
Das Museum Lindwurm ist ein Heimatmuseum in der Altstadt von Stein am Rhein im Kanton Schaffhausen. Es zeigt auf 1500 m2 bürgerliches Wohnen und landwirtschaftliches Arbeiten um 1850. Das Museum Lindwurm zählt neben der Artist in Residence Chretzeturm und dem Kulturhaus Obere Stube zu den Kultureinrichtungen der «Jakob und Emma Windler-Stiftung».
Dendrochronologische Untersuchungen der Deckenlagen im Untergeschoss belegen, dass das Haus «Lindwurm» in seine Ursprüngen auf das Jahr 1279 zu datieren ist. Bevor es Hausnummern gab, hatten die Häuser Namen. Lindwurm ist eine altertümliche Bezeichnung für Drachen.
1712 wurde das Hinterhaus als Stall und Wirtschaftsgebäude errichtet. Die klassizistische Fassade des Vorderhauses entstand 1819/1820.
1853 kam die Familie Gnehm in Besitz des Hauses Lindwurm. Robert Gnehm (* 1852 in Stein am Rhein; † 1926 in Zürich), der das Haus «Lindwurm» um 1900 erwarb, ist der bekannteste Vertreter der Familie. Seiner Tochter Marie Gnehm (1883–1944), einer ausgebildeten Ärztin, hinterliess er sein Vermögen, u. a. Sandoz-Aktien und das Haus «Lindwurm». Die Geschwister Jakob und Emma Windler erbten von ihrer Cousine Marie Gnehm das Haus und einen Teil der Aktien. Sie sind die Begründer der «Jakob und Emma Windler-Stiftung» mit Sitz in Stein am Rhein. Dass Robert Gnehm das Haus kaum nutzte, höchstens als «heimatliches Ferienhaus», hat es, trotz teilweiser Vermietung, seinen Charakter des 19. Jahrhunderts weitgehend bewahren können.
Nachdem Jakob und Emma Windler das Haus geerbt hatten, wurde es 1947/1948 durch den Architekten Wolfgang Müller umgebaut. Dabei wurde die historische Bausubstanz nicht nur konserviert, sondern teilweise auch ergänzt, um einen Gesamteindruck der Zeit zu ermöglichen. Jochsäule, Rundbogen- und Renaissance-Türen in der Eingangshalle haben deshalb keinen Originalstandort. Anfang der 1990er Jahre erfolgte die Umwandlung in ein Museum. Die Konzeption erstellte der Volkskundler Peter Bretscher. Es wurde 1993 eröffnet. Museumsleiterin war von 2014 bis 2019 die Gesamtleiterin der Kultureinrichtungen der «Jakob und Emma Windler-Stiftung», Elisabeth Schraut. Seit Oktober 2019 hat Helga Sandl diese Funktionen inne.
Das kulturhistorische «Museum Lindwurm» präsentiert auf 1500 m2 die Lebensform des «Ackerbürgertums», bürgerliches Wohnen im Vorder- und landwirtschaftliches Arbeiten im Hinterhaus mit einem Zeitschnitt um 1850. Die Konzeption verfolgte das Ziel, einen möglichst authentischen Eindruck zu erwecken, «so als ob die Bewohner das Haus gerade verlassen hätten». Klein- und Kleinstszenen verfolgen das Ziel einer «hyperrealistischen Installation». Ziel ist, nicht nur die konkreten Lebensumstände der früheren Bewohner zu vermitteln, sondern auch allgemeingesellschaftliche Entwicklungen dieser Zeit zu veranschaulichen.
Im Erdgeschoss liegen der Keller und die Waschküche. Im Vorderhaus befindet sich die Beletage mit einer zur Strasse hin orientierten Stube, einer Nebenstube, einem Wohnschlafraum und einer rückwärtsgelegenen Küche. Das 2. Obergeschoss weist ein Bügelzimmer und einen Empire-Salon auf. Zum Haushalt einer bürgerlichen Familie im 19. Jahrhundert gehört auch ein eigenes Kinderzimmer mit Spielsachen. Dem Steiner Maler Hermann Knecht ist im Vorderhaus ebenfalls ein eigener Raum gewidmet. Auf dem Dachboden findet alles Platz, was gerade nicht gebraucht wurde: Schlitten für Gross und Klein, aus der Mode gekommene Möbel und der Holzvorrat.
Im Hinterhaus befindet sich der Stall für einige Hühner, Kühe und Schweine. Die Gesindekammer, Getreideschütte und Wagenremise befinden sich ebenfalls im Hinterhaus.
Die Präsentation wird durch kulturhistorische Sonderausstellungen und Interventionen zeitgenössischer Kunst belebt und hinterfragt.
Das Museum veranstaltet jedes Jahr die «Lindwurm-Lesereihe» mit renommierten deutschsprachigen Autoren. Es beteiligt sich an der Museumsnacht Hegau-Schaffhausen. Es nimmt seit 2016 am Internationalen Museumstag teil. Es bietet Führungen in sechs Sprachen an.
Das Museum Lindwurm wurde 1995 für seine besonders gelungene Museumskonzeption mit einem Sonderpreis als «Europäisches Museum des Jahres» ausgezeichnet.
Koordinaten: 47° 39′ 38,1″ N, 8° 51′ 30,2″ O; CH1903: 706648 / 279848