Palazzo Cardelli

Gravierung von Giuseppe Vasi: ‚‘Via della Scrofa‘‘. Der Palazzo Cardelli ist das Gebäude auf der rechten Seite. Wenig weiter sieht man den Palazzo Borghese. Im Hintergrund befindet sich die ‚‚Via di Ripetta‘‘, dazwischen der Obelisco Flaminio an der Piazza del Popolo.

Der Palazzo Cardelli ist ein barockisierter Renaissancepalast aus den 1510er-Jahren in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Campo Marzio an der Piazza Cardelli, 4, an der Ecke zur Via della Scrofa und zur Via di Pallacorda.

Geschichte

1516 kaufte Jacopo Cardelli aus Imola, ein Freund des Neffe von Papst Sixtus IV., des Kardinals Raffaele Riario, und Sekretär des Papstes Leo X., eine Reihe von Häusern im Viertel Campo Marzio und gab, nachdem er sie alle hatte abreißen lassen, den Auftrag, vermutlich dem Architekten Perino da Caravaggio, zum Bau zweier Paläste, den namens „Domus Magna“ (der heutige Palazzo Cardelli) und einen weiteren für offizielle Zwecke, also ein angebautes Haus für Feste und Bankette namens „Palatium“ (der heutige Palazzo Firenze).

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts betraute der Sohn von Jacopo Cardelli, Alessandro, mit dem Umbau der Fassade des „Domus Magna“ Francesco Capriani aus Volterra und, nach dessen Tod, Gasparre Guerra, der den vorderen Teil des Gebäudes komplettierte; die nachfolgenden Arbeiten, durchgeführt zwischen 1630 und 1639, stammen von Francesco Peparelli, der auch die großartige Treppe schuf: Erst damit konnte das „Domus Magna“ als vollendet gelten.

1643 heirateten Carlo Cardelli und Alessandra Falconieri und bei dieser Gelegenheit wurde der Palast verschiedenen Arbeiten unterzogen, wie die Inschrift „CAROLUS CARDELLUS“ auf den Architraven über dem Eingangstor und insbesondere der seltene „hängende Garten“ bezeugen, eine mit Stuck verzierte Terrasse mit Balustrade und Nischen, in deren größter eine sehr schöne Skulptur aus Stuck steht, die Apollon darstellt, ein Werk von Paolo Naldini.

1889 ließ Alessandro Cardelli das Gebäude abreißen, das den Block zur Via Clementina an der Ecke zur ‚‚Via della Scrofa‘‘ komplettierte und ließ dort einen neuen Flügel errichten, womit der den Architekten Mariano Raffaelli betraute.

Das heutige Gebäude, in dem immer noch die Cardellis wohnen, ist somit das Resultat von fünf Jahrhunderten von Käufen und Veränderungen.

Darüber hinaus enthielt das Anwesen von Jacopo Cardelli ein Gebäude, das schließlich an Balcovino del Monte, den Neffen von Papst Julius III., verkauft wurde.

Beschreibung

Die Fassade zur Piazza Cardelli hat ein dezentrales Eingangsportal mit Architrav, flankiert von Fenstern mit Architraven und Gittern. Die Obergeschosse sind durch Geschosstrennungsgesimse getrennt, auf die sich die Fenster öffnen, mit Architraven im ersten Obergeschoss und mit einfachen Rahmen im zweiten. Das Traufgesims ist sehr reich und dekoriert mit heraldischen Symbolen der Familie Cardelli: Distel und Lilie. Das Dachgeschoss, also das dritte Obergeschoss, schließt mit einer glänzenden Balustrade ab, die das Gebäude krönt; es wurde 1925 aufgesetzt.

Die Fassade, die im Auftrag von Alessandro Cardelli an der Via del Clementino geschaffen wurde, ist fast eine Kopie der Fassade des alten Palastes (auch wenn sie gut zu unterscheiden ist): Die Fenster im ersten und zweiten Obergeschoss übernahmen fast perfekt die Form und die Verzierungen der älteren Fenster, wie die Regenrinne, das obere Gesims und die Einlegearbeiten.

Der Unterschied ist im ersten Obergeschoss zu sehen, in dem sich innen folgende Inschrift findet: „ALEXANDER CARDELLIUS COMES AVITAS AEDES NOVARUM ACCESSIONE APMLIFICAVIT AN MDCCCLXXXIX“ (dt.: Alessandro Cardelli, Graf, erweiterte die alten Häuser mit dem Anbau eines neuen im Jahre 1889). Die andere Neuerung betrifft das Erdgeschoss, da diese Fassade nun Türen aufweist, die sich an Ladengeschäften öffnen, anstatt vergitterte Fenster wie an der Fassade zur Piazza Cardelli, und das Eingangsportal auf Nr. 94 der Via di Clementino ähnelt nicht dem Originalportal. Es scheint eher, dass dies eine Tür eines Ladengeschäftes war, die zum Eingangsportal umgebaut wurde, während die Ladentür auf Nr. 3 der Via della Scrofa (heute ein privates Geschäft) der originalen Tür sehr ähnlich ist, wovon man ableiten kann, dass dies früher der Eingang war.

Verschiedene Künstler haben im Laufe der Jahrhunderte für die Verzierungen des Palastes gearbeitet, darunter Andrea Pallombo, Francesco Allegrini, Gaspard Dughet, Giovanni Battista Mondanino, Tommaso Minardi und Giovanni Battista Magni.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Giorgio Carpaneto: I palazzi di Roma. Newton & Compton, Rom 1991. S. 121.
  2. 1 2 Palazzo Cardelli. In: Info Roma. Abgerufen am 18. September 2026 (italienisch).
  3. 1 2 Palazzo Cardelli. In: Rome Art Lover. Abgerufen am 18. September 2026 (englisch).
  4. 1 2 3 4 Palazzo Cardelli. In: Roma Segreta. 26. Januar 2025, abgerufen am 18. September 2026 (italienisch).
  5. ↑ Il Giardino pensile di Palazzo Cardelli e il Giardino di Palazzo di Firenze. Archiviert vom Original am 4. Dezember 2019; abgerufen am 18. September 2026 (italienisch).

Quellen

Commons: Palazzo Cardelli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 54′ 10,8″ N, 12° 28′ 31,2″ O