
Paul Barthélemy Mirabaud (* 29. Juni 1848 in Versailles; † 12. Mai 1908 in Paris) war ein französischer Bankier, Philatelist und Autor. Als Bankier war er Teilhaber der Pariser Bank Mirabaud, Mitglied des Conseil de régence der Banque de France sowie in leitender Stellung bei Verkehrs- und Handelsgesellschaften tätig. In der Philatelie wurde er vor allem als Spezialist der klassischen Briefmarken der Schweiz bekannt. Gemeinsam mit Axel de Reuterskiöld veröffentlichte er 1898 das Werk Les timbres-poste suisses, 1843–1862. 1921 wurde Mirabaud bei der Einrichtung der Roll of Distinguished Philatelists als einer der „Fathers of Philately“ gewürdigt.
Mirabaud wurde am 29. Juni 1848 in Versailles geboren. Nach einem Nachruf im Journal de la Société des Américanistes interessierte er sich bereits in seiner Jugend für ferne Reisen und maritime Fragen. Er wurde an der Marineschule Borda aufgenommen, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen auf den Eintritt verzichten. Auch die vorbereitete Laufbahn über die École polytechnique mit dem Ziel, Marineoffizier zu werden, konnte er deshalb nicht einschlagen.
Mirabaud stammte aus einer Bankiersfamilie. Das Findbuch zum Fonds der Banque Mirabaud bei den Archives historiques der Société générale führt die Familie auf Aigues-Vives zurück; eine Linie der Familie ging nach Genf, bevor Henri Mirabaud, Paul Mirabauds Vater, die Pariser Bankierslinie begründete. Henri Mirabaud heiratete 1846 Denise Paccard, Tochter des Pariser Bankiers Barthélémy Paccard. Aus der Verbindung mit der Familie Paccard entstand 1859 die Maison Mirabaud Paccard et Cie.
Paul Mirabaud trat 1868 in das Familienbankhaus ein. Seine Brüder Albert und Gustave folgten 1869 beziehungsweise 1893. Ab 1878 firmierte die Bank als Mirabaud-Paccard, Puerari et Cie; später wurde eine neue Kommanditgesellschaft gebildet, deren persönlich haftende Gesellschafter Paul, Albert und Gustave Mirabaud sowie Eugène Puerari waren. Der Eintritt Paul Mirabauds in den Conseil de régence der Banque de France im Jahr 1906 wurde im Archiv der Banque Mirabaud als Bestätigung seiner wirtschaftlichen Stellung beschrieben.
Mirabaud war außerdem in mehreren großen Unternehmen tätig. Der Comité des travaux historiques et scientifiques nennt ihn als Regenten der Banque de France, Verwaltungsrat der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans und der Compagnie du Canal de Suez sowie als Präsidenten der Société des Chargeurs Réunis. Der Nachruf der Société des Américanistes hob dieselben Funktionen hervor und würdigte seine Tätigkeit als Bankier und Verwaltungsrat großer Verkehrsunternehmen.
Familiär war Mirabaud auch mit dem Umfeld Marcel Prousts verbunden. Seine Tochter Jeanne Mirabaud heiratete 1895 den späteren Diplomaten Robert de Billy, einen Freund Prousts. Im August 1904 lud Mirabaud Proust zu einer Fahrt auf seiner Dampfyacht Hélène ein. Die Yacht war nach Mirabauds verstorbener Ehefrau Hélène Dollfus benannt. Zu den Gästen gehörten neben Proust unter anderem Robert de Billy und Jeanne Mirabaud.

Mirabaud war auf klassische Schweizer Briefmarken spezialisiert. Sein wichtigstes philatelistisches Werk war Les timbres-poste suisses, 1843–1862, das er gemeinsam mit Axel de Reuterskiöld veröffentlichte. Das 1898 bei Librairies-Imprimeries Réunies in Paris erschienene Werk behandelte frühe Schweizer Briefmarkenausgaben und deren Entwertungen.
Das Buch wurde von den Smithsonian Libraries digitalisiert und dort den Themen Postgeschichte, Briefmarken, Entwertungen und Schweiz zugeordnet. Im Nachruf des The London Philatelist wurde Mirabaud als Pariser Sammler gewürdigt.
Neben seiner beruflichen und philatelistischen Tätigkeit war Mirabaud in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften aktiv. Der Comité des travaux historiques et scientifiques führt ihn als Sekretär der Société de géographie, als Mitglied der Société de l'histoire de Paris et de l'Île-de-France von 1874 bis 1908 sowie als ordentliches Mitglied der Société des Américanistes. Der Nachruf der Société des Américanistes hob sein Interesse an Reisen, Seefahrt und geografischen Fragen hervor.
Mirabaud betätigte sich außerdem fotografisch und als Donator fotografischer Sammlungen. Nach Angaben des Comité des travaux historiques et scientifiques bewahrt die Bibliothèque nationale de France unter anderem von ihm angefertigte oder gestiftete Fotografien aus Indien, Bourges, der Lozère, der Schweiz und der mexikanischen Baja California auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mirabaud, Paul |
| ALTERNATIVNAMEN | Mirabaud, Paul Barthélemy |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Bankier, Philatelist und Autor |
| GEBURTSDATUM | 29. Juni 1848 |
| GEBURTSORT | Versailles |
| STERBEDATUM | 12. Mai 1908 |
| STERBEORT | Paris |