Pamprepios von Panopolis (* 20. September 440 in Panopolis/Achmim; † November 484 auf der Festung Papirios in Isaurien) war ein spätantiker Dichter, neuplatonischer Philosoph und Politiker.
Pamprepios wurde am 20. September 440 in Panopolis/Achmim in Ägypten geboren. Über sein Elternhaus und seine Jugend ist wenig bekannt. Er gehörte Zeit seines Lebens dem alten Paganismus an und war deshalb den christlichen Schriftstellern, die die einzigen Quellen über sein Leben darstellen, verhasst. In seiner Jugend wechselte er wohl öfter seinen Wohnsitz. Es wird angenommen, dass er zunächst im nahegelegenen Alexandria ausgebildet wurde. Vielleicht knüpfte er dort Kontakte zu Hermeias von Alexandria, mit dem er später gemeinsam in Athen studierte. Er verdiente sein Geld zunächst als Grammatiklehrer und Auftragsdichter. Später gelangte er nach Athen, wo er Schüler des Neuplatonikers Proklos wurde. Die Athener bestellten Pamprepios zum grammaticus, doch als er in Konflikt mit dem einflussreichen Athener Theagenes geriet, musste er 475 nach Konstantinopel fliehen.
In Konstantinopel, der Hauptstadt des Oströmischen Reiches, schloss sich Pamprepios dem Kreis um den „Kaisermacher“ Illus an. Laut seinen Biographien soll er den General entweder bei einem philosophischen Vortrag über die Seele oder bei der Rezitation eines Gedichts von sich überzeugt haben. Dieser verschaffte ihm eine Position als grammaticus an der Kapitolschule.
Die Förderung durch Illus wurde Pamprepios jedoch zum Verhängnis, da dieser mit der Kaiserwitwe Verina um den Einfluss bei Kaiser Zenon stritt. Als der General sich deshalb nach Isaurien in seine Heimat zurückzog, wurde Pamprepios der Zauberei bezichtigt, da er nie zum Christentum übergetreten war. Pamprepios zog sich daraufhin zunächst nach Pergamon zurück, wo eine lebendige neuplatonische Schule ihren Sitz hatte. Bald darauf ließ ihn Illus zu sich nach Isaurien rufen. Als sich Zenon, wohl auch durch das gravierende Erdbeben 478 veranlasst, wieder mit Illus aussöhnte, kehrte auch Pamprepios mit diesem an den kaiserlichen Hof zurück. Als Zeichen seiner Rekonziliation erhob der Kaiser ihn 479 zum quaestor sacri palatii und patricius. Die Quellen berichten außerdem, dass Pamprepios es bis zum consul brachte, doch da ein entsprechender Eintrag in den fasti consulares fehlt, geht die Forschung davon aus, dass Pamprepios den von Zeno neu eingeführten Titel eines Ehrenkonsuls tragen durfte.
Pamprepios wurde in den Folgejahren zum engen Vertrauten des Kaisers. Als er während des Aufstandes des Marcianus dem Kaiser tröstend zusprach, die Vorhersehung stünde auf der Seite Zenons, wurde dies als Beleg für seine Hellsichtigkeit ausgelegt. Außerdem begleitete Pamprepios den Kaiser nach Nikaia, als dieser vor dem Hass der Bewohner der Hauptstadt floh.
481/482 kam es schließlich zum Bruch zwischen Illus und Zenon und Pamprepios wich mit dem General unter einem Vorwand nach Antiocheia aus. In diese Zeit (ab 482) fallen mehrere diplomatische Aktivitäten des Pamprepios, die ihn zunächst nach Alexandria in Ägypten führten. Die christlichen Historiker behaupten, dass es das Ziel des Pamprepios gewesen sei, durch einen Umsturz den Paganismus wieder als Staatsreligion einzuführen, und dass Pamprepios entsprechend der Drahtzieher hinter dem Aufstand des Illus gewesen sei. Zwar herrschte zu der Zeit, als Pamprepios seine diplomatischen Aktivitäten nach Alexandria aufnahm, tatsächlich ein religiöser Konflikt um den Monophysitismus in dieser Stadt, doch heute hält man die Rolle, die die Religion beim Aufstand des Illus spielte, für gering. Außer den paganen Kreisen in Ägypten gelang es Pamprepios auch noch, weitere Verbündete für die Sache des Illus zu gewinnen, unter ihnen den Ostgoten Odoaker, die Perser und Armenier.
