
Sir William Beilby Avery, 1. Baronet (* 26. April 1854 in Birmingham; † 28. Oktober 1908 in London) war ein britischer Unternehmer und Philatelist. Er war Partner und später Chairman des Waagenherstellers W. & T. Avery in Birmingham und wurde 1905 zum Baronet erhoben. Als Philatelist war er Präsident der Birmingham Philatelic Society und Besitzer einer der bedeutenden Briefmarkensammlungen seiner Zeit. Avery zählt zu den frühen Philatelisten, die 1921 auf der ersten Seite der Roll of Distinguished Philatelists als „Fathers of Philately“ gewürdigt wurden.
Avery wurde in Birmingham als dritter Sohn von William Henry Avery geboren, einem Partner des Waagenherstellers W. & T. Avery. In Who Was Who wird er als Sohn von William Henry Avery und Maria Richmond Avery aus Edgbaston bei Birmingham geführt; seine Ausbildung erhielt er an The Cedars in Rickmansworth.
Er war zweimal verheiratet. Aus erster Ehe mit Anna Louisa Bell, einer Tochter von Francis Bell aus London, hatte er einen Sohn, William Eric Thomas Avery (1890–1918), der ihm als 2. Baronet nachfolgte. In zweiter Ehe war Avery mit Suzanne Irma Mathilde Crets, einer Tochter von Pierre Crets aus Paris, verheiratet; aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.
In späteren Jahren war Averys Hauptwohnsitz Oakley Court bei Windsor; außerdem unterhielt er ein Stadthaus in Portland Place in London, wo er am 28. Oktober 1908 starb.

Avery entstammte der Unternehmerfamilie hinter dem Waagenhersteller W. & T. Avery. Das Unternehmen ging auf ein 1813 von William und Thomas Avery übernommenes Waagenbauunternehmen zurück und war seit etwa 1818 unter dem Namen W. & T. Avery bekannt. Nach Angaben der Science Museum Group verfügte die Firma 1885 über drei Werke: die Atlas Works in West Bromwich, die Mill Lane Works in Birmingham und die Moat Lane Works in Digbeth. 1894 wurde das Unternehmen in eine Limited umgewandelt; 1897 zog es in die historische Soho Foundry.
Avery wurde ebenfalls Partner des Unternehmens und später Chairman. Nach Birchs Darstellung hatte er sich bereits in seinen frühen Vierzigern aus der aktiven Geschäftsführung weitgehend zurückgezogen. In Who Was Who wird er als zehn Jahre lang Seniorpartner von W. & T. Avery und nach der Umwandlung des Unternehmens in eine Kapitalgesellschaft als Chairman und Managing Director von W. & T. Avery Ltd. beschrieben.
Die Firma wurde 1979 von der General Electric Company übernommen; über spätere Unternehmenszusammenschlüsse ging sie in Avery Weigh-Tronix auf. Avery war außerdem Direktor mehrerer Unternehmen, darunter der United Rhodesia Gold Fields Co. Ltd. und der Commonwealth Oil Corporation Ltd. Er war zudem Life Governor der University of Birmingham.
Am 25. November 1905 verlieh ihm König Eduard VII. in der Baronetage of the United Kingdom den erblichen Adelstitel eines Baronet, of Oakley Court, in the Parish of Bray and County of Berks. Birch führt die Baronetwürde auf Averys Engagement in wohltätigen Bereichen zurück. Bei seinem Tod ging der Titel auf seinen Sohn William Eric Thomas Avery über.

Avery begann nach einer später von W. H. Peckitt veröffentlichten Darstellung bereits im Alter von etwa acht Jahren mit dem Sammeln von Briefmarken. Eine erste Sammlung verkaufte er 1871; um 1878 nahm er das Sammeln wieder auf. Der Besuch der Birmingham Philatelic Society beeinflusste seine Sammelweise, insbesondere die systematischere Anordnung und Klassifikation der Marken.
Er trat 1885 der Birmingham Philatelic Society bei und war später mehrere Jahre deren Präsident. 1891 trat er der Philatelic Society, London, der späteren Royal Philatelic Society London, bei und wurde einige Jahre später in deren Council berufen; 1903 trat er wegen unregelmäßiger Teilnahme an den Sitzungen wieder aus dem Council zurück.
