PZL SW-4

PZL SW-4
PZL SW-4 Prototyp
TypMehrzweckhubschrauber
Entwurfsland

Polen Polen

Hersteller PZL Świdnik
Erstflug 26. Oktober 1996
Indienststellung 2002

Die PZL SW-4 Puszczyk (deutsch Waldkauz) ist ein leichter einmotoriger Mehrzweckhubschrauber des polnischen Herstellers PZL Świdnik mit Turbinenantrieb.

Entwicklung

Świdnik begann im Jahr 1981 mit der Entwicklung eines neuen vier- bis fünfsitzigen Helikopters. Das Konzept sah den Einbau einer 300 kW starken PZL Rzeszow-GTD-350-Gasturbine vor; geplant war eine Geschwindigkeit von 240 km/h bei einer Reichweite von 900 Kilometern. 1985 wurde die Definition der SW-4 begonnen. Eine 1:1-Attrappe wurde 1987 fertiggestellt.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges überarbeitete Świdnik das Modell vollständig. Neben dem neuen Antrieb, einer Allison-250-Turbine, erhielt der Hubschrauber einen stromlinienförmigeren Rumpf und ein verändertes Leitwerk.

Der erste Prototyp (Seriennummer 600102) – eine noch flugunfähige Testversion – wurde im Dezember 1994 vorgestellt und für Bodentests verwendet. Danach entstand eine Zelle für Bruchtests (SN: 600101) und zwei flugtüchtige Prototypen (SN: 600103 und 600104). Der Erstflug der vollständig in Rot lackierten 600103 fand am 26. Oktober 1996 statt. Diese Maschine erhielt das Luftfahrzeugkennzeichen SP-PSW. Die Flugversuche 1997 erzwangen noch Veränderungen am Rotorkopf, den Stabilisatoren und dem Hydrauliksystem. Der zweite ganz in Gelb lackierte flugfähige Prototyp wurde 1997 auf der Pariser Luftfahrtschau vorgestellt. Im Oktober 1998 erhielt er das Kennzeichen SP-PSZ, flog jedoch erst 2001 erstmals. Die Luftfahrtzulassung für den Typ wurde bereits 1999 erteilt, zeitgleich wurden auch die ersten fünf Serienmaschinen aufgelegt. Die Luftfahrtzulassung nach JAR-27 erfolgte am 14. November 2002. Neben der Basisversion mit dem Allison-Antrieb plant PZL Świdnik eine zweite Variante mit Pratt & Whitney Canada PW200-Antrieben, die bei PZL gefertigt werden sollen. Daneben ist ein zweimotoriges Modell vorgesehen, da die europäischen Vorschriften den Einsatz einmotoriger Hubschrauber unter bestimmten Bedingungen einschränken. Der SW-4 kann vielseitig eingesetzt werden, beispielsweise für Geschäftsflüge, Krankentransporte oder Polizeieinsätze. Auch im Grenzschutz oder in der militärischen Pilotenausbildung soll der Hubschrauber Verwendung finden.

2002 bestellte die polnische Luftwaffe 47 Maschinen, die von 2006 bis 2010 ausgeliefert wurden. Der Listenpreis liegt bei 750.000 US-Dollar.

Mitte 2012 stellte der Hersteller den Prototyp einer optional unbemannt oder bemannt fliegenden Version des Hubschraubers vor, welche 2013 zum ersten Mal unbemannt fliegen sollte. Die als SW-4 Solo RUAS/OPH bezeichnete und in Zusammenarbeit mit Leonardo S.p.A. entwickelte Version flog aber erst am 18. Dezember 2016 in Italien erstmals ferngesteuert.

Varianten

Eine SW-4 in AgustaWestland-Werbelackierung

Zivile Versionen

Quelle:

Militärische Versionen

Nutzer

Militär

Quelle:

Zivil

Quelle:

Technische Daten

PZL SW-4 6607 der polnischen Luftwaffe
Kenngröße Daten
Besatzung1–2
Passagiere3–4
Rumpflänge8,24 m
Länge10,55 m
Höhe3,05 m
Hauptrotordurchmesser9,00 m
Heckrotordurchmesser1,50 m
Leermasse850 kg
max. Startmasse1.800 kg
max. Tankinhalt377 kg (471 l)
Höchstgeschwindigkeit260 km/h
Dienstgipfelhöhe5.000 m
Reichweite600 km
Triebwerke1 Turbine Allison 250 C20 R/2SP mit 335 kW

Liste der Unfälle

Siehe auch

Commons: PZL SW-4 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Swidnik stellt SW-4 Solo vor. In: Fliegerrevue. November 2012, ISSN 0941-889X, S. 8.
  2. ↑ First flight for SW-4 Solo, suasnews.com, 19. Dezember 2016 (englisch).
  3. ↑ Unbemannter Hubschrauber von Świdnik an britischem Manöver, defence24.pl, 14. Oktober 2016 (polnisch).
  4. ↑ Karol Nowicki: Śmigłowiec wielozadaniowy PZL SW-4 Puszczyk. In: dziennikzbrojny.pl. 20. Februar 2013, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 6. März 2013; abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch, Karol Nowicki 2011 – CMS Engine).
  5. ↑ PZL-Świdnik prezentuje po raz pierwszy SW-4 „Solo” RUAS/OPH. In: pzl.swidnik.pl. EOL Group, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 22. Februar 2014; abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  6. 1 2 Thomas Girke: Aircraft DataBase – Helicopter-DataBase. Abgerufen am 4. Juni 2026.
  7. ↑ 60 lat PZL-Świdnik – Altair Agencja Lotnicza. 11. März 2005, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  8. ↑ Flugzeuginfo.net: PZL Swidnik SW-4 – Leichter Mehrzweckhubschrauber.
  9. ↑ Wyjaśnienia MON dot. publikacji pt. „Armia ukrywała katastrofę” (Dziennik z dn.5.07.07) 2007-07-05. (Memento vom 9. Mai 2015 im Internet Archive) In: archiwalny.mon.gov.pl (polnisch).
  10. ↑ Na Alasce rozbił się SW-4 – Altair Agencja Lotnicza. 11. März 2005, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  11. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Loss of control Accident PZL-Swidnik SW-4 Puszczyk SP-SSW, Sunday 15 January 2012 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. Juni 2026.
  12. ↑ Wypadek SW-4 w Korei – Altair Agencja Lotnicza. 11. März 2005, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  13. ↑ Defence24: Dęblin: wypadek śmigłowca SW-4 podczas lądowania. 6. Juni 2013, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  14. ↑ W ChRL rozbił się SW-4 – Altair Agencja Lotnicza. 11. März 2005, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).
  15. ↑ Rafał Lesiecki: Wypadek SW-4 Puszczyk w Dęblinie. Dwaj piloci w szpitalu. In: defence24.pl. 14. Dezember 2017, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch).