

Parastou Forouhar, auch Parastu Foruhar (persisch {پرستو فروهر ; * 1962 in Teheran) ist eine iranische Künstlerin und Aktivistin.
Seit 1991 lebt sie in Deutschland im Exil und entschied sich zu bleiben. Ihre Eltern waren die Oppositionellen Dariush und Parwaneh Forouhar, die 1998 in ihrem eigenen Haus in Iran vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden.
Parastou Forouhar studierte von 1984 bis 1990 Kunst an der Universität Teheran. Für die Tochter von intellektuellen Dissidenten waren die schwierigen Bedingungen in ihrem Heimatland der Grund dafür, 1991 mit ihren beiden kleinen Söhnen nach Deutschland zu ziehen. An der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main absolvierte sie ein Aufbaustudium, bei dem sie unter anderem bei Adam Jankowski studierte. Seit 1992 lebte sie zunächst in Offenbach am Main und mittlerweile in Göppingen.
Die Eltern von Parastou Forouhar wurden am 21. November 1998 in ihrem Haus in Teheran brutal im Zuge der sogenannten Kettenmorde von Agenten des iranischen Geheimdienstes ermordet. Dariush Forouhar gehörte als Arbeitsminister zum weltlichen Kabinett von Premierminister Mehdi Bazargan. Beide gehörten zu den führenden oppositionellen Politikern in der Islamischen Republik Iran. Das Verfahren wurde von den Behörden verschleppt und letztendlich zu einem unabgeschlossenen Ende gebracht.
Jedes Jahr reist die Künstlerin, die das Erbe der politischen Opposition ihrer Eltern fortführt, im November nach Teheran, um im Elternhaus einen Gedenktag für die Ermordeten abzuhalten; die Reisen sind regelmäßig mit Verhören bei der Ein- und Ausreise verbunden, ihr Elternhaus dient zugleich als persönlicher Erinnerungsort und politisches Mahnmal. Im September 2022 übernahm sie die Schirmherrschaft der „Tage des Exils“; ihre Erfahrungen als Geflüchtete und Exilantin prägen ihre Perspektive auf gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland.
Seit dem Sommersemester 2019 nimmt Forouhar für fünf Jahre eine Professur für eine Klasse für Bildende Kunst an der Kunsthochschule Mainz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wahr.
Obwohl ihre Eltern von Agenten des iranischen Geheimdienstes ermordet wurden, lehnt Forouhar einen ausländischen Militärangriff auf den Iran entschieden ab. Sie argumentiert, ein solcher Angriff treffe vor allem die iranische Bevölkerung; ein demokratischer Wandel müsse aus der iranischen Zivilgesellschaft selbst hervorgehen und nicht durch Gewalt von außen erzwungen werden.
Nach dem Beginn des Zwölftagekriegs zwischen Israel und dem Iran im Juni 2025 verurteilte Forouhar in mehreren Texten und Interviews den Krieg – zugleich aber auch die Islamische Republik. In einem am 18. Juni 2025 veröffentlichten Essay schrieb sie: „Verflucht sei dieser verheerende Krieg. Verflucht die gewaltige Invasionsarmee Israels und ihrer Komplizen.“ Ebenso verflucht sei „jene Islamische Republik, die Iran und seine schutzlosen Mitmenschen in dieses blutige Desaster geführt hat“.
In demselben Essay kritisierte sie Bundeskanzler Friedrich Merz, der den israelischen Angriff mit dem Satz „Israel erledigt die Drecksarbeit für uns alle“ gerechtfertigt hatte. Damit habe Merz „die Gewalt zur moralischen Pflicht, [den] Krieg zur pragmatischen Notwendigkeit“ geadelt und zugleich verschwiegen, was tatsächlich brenne: „Häuser, Fabriken, Krankenstationen, Menschen“.
Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst warnte sie Ende Juni 2025, ein von außen herbeigeführter Systemwechsel sei keine Lösung: „Mörderische Angriffe von außen sind keine Chance, sondern eine Gefahr.“ Die Menschen im Iran fühlten sich „als Geiseln des Regimes“; infolge des Krieges würden „noch mehr Menschen verhaftet, bestraft oder als Spione hingerichtet als ohnehin schon“.
Parastou Forouhar setzt als Konzeptkünstlerin alle Medien von der Zeichnung über die Fotografie bis zu computeranimierten Bildsequenzen ein, um ihre Themen, etwa die Situation von Frauen in der Gesellschaft – speziell auch in muslimischen Gesellschaften – oder der Folter als systematisches, bildfüllendes „Ornament“, zu reflektieren und zu veranschaulichen.
Seit 2009 treten in ihrem Werk gezeichnete Schmetterlinge als Serie auf, die an die Grüne Bewegung im Iran anknüpfen; die filigranen, symmetrisch gemusterten Flügel setzen sich bei näherer Betrachtung aus fallenden, trauernden oder stürzenden Körpern zusammen – als „Archiv“ von Aufstand, Widerstand und Repression. Beispiele daraus sind die Serien Papillon Collection I/II (u. a. Women of the revolution street, 2019–2023).
In vielen Zeichnungen, Fotografien und Installationen zitiert Forouhar ornamentale und repetitive Muster. Diese stellen einerseits Bezüge zu traditionellen Kunstformen im Iran her, wirken andererseits beklemmend und einengend; die wiederholte Struktur spiegelt die Erfahrung von Ausbruchsversuchen und deren Scheitern im System wider.
Zu den Arbeiten, in denen die Ambivalenz von Sichtbarkeit und Verhüllung thematisiert wird, zählt die vierteilige Fotoarbeit Freitag (2003), in der unter dunklen Stoffbahnen Körperfragmente nur minimal sichtbar werden; ebenso Papierbahnen voller Augen, die zu Ketten und Gittern verschränkt sind und zwischen Verführung, Überwachung und Exklusion changieren.
Im Kontext des Gabriele Münter Preis für das Jahr 2025 entwickelte Forouhar zudem ein interaktives Setting mit Windrädchen, die Besucherinnen und Besucher durch Anpusten in Bewegung versetzen; auf den Flügeln sind starre Figuren gezeichnet – ein bewusstes Aufeinandertreffen von Lebendigem und Erstarrtem und zugleich eine Referenz an kleine Stillleben Gabriele Münters.
Forouhar betont 2025 die anhaltende Kraft der Bewegung Frau, Leben, Freiheit: Zwar habe diese das System nicht vollständig verändert, doch Frauen eroberten sich ihre Präsenz im öffentlichen Raum zurück; jede unverschleierte Frau im Alltag wirke „wie eine Parole gegen das System“.
Eine gänzlich anders geartete Arbeit der Künstlerin sind ihre Schrifträume, die persische Zeichen des Unsinns oder ohne Bedeutung aneinanderfügen. Durch die raumgreifende Bemalung verändern sich die Räume selbst. Parastou Forouhars Schrifträume (Written Rooms) sind in der Universität von Toledo (2014) und neuerdings im Institut des Cultures d’Islam (ICI) in Paris zu sehen.
In unregelmäßigen Abständen kuratiert die Künstlerin eigene Ausstellungen, etwa „Omid* Gemeinsam grenzenlos“ für die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, oder als Co-Kuratorin für die Teheran-Nummer der Reihe Treibsand für zeitgenössische Kunst.
Anfang Februar 2025 wurde Forouhar aus insgesamt 1.299 Bewerberinnen für den mit 20.000 Euro dotierten Gabriele Münter Preis ausgewählt.
„Der Film rekonstruiert die Details dieses politisch und religiös motivierten Mordes, begleitet Parastou Forouhar bei ihrer Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit und verfolgt die Spuren des Verbrechens bis ins Machtzentrum des islamischen Gottesstaats…“
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Forouhar, Parastou |
| KURZBESCHREIBUNG | iranische Künstlerin |
| GEBURTSDATUM | 1962 |
| GEBURTSORT | Teheran, Iran |