oktober 2015.
  2. 1 2 Jelinek, Hon. Otto John, P.C., in: Canadian Parliamentary Guide, 2005.
  3. 1 2 Otto Jelinek, Canada’s Sports Hall of Fame.
  4. ↑ Margaret Phillips: Evolution… From Skater to Businessman, in: Skating Magazine, Juni 1971.
  5. ↑ Skromnost přijde vhod, Euro.cz, 11. August 2004.
  6. ↑ Tomáš Macek: Praha má šanci na olympijské hry, iDNES.cz, 13. September 2006.
  7. ↑ Jelínek bude ve světě kopat za ČR, Novinky.cz, 5. Januar 2006.
  8. ↑ Tisková konference po schůzi vlády dne 4.1.2006, Ministerium für Industrie und Handel der Tschechischen Republik, 5. Januar 2006.
  9. ↑ Čechokanaďan Jelinek končí, Euro.cz, 19. Januar 2007.
  10. ↑ Diplomatic Appointments, Regierung Kanadas, 23. August 2013.
  11. ↑ Dylan Robertson: Otto Jelinek, a former cabinet minister and world-champion figure skater, dead at 86. In: Toronto Star. 6. September 2026, abgerufen am 7. September 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Jelinek, Otto
ALTERNATIVNAMEN Jelinek, Otto John
KURZBESCHREIBUNG kanadisch-tschechischer Eiskunstläufer und Politiker
GEBURTSDATUM 20. Mai 1940
GEBURTSORT Prag
STERBEDATUM 5. September 2026
STERBEORT Mississauga, Kanada