Als Illus am 27. Juli 484 Leontius zum Gegenkaiser ausrufen ließ, ernannte er Pamprepios zum magister militum im Krieg gegen Zenon. Doch Zenon errang schnelle Erfolge gegen die Aufständischen und zwang sie, sich auf die Burg Papirion in Isaurien zurückziehen. Pamprepios erkannte wohl, dass die Sache des Illus verloren war und versuchte, seinen Hals zu retten, indem er mit dem Gegner paktierte, doch seine Untreue flog auf und er wurde im November 484 als Verräter hingerichet.
Von der Philosophie des Pamprepios kann, weil keine Werke von ihm überliefert sind, kein sicheres Bild gewonnen werden. Sicher ist, dass Pamprepios Zeit seines Lebens Neuplatoniker war. In Athen hörte er Proklos und scheint ein Anhänger seiner Schule gewesen zu sein. Ob Pamprepios bei Proklos auch Mantik und chadäische Theurgie lernte, ist in der Forschung umstritten. Wenn seine Biographen berichten, er habe von den eigentlichen Lerninhalten nichts begriffen und sich nur besonders rhetorisch versiert und gebildet ausdrücken können, so wird von den meisten Forschern angenommen, dass ihr Urteil, da sie Pamprepios allgemein negativ bewerten, nicht zu ernst zu nehmen ist.
Die Suda überliefert zwei Werktitel des Pamprepios: Er verfasste ein Buch über Etymologien (Ἐτυμολογιῶν ἀπόδοσις) und eine Schrift über Isaurien (Ἰσσαυρικά). Von beiden Werken ist nichts außer dem Titel erhalten.
1928 veröffentlichte Hans Gerstinger als erster Herausgeber einen Papyrus aus der Wiener Papyrussammlung (Papyrus graecus Vindobonensis 29788 A-C) mit mehreren Gedichten, aus denen er und einige Forscher nach ihm eines oder mehrere als Werke des Pamprepios identifizieren wollten.
Auf dem Papyrus findet sich ein Encomium (Lobgedicht) auf den Athener Theagenes, das der Erstherausgeber Pamprepios von Panopolis zuschreiben wollte, da ein Theagenes im Leben des Pamprepios eine Rolle spielte. Auch ein anderer auf dem Papyrus erhaltener Text, ein ekphrastisches Epyllion auf die Tageszeiten, stammt laut Gerstinger vom selben Autor. Enrico Livrea unterstützt diese Zuordnung, da dieses Epyllion einen neuplatonischen Grundton habe und daher gut zum Neuplatoniker Pamprepios von Panopolis passe. Rudolf Keydell dagegen lehnte eine Zuweisung beider Gedichte, des Lobgedichts auf Theagenes und des Eypllions auf die Jahreszeiten, zum gleichen Autor eher ab, da er große stilistische Unterschiede zwischen den beiden Texten sieht.
Die Schrift über Isaurien wird im Sudaeintrag als Prosawerk bezeichnet, doch da zu dem Dichter Pamprepios eher ein Epos passt, waren viele Gelehrte der Meinung, der Sudatext sei falsch, und es handele sich um ein Epos über die Taten Zenons in Isaurien. Enrico Livrea wollte in einigen Resten auf dem Wiener Papyrus, auf denen noch die Schilderung einer Belagerung zu erkennen sind, Fragemente der Issaurika erkennen. Bruno Bleckmann und Roberto Scardino lehnen dagegen die Zuordnung der Verse auf dem Papyrus zu den Issaurika ab und halten das Werk gemäß dem Zeugnis der Suda für ein panegyrisches Geschichtswerk in Prosa.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pamprepios von Panopolis |
| KURZBESCHREIBUNG | spätantiker Dichter, neuplatonischer Philosoph und Politiker |
| GEBURTSDATUM | 20. September 440 |
| GEBURTSORT | Panopolis/Achmim |
| STERBEDATUM | November 484 |
| STERBEORT | Isaurien |