Otto Meusel

Otto Meusel (* 18. Dezember 1895 in Cölln bei Meißen; † nach 1948) war ein deutscher Verwaltungsjurist. Er war ab 1939 als Oberlandrat Leiter der staatlichen deutschen Verwaltungsbehörde im Oberlandratsbezirk Kladno innerhalb des Protektorats Böhmen und Mähren.

Leben und Wirken

Er war der Sohn des Bezirksassessors Paul Alexander Meusel und dessen Ehefrau Henriette Wilhelmine Elisabeth Meusel geb. Rüger. Nach dem Schulbesuch studierte er Rechtswissenschaft und promovierte zum Dr. jur. In den 1930er-Jahren stand er als Regierungsrat im sächsischen Staatsdienst. Dokumentiert ist unter anderem seine Funktion bei der Kreishauptmannschaft Leipzig, wo er bei den Reichstagswahlen im März 1938 als stellvertretender Wahlleiter für den Wahlkreis Leipzig fungierte.

Unmittelbar nach der deutschen Besetzung der tschechischen Gebiete im März 1939 und der Bildung des Protektorats Böhmen und Mähren wurde Meusel im Auftrag des IV. Armeekorps der Wehrmacht nach Kladno entsandt. Er traf dort unter dem Schutz der deutschen Staatspolizei ein und übernahm vor Ort die administrative Kontrolle über die tschechischen Bezirksämter Kladno, Schlan, Laun und Kralup. Nach der offiziellen Einrichtung der zivilen Besatzungsstruktur im Dezember 1939 wurde er formell zum ersten Oberlandrat des Bezirks Kladno ernannt und leitete das dortige Amt in der ersten Phase des Zweiten Weltkrieges.

Nach der Erschießung des deutschen Polizeioberwachtmeisters Wilhelm Kniest durch den tschechischen Widerstandskämpfer Jan Smudek im Juni 1939 reagierte die Besatzungsmacht mit drastischen Strafen. Auf direkten Befehl des SS- und Polizeiführers Karl Hermann Frank verhängte er für Kladno und die umliegenden Gemeinden das Kriegsrecht im gesamten Protektorat. In dieser Zeit wurden insbesondere Massenverhaftungen durch die Gestapo eingeleitet, bei denen beispielsweise der tschechische Bürgermeister František Pavel und der gesamte Stadtrat von Kladno festgenommen und misshandelt wurden.

Nachdem die Dienststelle des Oberlandrats in Kladno im Rahmen einer Rationalisierungswelle zum 1. November 1942 aufgelöst und dem Bezirk Prag zugeschlagen worden war, kehrte er nach Sachsen zurück. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs fungierte er u. a. als Kreisführer des Deutschen Roten Kreuzes sowie als ehrenamtlicher SA-Hauptsturmführer, weshalb er 1947/48 in der Sowjetischen Besatzungszone durch das Kriminalamt Leipzig im Rahmen von Entnazifizierungsverfahren nach SMAD-Befehl 201, Kontrollrats-Gesetz Nr. 10, Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38 strafrechtlich verfolgt wurde. Sein weiterer Lebensweg ist unerforscht.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Pulsnitzer Anzeiger vom 28. März 1938, S. 1.
  2. ↑ Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Chemnitz, Bestand 39074 NS-Archiv des MfS, Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt (Objekt 14) Ermittlungsverfahren (nach SMAD-Befehl 201; Kontrollrats-Gesetz Nr. 10; Kontrollrats-Direktiven Nr. 24 und Nr. 38) gegen den ehemaligen Regierungsrat, DRK-Kreisführer und ehrenamtlichen SA-Hauptsturmführer Dr. Otto Meusel wegen politischer Tätigkeiten
Personendaten
NAME Meusel, Otto
KURZBESCHREIBUNG deutscher Verwaltungsjurist und Oberlandrat
GEBURTSDATUM 18. Dezember 1895
GEBURTSORT Cölln bei Meißen
STERBEDATUM nach 1948