
Die Roll of Distinguished Philatelists (RDP) ist eine internationale philatelistische Auszeichnung, die 1921 beim Philatelic Congress of Great Britain in Harrogate geschaffen wurde, um Personen zu ehren, die sich durch Forschung, Veröffentlichungen, Fachwissen oder organisatorisches Engagement in besonderer Weise um die Philatelie verdient gemacht haben.
Die Roll besteht aus fünf Pergamentblättern, auf denen die Geehrten ihre Unterschrift leisten. Neue Unterzeichner werden nach Nominierung durch dafür berechtigte philatelistische Organisationen oder bisherige Unterzeichner von einem achtköpfigen Board of Election ausgewählt; eine Nominierung bleibt vier Jahre lang wirksam und wird in diesem Zeitraum jährlich geprüft.
Bis einschließlich der für 2026 ausgewählten Unterzeichner verzeichnete die Roll 420 Unterzeichner aus 44 Ländern; Georg V., dessen Unterschrift an der Spitze der Roll steht, ist in dieser Zählung nicht enthalten. Die Roll enthält außerdem die Namen von 46 „Fathers of Philately“, also bedeutenden Philatelisten, die bei der Einführung der Roll bereits verstorben waren und andernfalls zur Unterzeichnung eingeladen worden wären.
Für 2026 wurden Jon Aitchison, Andrew Cheung, Alexander T. Haimann und Ding Jinsong als neue Unterzeichner ausgewählt. Sie kamen zu 92 damals lebenden RDPs aus 31 Ländern hinzu.
Die Initiative zur Schaffung der Roll ging auf Percy Cooke Bishop vom London Stamp Club zurück, der am 30. Oktober 1919 die Einführung eines „Philatelic Order of Merit“ vorschlug. Ziel war eine international ausgerichtete Auszeichnung zur Würdigung herausragender Leistungen in der Philatelie.
In den folgenden Monaten wurde das Konzept konkret ausgearbeitet. Eine Jury wählte aus 91 Vorschlägen zunächst 25 Philatelisten aus, die 1920 als erste Ausgezeichnete bestätigt wurden. Auf dem Philatelic Congress of Great Britain im Jahr 1920 in Newcastle upon Tyne wurde die weitere Entwicklung der Auszeichnung beraten; zugleich wurde der ursprünglich vorgesehene Name „Order of Philatelic Merit“ verworfen, da er als zu stark an staatliche Orden angelehnt angesehen wurde.
Für die Einführung der „Roll of Distinguished Philatelists“ im Jahr 1921 wurden die meisten der zuvor ausgewählten Philatelisten übernommen; lediglich A. B. Creeke wurde dabei offenbar nicht berücksichtigt. Ergänzt wurde die Gruppe durch 15 weitere Persönlichkeiten, sodass insgesamt 39 Philatelisten zur Unterzeichnung eingeladen wurden.
Die physische Einführung und erste Unterzeichnungszeremonie erfolgte 1921 auf dem Kongress in Harrogate. Zu diesem Anlass wurde das kunstvolle Pergament präsentiert, das bereits die Namen der 42 verstorbenen „Väter der Philatelie“ in den seitlichen Ornamenten enthielt. König Georg V. hatte das Dokument bereits vorab als erster Unterzeichner signiert und wurde an die Spitze der Roll gesetzt. In Harrogate leisteten schließlich die eingeladenen Philatelisten ihre Unterschrift.
Seit 1922 erfolgt die Auswahl neuer Unterzeichner jährlich durch ein Wahlgremium (Board of Election), mit einer Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs (1940–1946). Die Aufnahme in die Roll gilt heute als eine der bedeutendsten Auszeichnungen der Philatelie.

Die erste Seite des Original-Pergaments ist als repräsentatives, architektonisch gestaltetes Dokument konzipiert und verbindet dekorative Elemente mit der Funktion als Ehrenliste. Sie gliedert sich in drei klar unterscheidbare Bereiche:
In den beiden vertikalen Randfeldern („Säulen“) sind die Namen von ursprünglich 42 verstorbenen Philatelisten in ornamentalen Schriftbändern eingetragen. Diese sogenannten „Fathers of Philately“ wurden bewusst in das Design integriert, um die historischen Wegbereiter der Philatelie zu würdigen. Sie stellen keine Unterzeichner dar, sondern fungieren als symbolische Ahnengalerie.
