Parallelität (Geometrie)

Parallele Geraden in der Ebene aus drei Parallelscharen
Parallele Geraden und Ebenen im Raum

In der euklidischen Geometrie sind zwei Geraden parallel, wenn sie in einer Ebene liegen und einander nicht schneiden. Außerdem setzt man fest, dass jede Gerade zu sich selbst parallel sein soll. Zwei Geraden werden als echt parallel bezeichnet, wenn sie parallel, aber nicht identisch sind.

Häufig wird von echt parallelen Geraden gesagt, dass sie einander „im Unendlichen“ schneiden. Diese Aussage bekommt einen präzisen Sinn, wenn der euklidische Raum zu einem projektiven Raum erweitert wird.

Im dreidimensionalen euklidischen Raum gilt ferner:

Analoge Sprechweisen gelten für euklidische und affine Geometrien in beliebiger Dimension und für die analytische Geometrie (die Geometrie in euklidischen Vektorräumen). Insbesondere sind zwei Geraden in einem Vektorraum parallel, wenn ihre Richtungsvektoren linear abhängig (oder proportional) sind.

Eigenschaften

Parallelenaxiom

In der ebenen euklidischen und affinen Geometrie gilt:

Bei einem axiomatischen Aufbau der euklidischen Geometrie wird diese Aussage als Axiom benötigt, weshalb sie dann als Parallelenaxiom bezeichnet wird. In der analytischen Geometrie (Geometrie in euklidischen Vektorräumen) ist sie hingegen beweisbar (also ein Satz). In affinen Räumen beliebiger Dimension gilt:

In der euklidischen Geometrie gilt ferner bei beliebiger Dimension des Raumes:

Konstruktion der Parallele durch P mit Zirkel und Lineal durch Konstruktion einer Raute P,A,B,C
Parallele durch Punkt P, z. B. mit kollabierendem Zirkel

Außerhalb der euklidischen Geometrie gilt: Ersetzt man das Parallelenaxiom durch die Forderung Zu jeder Geraden und jedem Punkt, der nicht auf der Geraden liegt, gibt es mindestens zwei Geraden durch den Punkt, welche die gegebene Gerade nicht schneiden, so erhält man eine nichteuklidische Geometrie, nämlich die hyperbolische.

Verallgemeinerung für affine Räume

In einem n-dimensionalen affinen Raum A über einem Körper K können affine Teilräume A1,A2 als Nebenklassen von linearen Teilräumen U1,U2<Kn des zu A gehörenden Koordinatenvektorraums beschrieben werden. Dann ist A1=P1+U1 und A2=P2+U2. Man definiert nun:

Allein mit geometrischen Begriffen kann Parallelität gleichwertig so definiert werden:

Vektoriell geschrieben entspricht τ einem Verschiebungsvektor v→∈Kn (es kann zum Beispiel v→=P1P2→ aus der ersten Darstellung gewählt werden) und die Aussage lautet dann

Meistens wird diese sehr allgemeine Definition auf affine Teilräume beschränkt, die mindestens eindimensional sind, da sonst im Sinne der Definition die leere Menge und einpunktige Mengen zu jedem beliebigen Teilraum parallel wären.

Eigenschaften

  • Die verallgemeinerte Parallelität ist auf der Menge der k-dimensionalen Teilräume eines n-dimensionalen affinen Raumes (für festes 1≤k<n) eine Äquivalenzrelation. Eine Äquivalenzklasse wird als Parallelenschar von Ebenen, speziell für k=n−1 als Parallelenschar von Hyperebenen bezeichnet.
  • In der Sprache der projektiven Geometrie besteht eine solche Parallelenschar von k-dimensionalen Ebenen aus allen Ebenen, die sich in einem k−1-dimensionalen (projektiven) Teilraum der Fernhyperebene schneiden. Daher spricht man auch von einem Ebenenbüschel. (Zu den Begriffen Bündel und Büschel in der projektiven Geometrie siehe Projektiver Raum#Projektiver Teilraum.)
  • Auf der Menge aller affinen Teilräume (beliebiger Dimension 1≤k<n) ist die Parallelität zwar symmetrisch und reflexiv, aber für n>2 nicht transitiv, also im Allgemeinen keine Äquivalenzrelation.

Verwandte Begriffe

Parallele Geraden und Kurve

Die Idee des parallelen Verlaufs wird auch in anderen Situationen verwendet, wobei meist die Charakterisierung durch den konstanten Abstand übertragen wird.

Verallgemeinerungen für endliche Geometrien

In der endlichen Geometrie wird das Konzept der Parallelität (als Äquivalenzrelation) in allgemeinerer Form auch für Blockpläne definiert. Endliche affine und projektive Geometrien können als spezielle Blockpläne aufgefasst werden. Die Einteilung der „Geraden“, die in der endlichen Geometrie auch als „Blöcke“ bezeichnet werden, in „Parallelenscharen“ wird in der Theorie der Blockpläne zum Konzept der Auflösung eines Blockplans verallgemeinert. Eine weitere Verallgemeinerung der Auflösung ist das Konzept der taktischen Zerlegung.

Siehe auch

Andere Lagebeziehungen von Geraden sind:

Einzelnachweise

  1. ↑ Manfred Andrie, Paul Meier: Lineare Algebra und Geometrie für Ingenieure: Eine anwendungsbezogene Einführung mit Übungen. 3. Auflage. Springer, 2013, ISBN 978-3-642-95798-7, S. 202; books.google.de
  2. ↑ Ebenenparallelität. In: rither.de. Abgerufen am 5. Juni 2024.
  3. ↑ Parallelität von Vektoren. In: mathe-online.at. Abgerufen am 5. Juni 2024.
  4. ↑ Affine Geometrie – Vorlesung der Uni Jena. (PDF; 94 kB) In: fmi.uni-jena.de. Abgerufen am 5. Juni 2024.
  5. ↑ Translation. In: mathworld.wolfram.com. Wolfram MathWorld, abgerufen am 5. Juni 2024 (englisch).
  6. ↑ The Four Types of Symmetry in the Plane. Vier Arten der Symmetrie. In: mathforum.org. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 1. September 2015; abgerufen am 5. Juni 2024 (englisch).
  7. ↑ Wölffing: Parallelkurven. In: Luegers Lexikon der gesamten Technik. 2. Auflage. Band 7. Deutsche Verlags-Anstalt, Leipzig / Stuttgart 1909, S. 33 (Digitalisat. zeno.org).
  8. ↑ Parallelkörper und konvexe Körper. In: lienhard-wimmer.de. Abgerufen am 5. Juni 2024.
  9. ↑ Antiparallel. In: mathworld.wolfram.com. Wolfram MathWorld, abgerufen am 5. Juni 2024 (englisch).