Palazzo Vitturi

Palazzo Vitturi
Luftbild des Campo S. Maria Formosa mit der namensgebenden Kirche und schräg gegenüber dem Palazzo Vitturi an der Ostseite des Platzes (hier links)

Der Palazzo Vitturi, auch Casa Vitturi genannt, ist ein Palast in Venedig, dessen Adresse Castello, 5246 lautet. Er liegt im Sestiere Castello am Nordostrand des Campo Santa Maria Formosa, der nach der gleichnamigen Kirche benannt wurde. Unmittelbar daneben befindet sich die Ca’ Venier, ein weiterer Palast, wobei Ca’ die venezianische Kurzform für Casa ist (Haus). An diesem Platz ist der Vitturi-Palast das älteste Gebäude, er blickt auf die Kirche Santa Maria Formosa. Das Bauwerk entstand als Casa-Fondaco, eine in Venedig häufig anzutreffende Form des Palastbaus, die eine Lagerhausfunktion für Waren und Güter einschließt.

Geschichte

Der Palazzo Vitturi wurde in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut, nach einigen Autoren reicht er bis ins 12. Jahrhundert zurück. Er wurde mehrmals umgebaut und den jeweiligen Bedürfnissen und Stilvorstellungen angepasst, doch die ursprüngliche Struktur, auch die Fensterformen, wurde beibehalten. Heute ist er in gutem Erhaltungszustand und beherbergt ein Hotel und Geschäfte.

Eine der Säulen, von denen man annahm, sie stamme aus dem 13. Jahrhundert und sei in Venedig angefertigt worden, stammt wohl aus dem Konstantinopel der Mitte des 6. Jahrhunderts und wurde als Spolie eingebaut. Es handelt sich um ein Kämpferkapitell (im Wesentlichen durch einen Blattkranz gekennzeichnet, der die Skulptur umschließt) im Piano nobile, nämlich das linke der drei Säulenkapitelle an den vier nebeneinanderstehenden Fenstern, den für die Bauepoche typischen Quadriforen.

1359 residierte dort laut Giuseppe Tassini der Patriarch von Aquileia Ludovico Dalla Torre (1359–1365). Er stellte dort eine Urkunde über einen Kredit von 2000 Dukaten aus, eine Geldsumme, die er von der Republik Venedig erhalten hatte, worin er sich verpflichtet, diese binnen zwei Monaten auf Verlangen der Republik zurückzuzahlen.

Beschreibung

Die Fassade des Palastes ist venezianisch-byzantinisch, geschmückt mit Patere, wobei das Erdgeschoss und das oberste Geschoss sehr viel jünger sind. Das Erdgeschoss ist so stark umgebaut worden, dass über seine frühere Bestimmung kaum mehr eine Aussage gemacht werden kann.

Im Zwischengeschoss befindet sich ein im Vergleich mit den darüberliegenden Geschossen geringfügig kleineres Dreifachrundbogenfenster in der Mitte. Die Kämpfer ruhen nicht auf runden Säulen, sondern auf viereckigen Pfeilern. Die Brüstungen entstanden sehr viel später.

Das Hauptgeschoss weist im Zentrum ein Vierfachfenster mit Spitzbögen auf, flankiert von zwei Paaren von Einfachfenstern mit Kielbögen, um die herum man noch Fliesen und Halbreliefe des ursprünglichen Gebäudes sehen kann. Die Baluster, mit denen die Fenster ausgestattet sind, stammen aus späteren Epochen, vor allem dem 16. und 17. Jahrhundert.

Über den Fenstern dieser älteren Geschosse befinden sich Scheiben (patere) und mittig ein Kreuz. Es ist mit „kurzen Ornamentverschlingungen ausgefüllt und mit dem Doppelzahnschnitt eingefasst“.

Das oberste Stockwerk mit seinen rechteckigen Fensteröffnungen stammt aus einer späteren Zeit; ihre Platzierung orientiert sich an den Fenstern der unteren Stockwerke.

Im Inneren sind im Hauptgeschoss, dem Piano nobile, klassizistische Fresken erhalten.

Literatur

Commons: Palazzo Vitturi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Franco Mancini, Maria Teresa Muraro, Elena Povoledo: I teatri di Venezia. Teatri effimeri e nobili imprenditori, Corbo e Fiore, 1995, S. 3.
  2. ↑ Joachim Kramer: Justinianische Kämpferkapitelle mit einem Dekor aus Paaren von Zweigen und die Nachfolgekapitelle im Veneto, Dr. Ludwig Reichert, Wiesbaden 2006, S. 11, 88, Abb. Tafel 24, Abb. 73.
  3. ↑ Giuseppe Tassini: Alcuni palazzi ed antichi edifizii di Venezia storicamente illustrati, Filippi, Venedig 1879, S. 246.
  4. ↑ Beispiele für venezianische Paläste mit Patere, darunter die „Ca’ Vitturi“.
  5. ↑ Oscar Mothes: Geschichte der Baukunst und Bildhauerei Venedigs, Bd. 1: Altchristliche Kunst und Mittelalter, Friedrich Voigt, Leipzig 1859, S. 66.

Koordinaten: 45° 26′ 14,2″ N, 12° 20′ 29,1″ O