Die Bezeichnung „42 Fathers of Philately“ bezieht sich auf die Anzahl der Einträge im Design der Roll. Tatsächlich umfasst die Gruppe aufgrund der gemeinsamen Nennung der Brüder Gustave und Martial Caillebotte insgesamt 43 Personen.
Die Mitte der Seite ist für die handschriftlichen Signaturen der lebenden Unterzeichner vorgesehen. Bei der ersten Unterzeichnungszeremonie 1921 in Harrogate wurden die Namen von 39 eingeladenen Philatelisten eingetragen. In den folgenden Jahren wurden hier die jährlich neu aufgenommenen Mitglieder ergänzt. Die Einträge erfolgen chronologisch nach den Austragungsorten des Philatelic Congress of Great Britain.
Mit den Eintragungen bis zum Kongress von 1935 war die Kapazität der ersten Seite ausgeschöpft, sodass ab 1936 weitere Pergamentseiten hinzugefügt wurden.
Im unteren Teil des Pergaments befinden sich zusätzliche dekorative Felder, die in späteren Jahren für nachträgliche Ehrungen genutzt wurden. Dort wurden in den 1950er Jahren vier weitere Philatelisten ergänzt (Edward R. Woodward, J. Stanley Telfer, Clarence W. Hennan und A. Tort Nicolau), die ursprünglich nicht berücksichtigt worden waren.
Durch spätere Ergänzungen – insbesondere im Jahr 2021 – wurde die Zahl der als „Fathers of Philately“ gewürdigten Personen weiter erhöht.
Die folgenden Philatelisten wurden als „Väter der Philatelie“ ausgezeichnet. Die ursprüngliche Gestaltung von 1921 enthält 42 Namensfelder; da Gustave und Martial Caillebotte gemeinsam in einem Feld genannt werden, umfassen diese 42 Einträge insgesamt 43 Personen.
| Name | Lebensdaten | Land | Kurzbeschreibung | Bild |
|---|---|---|---|---|
| James H. Abbott | 1851–1914 | Vereinigtes Königreich | Pionier der spezialisierten Sammlung von Aufdrucken | |
| William Beilby Avery | 1854–1908 | Vereinigtes Königreich | Besitzer einer der bedeutendsten Universalsammlungen seiner Zeit | |
| François Georges Oscar Berger-Levrault | 1826–1903 | Frankreich | Autor eines der frühesten systematischen Briefmarkenkataloge | |
| Friedrich Breitfuss | 1851–1911 | Russland | bedeutender Universalsammler und Spezialist für Essays und Probedrucke | |
| Mount Brown | 1837–1919 | Vereinigtes Königreich | Autor eines der frühesten britischen Briefmarkenkataloge | |
| Maitland Burnett | 1844–1918 | Vereinigtes Königreich | erster Herausgeber von The Philatelic Record | |
| Gustave Caillebotte und Martial Caillebotte | 1848–1894 1853–1910 | Frankreich | Brüder; bedeutende Sammler und Forscher, unter anderem zu Neusüdwales und Mexiko | |
| Marcellus Purnell Castle | 1849–1917 | Vereinigtes Königreich | Präsident der Royal Philatelic Society London und Herausgeber von The London Philatelist | |
| Daniel Cooper | 1821–1902 | Vereinigtes Königreich | erster Präsident der späteren Royal Philatelic Society London | |
| Henry J. Crocker | 1861–1912 | Vereinigte Staaten | Hawaii-Spezialist und Forscher zu den frühen Hawaiian Numerals | |
| J. A. Dunbar-Dunbar | 1849–1905 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für australische Briefmarken | |
| Henry J. Duveen | 1854–1919 | Niederlande/Vereinigtes Königreich | bedeutender Universalsammler mit Schwerpunkt britische Kolonien und Britisch-Guayana | |
| Alfred, Duke of Edinburgh | 1844–1900 | Vereinigtes Königreich | königlicher Förderer der Royal Philatelic Society London | |
| Philipp von Ferrary | 1850–1917 | Österreich | Besitzer einer der größten und wertvollsten Briefmarkensammlungen der Philateliegeschichte | |
| Douglas Garth | 1852–1900 | Vereinigtes Königreich | Pionier regelmäßiger Londoner Briefmarkenauktionen | |
| John Edward Gray | 1800–1875 | Vereinigtes Königreich | Zoologe und Autor eines der frühesten britischen Briefmarkenkataloge | |
