| Panzerabwehrmine 88 | |
|---|---|
| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | Panzerabwehrmine 88 (Pzaw Mi 88), HPD F2 |
| Typ: | Panzermine |
| Herkunftsland: | Frankreich |
| Hersteller: | Thales Group, Daimler-Chrysler |
| Entwicklung: | 1980er-Jahre |
| Indienststellung: | 1988 |
| Einsatzzeit: | im Dienst |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 7,5 kg |
| Ladung: | 3,3 kg (projektilbildende Ladung) |
| Länge: | 278 mm |
| Breite: | 189 mm |
| Höhe: | 105 mm |
| Zünder: | Magnetzünder, seismischer Zünder, Druckzünder |
| Listen zum Thema | |
Die Panzerabwehrmine 88 (Pzaw Mi 88) ist eine Panzerabwehrmine der Schweizer Armee.
Die Panzerabwehrmine 88 entstand aufgrund einer Bedarfsforderung der Schweizer Armee. Diese wollte die Streumine 49 (Streu Mi 49) und teilweise die Panzermine 60 (Pz Mi 60) zu ersetzen. Nach der Truppenerprobung 1987 wurde die Beschaffung der neuen Panzerabwehrmine mit der Verabschiedung des Rüstungsprogramms 1988 gutgeheissen. Die Produktion erfolgte in Firma Tavaro in Genf (Zünder) sowie in der eidgenössischen Munitionsfabrik Altdorf (Endmontage). Die Auslieferung an die Truppe erfolgte zwischen 1991 und 1994.
Die Panzerabwehrmine 88 ist ein für die Schweizer Bedürfnisse angepasster Lizenzbau der französischen HPD F2-Mine. Entwickelt wurde diese in den 1980er Jahren in Zusammenarbeit der Télécommunications Radioélectriques et Téléphoniques (heute Thales Group) und Daimler-Chrysler.
Die Mine ist eine metallarme Panzerabwehrmine der 2. Generation. Sie ist 278 mm lang, 189 mm breit, 105 mm hoch und wiegt 7,5 kg. Sie besteht im Groben aus der Wirkladung, einer Sensoreinheit, sowie Batterien zur Elektrizitätsversorgung. Als Wirkladung wird eine etwa 3,3 kg wiegende projektilbildende Ladung verwendet. In dieser befindet sich oben, eine nach unten gebogene Einlage (englisch Liner) aus Kupfer und darunter ist rund 2,8 kg Mischsprengstoff Composition B (Hexolit) verbaut. In dem zylinderförmigen Gehäuse der projektilbildende Ladung ist oben, unter der Abdeckung ein Beutel mit 140 g Sprengpulver platziert und am Gehäuseboden ein Druckzünder verbaut. Die Sensoreinheit ist in einem Gehäuse neben der projektilbildenden Ladung untergebracht. Sie beinhaltet einen Magnetzünder und einen seismischen Sensor welcher Vibrationen im Erdreich detektiert und als Aufhebeschutz fungiert. Zur Elektrizitätsversorgung sind zwei Lithiumbatterien verbaut. Dies haben eine Leistung von 3,6 Volt bei 1,9 Amperestunden, was ausreicht, um die verlegte Mine für 30 Tage mit elektrischer Energie zu versorgen. Die Mine ist geschützt gegen explosive Minenräummittel sowie gegen elektromagnetische Impulse von Kernwaffenexplosionen.
In der Schweizer Armee werden die Panzerabwehrminen 88 in Holzkisten mit 5 Minen gelagert und an die Truppe ausgeliefert. Die Mine kann für 10 bis 15 Jahre ohne Wartung gelagert werden. Die Panzerabwehrmine 88 hat die Armee-Lagernummer (ALN) 591-3890.
Die Panzerabwehrmine 88 wird manuell, in der Regel mit Erdüberdeckung verlegt. Dabei kann die Erdüberdeckung bis 15 cm betragen. Daneben kann die Mine auch offen im Gelände, unter 50 cm Schnee oder in 1,5 m tiefem Wasser verlegt werden. Der Mindestabstand zwischen zwei Minen soll 2,5 m betragen. Die Mine hat einen zulässigen Temperaturbereich zwischen −35 °C und +65 °C und lässt sich somit in allen Schweizer Klimazonen einsetzen.
Um die Mine scharf zu machen, wird seitlich ein Knopf eingedrückt, womit die Wirkladung entsichert wird. Danach wird durch das Drehen und Hineindrücken eines Drehschalters an der Sensoreinheit, der 10-minütige Aktivierungsvorgang gestartet. Jetzt kann die Mine vergraben und z. B. mit einer Grasnarbe zugedeckt werden. Nach 10 Minuten aktiviert die Mine ihren seismischen Sensor. Dieser registriert Vibrationen, welche von Fahrzeugen erzeugt werden. Haben die Vibrationen eine bestimmte Intensität erreicht, wird der Magnetzünder aktiviert. Dieser misst nun kontinuierlich das natürliche Magnetfeld oberhalb der Mine. Sobald sich eine bestimmte Masse Metall über die Mine bewegt, wird die Wirkladung gezündet. Es wird also kein Druck auf die Mine benötigt. Fährt aber ein Kettenfahrzeug mit der Gleiskette direkt auf die Mine, erfolgt die Zündung mit dem Druckzünder. Wird die Mine von Radfahrzeugen mit mehr als vier Rädern überfahren, geschieht die Zündung ausnahmslos mit dem Magnetzünder im Bereich der Fahrzeugunterseite, da der Verlust eines Rades zu keinen schwerwiegenden Schäden an solchen Fahrzeugen führt.
Bei der Zündung wird zuerst das über der Wirkladung platzierte Sprengpulver zur Detonation gebracht, und die Erdüberdeckung weggeschleudert. Mit einer Verzögerung von 100 Millisekunden zündet die projektilbildende Ladung. Diese hat eine Durchschlagsleistung von 100 bis 150 mm Panzerstahl, was ausreicht um die die Wanne von Kampfpanzern zu durchschlagen. In der Regel reicht ein Minentreffer aus, um einen Kampfpanzern zu zerstören oder zumindest vorübergehend außer Gefecht zu setzen. Ungepanzerte und leicht gepanzerte Fahrzeuge wie Schützenpanzer werden durch die Mine in der Regel zerstört.
Zusätzlich verfügt die Mine über einen Aufhebeschutz. Dabei registriert der seismische Sensor, wenn die Mine angehoben wird, und zündet die projektilbildende Ladung. Auch kann der Magnetzünder durch die Metalldetektoren von Minensuchgeräten ausgelöst werden.
Wird die Mine nicht durch äussere Einflüsse ausgelöst, so neutralisiert sie sich nach spätestens 30 Tagen. Zur besseren Auffindbarkeit wird dabei seitlich an der Sensoreinheit ein Teleskoprohr mit einem farbigen Wimpel ausgefahren. Danach kann die Mine geborgen und nach dem Auswechseln von drei Teilen wieder verwendet werden.
Der Sicherheitsabstand zu einer explodierenden Panzerabwehrmine 88 beträgt für ungeschützte Truppen mindestens 30 m.