Patricia Wrightson, OBE (eigentlich Alice Patricia Furlonger) (* 21. Juni 1921 in Lismore, New South Wales, Australien; † 15. März 2010) war eine australische Schriftstellerin. Sie zählt im englischsprachigen Raum zu den erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Der Patricia Wrightson Award for Children's Literature ist nach ihr benannt.
Patricia Wrightson wurde als drittes von sechs Kindern eines Solicitors geboren. Sie wuchs auf einer Farm auf. Ihre schulische Bildung erhielt sie größtenteils über die State Correspondence School, eine staatliche Fernschule, die für Kinder in ländlichen Gebieten eingerichtet worden war. Sie setzte für ein Jahr mit der Schule aus, um sich im Eigenstudium intensiv mit William Shakespeare zu beschäftigen. Für ein weiteres Jahr besuchte sie das St Catherine’s College in Stanthorpe (Queensland).
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie zunächst in einer Munitionsfabrik in Sydney, nach anderen Quellen in einer kriegswichtigen Radioproduktion. Von 1946 bis 1960 war sie als Krankenhausverwalterin im Krankenhaus von Bonaldo, Kyogle Council und von 1960 bis 1964 in der Sydney District Nursing Association beschäftigt. Mitte der 1960er Jahre begann sie eine Tätigkeit beim School Magazine, einer Literaturzeitschrift für Kinder. Diese Tätigkeit beendete sie 1970.
1943 heiratete sie und bekam zwei Kinder, Jenny und Peter. Die Ehe wurde 1953 geschieden. Patricia Wrightson kehrte mit den Kindern zu ihren Eltern nach Bonalbo zurück. Während sie tagsüber im Krankenhaus arbeitete, begann sie nachts zu schreiben. Später lebte und arbeitete sie 32 Jahre mit ihrem Sohn Peter am Clarence River.
Patricia Wrightson starb am 15. März 2010 im Alter von 88 Jahren.
Ihr erstes Buch, The Crooked Snake (1955), das in New South Wales spielt, erzählt die Geschichte von sechs Kindern, die einen Geheimbund gründen und in Konflikt mit älteren Jugendlichen geraten. The Bunyip Hole (1958) dreht sich ebenfalls um Konflikte unter Kindern, hier jedoch vor dem Hintergrund von Picknicks und Campingausflügen. The Rocks of Honey (1960) handelt von drei Kindern, darunter ein Aborigine-Kind, die eine uralte Steinaxt entdecken. Nach einer Reihe unerklärlicher Unfälle beschließen die Kinder, die Axt an den Fundort zurückzubringen, woraufhin wieder Frieden einkehrt. In The Feather Star (1962) findet ein 15-jähriges Mädchen seinen Weg durch die Wirren der Pubertät und lernt, sowohl zu seinen Mitmenschen als auch zur Schönheit der Natur eine positive Beziehung aufzubauen.
Den internationalen Durchbruch schaffte Wrightsons mit I Own the Racecourse! (1968). Andy, die Hauptfigur, ist geistig beeinträchtigt. Er wird als liebenswürdig und vertrauensselig beschrieben. Eines Tages lässt er sich von einem Landstreicher vormachen, er habe die örtliche Pferderennbahn für drei Dollar gekauft. Während man ihn anfangs belächelt, wird er bald lästig und man droht, ihn hinauszuwerfen. Seine Freunde wollen ihn davor bewahren und gleichzeitig seine Illusion aufrechterhalten. Zur damaligen Zeit war Kinderliteratur, in der Kinder mit Behinderung eine gleichberechtigte Rolle in ihrer Gemeinschaft spielen, eine Seltenheit.
Wrightson wandte sich danach dem Fantasy-Genre zu. Sie verarbeite dabei die Kultur der Aborigines und verknüpfte Mythen, Naturgeister und Ungeheuer der australischen Indigenen Völker mit dem modernen Leben. In The Nargun and the Stars (1973) dreht sich die Geschichte um den Nargun, eine gewaltige Steinfigur. Simon Brent, ein Waisenjunge, gerät in Konflikt mit dem Nargun, macht sich aber letztendlich dessen Weisheit zu eigen. Er lernt, die Landschaft rund um die einsame Schaffarm seines Onkels und seiner Tante zu lieben, ein für ihn heilsamer Prozess.