| Gilbert Harrison | 1858–1894 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Afghanistan, Portugiesisch-Indien und US-Ganzsachen | |
| Leslie L. R. Hausburg | 1872–1917 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Feldbestimmung und Plattierung klassischer Briefmarkenausgaben | |
| Andrew Houison | 1850–1912 | Australien | Posthistoriker und Autor zur australischen Postgeschichte | |
| Henry King-Tenison | 1848–1896 | Vereinigtes Königreich | Präsident der späteren Royal Philatelic Society London | |
| Jacques Amable Legrand | 1820–1912 | Frankreich | Pionier der Zähnungsmessung und Erfinder des Zähnungsschlüssels | |
| Gerald FitzGerald, 5. Duke of Leinster | 1851–1897 | Vereinigtes Königreich | bedeutender Sammler und Stifter einer öffentlichen philatelistischen Sammlung | |
| James Lindsay, 26. Earl of Crawford | 1847–1913 | Vereinigtes Königreich | Begründer der Crawford Library und bedeutender Sammler philatelistischer Literatur | |
| Pierre Mahé | 1833–1913 | Frankreich | Briefmarkenhändler, Autor und Kurator der Sammlung Ferrary | |
| David Parkes Masson | 1847–1915 | Vereinigtes Königreich | Spezialist für Afghanistan sowie Jammu und Kaschmir | |
| Arthur Maury | 1844–1907 | Frankreich | Händler, Katalogautor und Herausgeber von Le Collectionneur de timbres-poste | |
| Paul Mirabaud | 1848–1908 | Frankreich | Spezialist für klassische Schweizer Briefmarken | |
| Jean-Baptiste Moens | 1833–1908 | Belgien | Briefmarkenhändler, Katalogautor und Herausgeber von Le Timbre-Poste | |
| Edward J. Nankivell | 1848–1909 | Vereinigtes Königreich | Transvaal-Experte und Herausgeber von The Philatelic Record | |
| Mariano Pardo de Figueroa | 1828–1918 | Spanien | Posthistoriker, Fachautor und Pionier der spanischen Postkarte | |
| Edward Loines Pemberton | 1844–1878 | Vereinigtes Königreich | Pionier der wissenschaftlichen Philatelie und der Erforschung von Briefmarkenfälschungen | |
| Frederick Philbrick | 1835–1910 | Vereinigtes Königreich | Mitbegründer der Philatelic Society, London und bedeutender philatelistischer Autor | |
| José Marcó del Pont | 1851–1917 | Argentinien | Fachautor und Spezialist für die frühen Briefmarkenausgaben Argentiniens | |
| Arthur de Rothschild | 1851–1903 | Belgien | bedeutender Sammler und Präsident der Société française de timbrologie | |
| Harold Row | 1840–1919 | Vereinigtes Königreich | Zoologe und Spezialist für die Philatelie von Siam | |
| Gordon Smith (Philatelist) | 1856–1905 | Vereinigtes Königreich | Philatelist und Direktor von Stanley Gibbons | |
| Thomas Tapling | 1855–1891 | Vereinigtes Königreich | Begründer der Tapling Collection, einer der bedeutendsten Sammlungen des 19. Jahrhunderts | |
| John Kerr Tiffany | 1842–1897 | Vereinigte Staaten | erster Präsident der American Philatelic Society und bedeutender philatelistischer Bibliophiler | |
| John Alexander Tilleard | 1850–1913 | Vereinigtes Königreich | philatelistischer Berater Georgs V. und maßgeblich am Aufbau der Royal Philatelic Collection beteiligt | |
| Charles William Viner | um 1812–1906 | Vereinigtes Königreich | Gründungsmitglied der späteren RPSL, Redakteur früher Fachzeitschriften und Katalogbearbeiter | |
| William Amos Scarborough Westoby | 1815–1899 | Vereinigtes Königreich | Pionier der philatelistischen Fachliteratur und Autor zu britischen und europäischen Briefmarken | |
| Hastings Elwin Wright | 1861–1897 | Vereinigtes Königreich | Großbritannien-Spezialist und Mitautor eines grundlegenden Werkes über britische Briefmarken |
In den dafür vorgesehenen Feldern im unteren Bereich des Pergaments wurden in den 1950er-Jahren vier weitere Philatelisten nachträglich als „Fathers of Philately“ gewürdigt.
