Palagnedra

Palagnedra
Wappen von Palagnedra
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton Tessin Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Melezza
Gemeinde: Centovallii2
Postleitzahl: 6657
frühere BFS-Nr.: 5122
Koordinaten: 692204 / 112098Koordinaten: 46° 9′ 15″ N, 8° 37′ 56″ O; CH1903: 692204 / 112098
Höhe: 657 m ü. M.
Höhenbereich: 350–2183 m ü. M.
Fläche: 16,74 km²
Einwohner: 123 (31. Dezember 2008)
Einwohnerdichte: 7 Einw. pro km²
Website: centovalli.swiss
Karte
Palagnedra (Schweiz)
Palagnedra (Schweiz)
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Gemeindestand vor der Fusion am 25. Oktober 2009

Palagnèdra [palaˈñɛːdra] (im lombardischen Taldialekt [palaˈɲɛdra parˈɲɛdri]) ist ein Ortsteil der Tessiner Gemeinde Centovalli. Bis 2009 bildete er eine eigenständige politische Gemeinde.

Geographie

Das Dorf liegt auf einer Terrasse am Südhang des Centovalli, kurz vor der schweizerisch-italienischen Grenze. Zur ehemaligen Gemeinde gehörten die Weiler Bordei, Moneto und Cresto-Monadello.

In der Nähe der Ortschaft liegt der Stausee Lago di Palagnedra. Der Damm wurde 1952 fertiggestellt und ist 72 m hoch. Der See entstand durch die Stauung des Flusses Melezza.

Geschichte und Wirtschaft

Das Dorf wurde erstmals 1236 schriftlich erwähnt, eine weitere frühe Nennung erfolgte 1379 als Pallagnidrio. Der Ort war im Hochmittelalter das administrative und kirchliche Zentrum des Centovalli, und die Kirche San Michele war die Mutterkirche des Tales. 1864 wurde Palagnedra eine eigene politische Gemeinde.

Ab dem ausgehenden Mittelalter bildete die saisonale Auswanderung ein wichtiges Standbein der Wirtschaft: Aus Palagnedra zogen viele Bürger in die Toskana, um ab dem 16. Jahrhundert vor allem als Lastenträger und ab dem 19. Jahrhundert auch als Garköche Geld zu verdienen. Etliche stattliche Häuser im Dorf zeugen noch heute vom einstigen Wohlstand. Bis in die 1950er-Jahre spielte dank der Grenznähe auch der Schmuggel eine wichtige Rolle.

Im Weiler Bordei wurde nach 1970 das «Basislager» der therapeutischen Stiftung Terra Vecchia errichtet. Diese hatte damals das Ziel, den gleichnamigen, zwischenzeitlich verfallenen Ort wieder aufzubauen.

Am 25. Oktober 2009 fusionierte Palagnedra mit den Gemeinden Borgnone und Intragna zur neuen Gemeinde Centovalli. Palagnedra und Rasa bilden aber zusammen nach wie vor eine eigenständige Bürgergemeinde.

Noch 2005 gehörten über ein Drittel aller Arbeitsplätze dem Primärsektor an.

Bevölkerung

Palagnedra: Einwohnerzahlen von 1683 bis 2008
Jahr  Einwohner
1683
  
462
1719
  
337
1769
  
189
1799
  
175
1808
  
198
1824
  
616
1850
  
337
1860
  
367
1870
  
253
1880
  
253
1888
  
300
1900
  
267
1910
  
243
1920
  
261
1930
  
266
1941
  
271
1950
  
298
1960
  
198
1970
  
129
1980
  
123
1990
  
105
1991
  
108
1992
  
100
1993
  
114
1994
  
109
1995
  
110
1996
  
113
1997
  
112
1998
  
107
1999
  
110
2000
  
109
2001
  
111
2002
  
111
2003
  
118
2004
  
119
2005
  
119
2006
  
113
2007
  
120
2008
  
123
Quelle(n): bis 1980 Bundesamt für Statistik ab 1990: Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991–2024

1824: inkl. Borgnone und Rasa, 1850/1860: inkl. Rasa

Antonio da Tradate: Fresken im Chor der Kirche San Michele. Palagnedra

Sehenswürdigkeiten

Die Dorfbilder der Fraktionen Palagnedra und Bordei sind im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als schützenswertes Ortsbild der Schweiz von nationaler Bedeutung eingestuft.

Bilder

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Palagnedra – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialektologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 693.
  2. ↑ Patriziato di Palagnedra e Rasa. In: www4.ti.ch/fileadmin/DI/DI_DI/SEL/Patriziati. Abgerufen am 2. August 2024 (italienisch; mit Landkarte).
  3. ↑ Martin Schuler: Cantone Ticino – L’effettivo della popolazione a livello locale prima del 1850. (CSV; 34 KB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 16. Juni 2023, abgerufen am 8. Juni 2026.
  4. ↑ Daten der Eidgenössischen Volkszählungen ab 1850 nach Gemeinden. (XLSX; 10 MB) Bundesamt für Statistik, Neuchâtel, 12. Juli 2024, abgerufen am 8. Juni 2026 (Öffnung in Excel nur über "Anhang/Excel-Datensatz" möglich).
  5. ↑ Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz nach Bezirken und Gemeinden 1991-2024. Bundesamt für Statistik BFS, Neuchâtel, 27. August 2025, abgerufen am 8. Juni 2026.
  6. ↑ Palagnedra. In: ISOS - Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Bundesamt für Kultur BAK, 2009, abgerufen am 30. Januar 2025 (italienisch).
  7. ↑ Bordei (Palagnedra). In: ISOS - Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung. Bundesamt für Kultur BAK, 2009, abgerufen am 30. Januar 2025 (italienisch).
  8. ↑ Lara Broggi: Antonio da Tradate. In: Sikart (Stand: 2013)
  9. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Band 2. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Vollständig neu bearbeitete Ausgabe, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 634.
  10. ↑ Kirche San Michele (mit Foto) auf ascona-locarno.com
  11. ↑ Kunstführer durch die Schweiz. Band 2. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Vollständig neu bearbeitete Ausgabe, Bern 2005, ISBN 3-906131-96-3, S. 634 f.
  12. ↑ Ponte romano (mit Foto) auf landschaftsfotos.eu/bild
  13. ↑ Taddeo Mazzi. In: Sikart
  14. ↑ Santuario di Montesenario (mit Fotos) (italienisch) auf web.archive.org/web
  15. ↑ Lorenzo Cresci. In: Sikart
  16. ↑ Giacomo Damosti. In: Sikart