The Ice is Coming (1977) ist der erste Teil der Fantasy-Trilogie A Song of Wirrun. Es geht darin um die Reise menschenähnlicher Eisgeister aus dem Landesinneren an die Südwestküste. Sie haben das Ziel, eine neue Eiszeit herbeizuführen. Wirrun, einem junger Aborigine, hält sie auf und wird von Mimi, einem Felsengeist, unterstützt. The Dark Bright Water (1979) und Behind the Wind (1981) sind Band zwei und drei der Reihe. Sie alle enthalten Erzählungen aus der Mythologie der Aborigines, Beschreibungen der Landschaft, ihrer Tierwelt und dem Klima. Bei A Little Fear (1983) und Moon-Dark (1987) rückt zunehmend das ökologische Gleichgewicht in den Vordergrund.
2004 erschien ihr letzter Roman A Wisp of Smoke. Mit ihrem Sohn verfasste sie The Wrightson List (1998), ein Nachschlagewerk zu Gestalten in der australischen Kultur.
Wrightson wurde kritisiert, sie eigne sich als weiße Australierin die Glaubenswelt der Aborigines an. Wrightson setze die Mythen zum eigenen Vorteil ein. Die Mythologie der Aborigines in ihren Romanen sei eine irreführende Mischung aus tatsächlich Elementen und solchen, die entlehnt oder erfunden seien.
Die Neuseeländerin Clare Bradford setzte sich 2001 wissenschaftlich in ihrem Werk Reading Race: Aboriginality in Australian Children’s Literature mit Wrightsons Werk in Bezug auf die Kultur der Aborigines auseinander. Sie sah Wrightson nicht als Fürsprecherin der Kultur der Aborigines. Bradford erkannte stattdessen verschleierte Aneignung und Kontrolle. Im Roman Shadows of Time würden australischen Geisterfiguren lediglich auf westliche Vorstellungen von Kobolden, Meerjungfrauen und Drachen projiziert. Brian Attebery (* 1951) und Mark Macleod hielten dagegen, dass Wrightson Gestalten aus dem Aberglauben und den Mythen der Aborigines verwenden würde. Sie verwende dagegen wenige Bestandteile religiöser Überzeugungen wie Schöpfungsmythen. Bradford hinterfragte wiederum eine solche Abstufung, bei der den übernatürlichen Erzählungen damit ein Wert zugewiesen wird: Entweder heilig oder trivial. Attebery sah Wrightson zwar nicht als vollkommen authentisch, jedoch als Akteurin bei der Neugestaltung von Traditionen für eine moderne Welt.
John Murray (Dramatiker und Aborigine, 1917–2000) sah Wrightsons Werk in der Tradition der literarischen Indigenisierung. Die Romane seinen ein Versuch, Bewohner europäischer Abstammung imaginativ mit ihrem Geburtsland Australien zu verbinden, in dem sie jedoch im Vergleich mit den Aborigines wenig beheimatet seien. Für Murray war Wirrun eine heldenhafte Figur der Trilogie, die den Prozess der Indigenisierung verkörpere und Australien vereine. Am Schluss übernehme Wirrun die Verantwortung für den gesamten Kontinent, von den Geistern über die weiße Stadtbevölkerung bis hin zur Tierwelt.
The Crooked Snake, ihr erstes Buch, wurde vom Children’s Book Council of Australia mit dem „Book of the Year Award“ ausgezeichnet. Den Preis errangen Wrightsons Bücher danach noch dreimal: 1974 für The Nargun and The Stars, 1978 für The Ice is Coming und 1984 für A Little Fear.
1977 wurde Wrightson für ihre Verdienste um die Literatur zum Officer of the Order of the British Empire (OBE) ernannt.
Die Governors of the Courtney Oldmeadow Children’s Literature Foundation verlieh ihr 1984 die „Dromkeen Medal“. Sie wird jährlich an Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in Australien für einen bedeutenden Beitrag zur Wertschätzung und Entwicklung der Kinderliteratur in Australien vergeben.
Für ihr Gesamtwerk wurde sie 1986 mit dem Internationalen Jugendbuchpreis, der Hans-Christian-Andersen-Medaille, ausgezeichnet. 1986 gewann sie auch die Canberra Area Theatre Awards und die Children’s Book Council of Australia Awards – The Lady Cutler Award in New South Wales.
Mit den New South Wales Premier's Literary Awards wurden seit 1979 herausragende Leistungen australischer Schriftsteller in verschiedenen literarischen Genres gewürdigt. Im Jahr 1999 ehrte man Wrightson mit der Schaffung des Patricia-Wrightson-Preis als eigene Kategorie für Literatur im Alter von Grundschulkindern.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wrightson, Patricia |
| KURZBESCHREIBUNG | australische Kinder- und Jugendbuchautorin |
| GEBURTSDATUM | 21. Juni 1921 |
| GEBURTSORT | Lismore (New South Wales) |
| STERBEDATUM | 15. März 2010 |