| Name | Lebensdaten | Land | Kurzbeschreibung | Bild |
|---|---|---|---|---|
| Edward Robert Woodward | 1863–1931 | Vereinigtes Königreich | Spezialist unter anderem für Großbritannien und das Kap der Guten Hoffnung; Präsident der City of London Philatelic Society | |
| John Stanley Telfer | 1873–1938 | Vereinigtes Königreich | Auktionator und philatelistischer Verleger; Seniorpartner von Plumridge & Co. und maßgeblich an der Wiederbelebung des Philatelic Congress of Great Britain beteiligt | |
| Clarence W. Hennan | 1894–1956 | Vereinigte Staaten | Amerika-Spezialist, Fachautor und Präsident der American Philatelic Society | |
| A. Tort Nicolau | 1878–1950 | Spanien | Spanien-Spezialist und Autor eines grundlegenden dreibändigen Handbuchs; Träger der Crawford-Medaille |
Zum 100-jährigen Bestehen der Roll wurden 2021 die beiden noch freien Namensfelder im unteren Bereich besetzt. Damit sollten zugleich bedeutende deutsche und österreichische Philatelisten gewürdigt werden, die bei der ursprünglichen Auswahl nach dem Ersten Weltkrieg unberücksichtigt geblieben waren.
| Name | Lebensdaten | Land | Kurzbeschreibung | Bild |
|---|---|---|---|---|
| Alfred Moschkau | 1848–1912 | Deutschland | Pionier der deutschen Philatelie, Fachpublizist, Prüfer und Ausstellungsorganisator | |
| Victor Suppantschitsch | 1838–1919 | Österreich | Pionier der philatelistischen Literaturforschung und Besitzer einer bedeutenden Fachbibliothek |
Neue Unterzeichner werden durch ein Wahlgremium (Board of Election) ausgewählt. Es besteht aus acht Unterzeichnern der Roll, von denen vier ihren Wohnsitz im Vereinigten Königreich haben müssen. Der Sekretär des Gremiums ist zugleich Keeper of the Roll. Das Gremium tritt jährlich zusammen, prüft die eingegangenen Nominierungen und entscheidet nach eigenem Ermessen, welche Personen zur Unterzeichnung eingeladen werden.
Nominierungen müssen auf einem besonderen Formular beim Sekretär des Wahlgremiums eingereicht werden. Eine nominierte Person bleibt vier Jahre lang auf der Kandidatenliste und wird in diesem Zeitraum bei den jährlichen Sitzungen berücksichtigt. Danach erlischt die Nominierung; sie kann nach einer Wartezeit von mindestens einem Jahr für einen weiteren Zeitraum von vier Jahren erneuert werden.
Vorschlagsberechtigt sind die Association of British Philatelic Societies, nationale philatelistische Verbände, die Mitglied der Fédération Internationale de Philatélie sind, die Royal Philatelic Society London, weitere Royal Philatelic Societies außerhalb des Vereinigten Königreichs, bestimmte britische Fachgesellschaften und regionale Föderationen sowie bisherige Unterzeichner der Roll. Mitglieder des Wahlgremiums selbst dürfen keine Nominierungen einreichen.
Als Voraussetzung gilt, dass die nominierte Person Philatelist ist und sich durch herausragende Leistungen um die Philatelie verdient gemacht hat. Berücksichtigt werden insbesondere philatelistische Forschung und Veröffentlichungen, bedeutende Sammlungen, die durch Ausstellungen oder Vorführungen der Philatelie zugänglich gemacht wurden, Vorträge und andere Vermittlungsarbeit sowie organisatorische Leistungen bei Ausstellungen, Kongressen oder philatelistischen Gesellschaften.
Die Zustimmung der nominierten Person ist erforderlich. Einsendeschluss für Nominierungen ist jeweils der 31. Dezember; später eingehende Vorschläge werden erst im Verfahren des folgenden Jahres berücksichtigt. Über die Beratungen des Wahlgremiums wird keine Korrespondenz geführt.