Papyrus Ebers

Abschnitt des Papyrus Ebers

Der Papyrus Ebers (auch Papyros Ebers) ist ein medizinischer Papyrus aus dem alten Ägypten. Er wurde im 16. Jahrhundert v. Chr. verfasst. Damit gehört er neben dem Papyrus Edwin Smith zu den ältesten bekannten Texten mit medizinischen Themen, wobei er unter anderem ein großes Spektrum an Beschreibungen von Krankheiten und deren Symptomen und Diagnosen beinhaltet. Des Weiteren enthält der Papyrus Anweisungen für Behandlungen sowie für die Zubereitung von Heilmitteln, zum Beispiel gegen Verletzung, Parasiten und Zahnbeschwerden, aber auch gynäkologische Tipps, wie beispielsweise für die Empfängnisverhütung. Dazu werden Zaubersprüche zur Unterstützung des Heilerfolges angegeben.

Nachträglich wurden zusätzlich auf der Rückseite kalendarische Informationen niedergeschrieben.

Datierung

Der auf der Rückseite verzeichnete Kalender und paläographische Untersuchungen zeigen, dass der medizinische Haupttext in der Regierungszeit von Pharao Amenophis I. oder kurz davor niedergeschrieben wurde, wenn auch der Inhalt auf ältere Vorlagen zurückgeht. Da viele ägyptische Regierungszeiten nicht jahrgenau datiert werden können, schwankt die absolute Datierung von Amenophis’ Regierungszeit und damit auch die exakte Datierung des Papyrus Ebers. Je nachdem, welches Modell für die Chronologie Ägyptens man zugrunde legt, variieren die in der Literatur angegebenen Abfassungszeiten zwischen der Mitte des 16. Jahrhunderts v. Chr. (oft zu finden: „um 1550 v. Chr.“) und dem Ende dieses Jahrhunderts. Eine 2015 durchgeführte C14-Untersuchung ergab eine Datierung in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts v. Chr.

Fundort

Der Papyrus Ebers wurde Anfang 1873 von Georg Ebers im ägyptischen Luxor mit den Geldern des Königs von Sachsen (1.500 Taler) und Geld aus dem Universitäts-Reisestipendienfonds (2.500 Taler) erworben. Zuvor befand sich der Papyrus im Besitz von Todrus Bulos (gestorben 1898), einem Konsularagenten des Norddeutschen Bundes. Nach dem Kauf wurde der Papyrus in die Bestände der Universitätsbibliothek Leipzig eingegliedert und 1875 von Ebers in einer zweibändigen Faksimile-Ausgabe mit Kommentar und Glossar veröffentlicht. Das Manuskript befindet sich bis heute in der Universitätsbibliothek Leipzig.

Inhalt (Medizinische Aufzeichnungen)

Papyrus Ebers: Ausschnitt mit einer Textkolumne vor modernem, künstlichen Papyrushintergrund

Der Papyrus Ebers wurde in hieratischer Schrift verfasst und stellt die größte Aufzeichnung über altägyptische Medizin dar. Der Papyrus Ebers ist der längste medizinische Papyrus und hat eine Gesamtlänge von 18,63 Metern und dabei eine Höhe von 30 Zentimetern. Die Schriftrolle bestand ursprünglich aus 108 Kolumnen, die von 1 bis 110 nummeriert sind (Nr. 28 und 29 sind ausgelassen). Während des Zweiten Weltkriegs erlitt der Papyrus erheblichen Schaden. So sind die Kolumnen 54, 56, 94 und 109 beschädigt oder liegen nur noch in Fragmenten vor. Die Kolumnen 48, 49, 55, 80–82, 93/110, 98/106, 99, 100/104, 101, 102/103 und 105 sind heute verloren. Die 108 Kolumnen sind unterteilt in 877 magische Formeln und Heilmittel. Obwohl er voller Beschwörungen zur Vertreibung krankheitsverursachender Dämonen ist, finden sich doch Beweise für empirische Behandlung und Beobachtung.

Der Papyrus enthält Kapitel über Darmerkrankungen und Parasiten, Augenleiden und Hautprobleme, Wundbehandlung, Empfängnisverhütung und gynäkologische Erkrankungen, Zahnheilkunde, die chirurgische Behandlung von Abszessen und Tumoren und das Richten von Knochen und Verbrennungen. Als Abführmittel bei Verstopfung wird die Anwendung von Wacholderbeeren empfohlen. Vielfach wird behauptet, dass als Narkotika Opium und Cannabis indica erwähnt werden. Das beruht aber auf unrichtigen (Opium) bzw. umstrittenen (Cannabis) Übersetzungen ägyptischer Drogennamen.