Zu Averys Sammelgebieten gehörten unter anderem Ceylon, Britisch-Indien, britische Kolonien, die Schweiz, Frankreich sowie Länder in Nord- und Südamerika und Afrika. Avery selbst bezifferte den Umfang seiner Sammlung auf etwa 90.000 bis 100.000 Marken.
Avery erwarb unter anderem die Bullock-Sammlung zu Australien, darunter sogenannte „Sydney Views“, frühe Briefmarkenausgaben von Neusüdwales. Außerdem kaufte er die W.-W.-Blest-Sammlung britischer Kolonien mit Schwerpunkt Westindien, die Douglas-MacKenzie-Sammlung von Nevis und die Napier-Sammlung von Griechenland. Die Association of British Philatelic Societies nennt außerdem Sammlungen zu Westindien und Westaustralien, die Avery von Charles James Phillips erwarb.
Zu seinen bedeutenden Stücken gehörten ein einzigartiger großer ungebrauchter Block der Doppelgenf sowie bedeutende Bestände zu Moldau und Nevis. Zu den bekanntesten Teilen seiner Sammlung gehörten ungebrauchte Exemplare der Ein-Penny- und Zwei-Pence-Werte der Mauritius-„Post-Office“-Marken, die Avery 1893 erwarb. Nach Peckitts Darstellung gelangten diese Stücke durch Vermittlung von Marcel Pouget in Averys Besitz.
Mit zunehmender Reife seiner Sammlung nahm auch Averys Sichtbarkeit in der organisierten Philatelie zu. Seine Sammlung war nicht auf der Londoner internationalen Ausstellung von 1890 vertreten, wurde aber 1897 und 1906 in London sowie 1899 in Manchester in umfangreichen, nicht wettbewerblichen Präsentationen gezeigt. Nach Peckitt wurden die Mauritius-Stücke 1897 erstmals öffentlich ausgestellt. Im selben Jahr zeigte Avery außerdem bedeutende Bestände zu Britisch-Guayana, Kap der Guten Hoffnung und australischen Kolonien. Bei der Ausstellung von 1906 präsentierte er seine Sammlungen zur Schweiz und zu Nevis.
Im November 1905 erschien in The Philatelic Record ein Beitrag über Avery in der Reihe „Notable Philatelists“.
Peckitt beschrieb die Avery-Sammlung als umfassende Generalsammlung der Briefmarken der Welt vom Beginn der Briefmarkenausgaben bis etwa 1890. Er verglich sie mit der Tapling Collection im British Museum, da beide Sammlungen einen ähnlichen Zeitraum abdeckten.
Nach Averys Tod verkauften seine Testamentsvollstrecker die Sammlung an W. H. Peckitt. Der Kaufpreis betrug 24.500 Pfund; Peckitt bezeichnete den Ankauf als den bis dahin größten Barkauf im Bereich des Briefmarkensammelns. Peckitt veröffentlichte im selben Jahr die Broschüre The Avery Collection of the Postage Stamps of the World, in der er die Sammlung beschrieb und einzelne Stücke hervorhob.
Avery wurde postum zu den „Fathers of Philately“ gezählt. Diese Gruppe früher Philatelisten wurde bei der Einrichtung der Roll of Distinguished Philatelists gewürdigt; die Royal Philatelic Society London führt ihn in der Veröffentlichung The Fathers of Philately Inscribed on the Roll of Distinguished Philatelists als „Sir William Beilby Avery (1854–1908) (Great Britain)“ auf. Birch beschreibt die „Fathers of Philately“ als Philatelisten der Vergangenheit, die nach Einschätzung der Initiatoren der Roll of Distinguished Philatelists mit Sicherheit zur Unterzeichnung der Roll berechtigt gewesen wären, wenn sie noch gelebt hätten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Avery, William Beilby |
| ALTERNATIVNAMEN | Avery, Sir William Beilby, 1. Baronet; Avery, William B.; Avery, Sir William B. |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Unternehmer und Philatelist |
| GEBURTSDATUM | 26. April 1854 |
| GEBURTSORT | Birmingham |
| STERBEDATUM | 28. Oktober 1908 |
| STERBEORT | London |