Paul Nizon

Paul Nizon 1969 in Zürich

Paul Nizon (* 19. Dezember 1929 in Bern) ist ein Schweizer Kunsthistoriker und Schriftsteller.

Leben

Nizons Vater Max Nizon war ein Jude aus dem weissrussischen Wizebsk, der nach seiner Emigration in die Schweiz als Chemiker und Erfinder arbeitete. Vor der Geburt seines Sohnes konvertierte er zum evangelischen Glauben. Er starb 1942 an Multipler Sklerose. Nizons Mutter stammte aus Bern. Nach der Matura studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik an den Universitäten in Bern und München. 1957 wurde er mit einer Arbeit über Vincent van Gogh (Der frühe Zeichnungsstil. Untersuchung über die künstlerische Form und ihre Beziehung zur Psychologie und Weltanschauung des Künstlers) zum Dr. phil. promoviert. Anschliessend war er bis 1959 als wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern beschäftigt. 1960 hielt er sich als Stipendiat am Istituto Svizzero in Rom auf. Er hat dort Max Frisch kennengelernt, und es begann eine längere Freundschaft. 1961 war er leitender Kunstkritiker der Neuen Zürcher Zeitung. Er gab den prestigeträchtigen Posten für ein unsicheres Leben in der Literatur auf. Der dazugehörige Entscheidungsprozess findet sich literarisch gespiegelt in Untertauchen. Protokoll einer Reise (1972). Sein Werk ist «eine autobiografische Endlosschleife … durch Romane und Journale».

Seit 1962 ist Nizon, der in München und in Berlin lebte und seit 1977 in Paris, als freier Schriftsteller tätig. 1962 war er Gast der Gruppe 47 in Berlin. Dort lernte er Autoren wie Günter Grass, Martin Walser und Ingeborg Bachmann kennen und las aus seinem zweiten Buch, Canto, das 1963 erschien. Er hatte verschiedene Gastdozenturen inne, etwa 1984 an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main und 1987 an der Washington University in St. Louis.

Paul Nizon war dreimal verheiratet: ab 1953 mit Brigitte Kaessler, ab 1973 mit Marianne Wydler und von 1980 bis 2003 mit Marie-Odile Roquet. Insgesamt hat er vier Kinder.

Paul Nizon gehört seit 1971 dem Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz und seit 1980 dem Deutschschweizer P.E.N.-Zentrum an. Seit 2011 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Nizons Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Auszeichnungen und Ehrungen

Werke

Originalausgaben

Sammelausgaben

Herausgeberschaft

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Julian Schütt: Paul Nizon: «Ich bin nur ein halber Schweizer». In: St. Galler Tagblatt. 24. Dezember 2021, abgerufen am 12. Juni 2024.
  2. ↑ Ich und Max Frisch: Eine kritische Absonderung. Freitag 12. Mai 2011, Literatur, S. 17.
  3. ↑ Dirk Naguschewski: Paul Nizon. In: internationales literaturfestival berlin. Archiviert vom Original am 4. Januar 2005; abgerufen am 27. Januar 2009.
  4. 1 2 Hilmar Klute: Der Fremde. Der Schweizer Paul Nizon lebt seit vierzig Jahren in Paris und wird dort als einer der wenigen deutschsprachigen Schriftsteller geschätzt und gelesen. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Oktober 2017, S. 3.
  5. ↑ Paul Nizon: Partisan und Strolch! Wie ich die Schweiz verliess, in Paris meine Lebensschule fand – und was Bern bedeutet. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. November 2015, S. 51.
  6. ↑ Wend Kässens: Paul Nizon. In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
  7. ↑ Elio Pellin: Paul Nizon. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  8. ↑ Sven Michaelsen: Sie hatten ihm die Hände um den Hals gelegt und zugedrückt. In: SZ-Magazin. 12/2012 (Interview mit Paul Nizon).
  9. ↑ Rico Bandle: «Mein Bedürfnis nach Erotik war unstillbar». In: Weltwoche. 28. Juli 2016, S. 78 ff. (Interview).
  10. ↑ Martin Ebel: Wo bleibt der Weltruhm? In: Tages-Anzeiger. 17. Februar 2012. (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2024. Suche im Internet Archive)
  11. ↑ Hilmar Klute: Paul Nizons Journale 2011–2020. In: Süddeutsche Zeitung. Abgerufen am 22. Dezember 2021.
Personendaten
NAME Nizon, Paul
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Kunsthistoriker und Schriftsteller
GEBURTSDATUM 19. Dezember 1929
GEBURTSORT Bern