Des Weiteren enthält er eine Abhandlung über Herz und Gefäße. Obwohl die Ägypter wenig über die Existenz der Nieren wussten und das Herz als Treffpunkt verschiedener Gefäße des Körpers – nicht nur Blut, sondern auch Tränen, Urin und sogar Sperma – betrachteten, erkannten sie nicht nur das Vorhandensein von Blutgefäßen im ganzen Körper, sondern auch die Funktion des Herzens als dessen Zentrum.

Medizingeschichtlich ergänzt wird der Papyrus Ebers durch den 1862 ebenfalls in Theben entdeckten Papyrus Edwin Smith, der auf das Ende der 12. Dynastie – etwa 1780 v. Chr. – zurückgeht und sich vor allem mit Chirurgie beschäftigt, sowie durch den Berliner Papyrus Brugsch (um 1300 v. Chr.).

Übersetzungen

ins Deutsche
ins Englische

Siehe auch

Literatur

Dokumentationen

Commons: Papyrus Ebers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bernd Kromer, Lutz Popko, Reinhold Scholl: Die Altersbestimmung des Papyrus Ebers. In: Göttinger Miszellen. Heft 257, 2019, S. 63–71.
  2. ↑ Zur kompletten Erwerbungsgeschichte siehe Susanne Voß: Ludwig Borchardts Recherche zur Herkunft des pEbers. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 65, 2009, S. 373–376 (Digitalisat) sowie Lutz Popko: Georg Ebers und sein Papyrus – noch einmal zu Erwerb und Publikation einer „werthvollen Antiquität“. In: Jana Helmboldt (Hrsg.): Georg Ebers – 150 Jahre Ägyptische Sammlung an der Universität Leipzig (= Kleine Schriften des Ägyptischen Museums Leipzig. Band 14). EB-Verlag, München 2025, ISBN 978-3-86893-519-6, S. 101–131.
  3. ↑ UB Leipzig – Papyrus Ebers; Nadine Quenouille, Reinhold Scholl: „...Heureka...“ oder die Geschichte der Papyrussammlung. Erwerbung und Erforschung. In: Reinhold Scholl (Hrsg.): Vergraben, Verloren, Gefunden, Erforscht. Papyrusschätze in Leipzig (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig. Band 20). Katalog zur Ausstellung, Universitätsbibliothek Leipzig, 18. Juni bis 26. September 2010. Universitäts-Bibliothek u. a., Leipzig 2010, ISBN 978-3-910108-86-8, S. 6–9, hier S. 6; vergleiche auch: Reinhold Scholl: Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens. 2002, S. 32.
  4. ↑ Georg Ebers: Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. 2 Bände, Leipzig 1875.
  5. ↑ Lutz Popko, Ulrich Johannes Schneider, Reinhold Scholl: Papyrus Ebers. Die größte Schriftrolle zur altägyptischen Heilkunst. wbg Edition, Darmstadt 2021, S. 13.
  6. ↑ Carl Hans Sasse: Geschichte der Augenheilkunde in kurzer Zusammenfassung mit mehreren Abbildung und einer Geschichtstabelle. (= Bücherei des Augenarztes. Heft 18). Ferdinand Enke, Stuttgart 1947, S. 9–12.
  7. ↑ Junipur-Präparate. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXVIII (Anzeige der chem.-pharm. Fabrik Lichtenheldt GmbH).
  8. ↑ H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 24.
  9. ↑ Der Heilschatz der Ägypter umfasst Arzneistoffe, von denen beispielsweise Rizinusöl und die Granatwurzel noch heute verwendet werden. Behandlungen bestand in Diät, Fasten, Massagen; Hypnose war auch bekannt. Siehe: Lexikonredaktion: Schlag nach: Natur. Durchgesehener Nachdruck, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1954, OCLC 1164115697, S. 563.
  10. ↑ Lutz Popko: Satz ID IBcCBiqAoDiL5U1jpX3v99Ecc0o. In: Thesaurus Linguae Aegyptiae. Tonio Sebastian Richter & Daniel A. Werning im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Hans-Werner Fischer-Elfert & Peter Dils im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 20. Februar 2026.
  11. ↑ Lutz Popko: Satz ID IBcAVDpsaCGAt07SkksUDTrF55M. In: Thesaurus Linguae Aegyptiae. Tonio Sebastian Richter & Daniel A. Werning im Auftrag der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Hans-Werner Fischer-Elfert & Peter Dils im Auftrag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 20. Februar 2026.
  12. ↑ H. Orth, I. Kis: Schmerzbekämpfung und Narkose. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 1–32, hier: S. 1.