
Paulette Fink (* 22. Oktober 1911 in Mülhausen; † 2. April 2005 in Minneapolis) war eine französische jüdische Krankenschwester und Widerstandskämpferin in der Résistance während des Zweiten Weltkriegs und Vorsitzende der „National Women’s Division“ des United Jewish Appeal.
Paulette Weill wurde 1911 in Mülhausen im Elsass im Osten Frankreichs in eine wohlhabende jüdische Familie geboren und wuchs mit ihrer Schwester Jacqueline (* um 1920) und ihrem Bruder Pierre auf. Ihre Eltern waren Blanche Salomon (1887–1965) und der Unternehmer Jean Weill (1876–1965). Während des Ersten Weltkrieges lebte die Familie in der Schweiz und danach in Paris. Sie besuchten die Synagoge der Rue Copernic der vom Consistoire Paris nicht anerkannten Gemeinde der jüdischen Reformbewegung. Der Rabbi Louis Germain Lévy wurde Paulette Weills Lehrer. Ihr Vater betrieb ab 1929 in Moussey im Département Moselle eine Schuhfabrik. Paulette Weill studierte zweieinhalb Jahre an der Sorbonne in Paris Psychologie und Philosophie und hörte am Collège de France die Vorlesungen von Pierre Janet. Im Anschluss absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester. Im Januar 1934 heiratete sie ihren Cousin Yves Oppert (1909–1944), Sohn des Pariser Oberrabbiners, und bekam mit ihm 1935 die Tochter Nadine, gefolgt von Francelyne 1939.
Die Familie lebte in Paris, als während des Westfeldzugs die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg in Frankreich einmarschierte. Yves Oppert war Leutnant in der französischen Armee, geriet 1940 in Gefangenschaft, konnte jedoch fliehen und zu seiner Familie zurückkehren. Paulette Oppert war als Krankenschwester des Roten Kreuzes an der Front eingesetzt. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs flohen Yves und Paulette Oppert mit den Töchtern in die unbesetzte Zone unter dem neuen Vichy-Regime nach Izeaux und schlossen sich der Résistance an. Sie lebten etwa zwei Jahre in Saint-Étienne und dann im Ort Le Chambon-sur-Lignon, unterstützt und geschützt durch den dortigen Pastor André Trocmé, übermittelten Informationen innerhalb der Widerstandsbewegung und organisierten Lebensmittelmarken und Nahrung für andere untergetauchte Menschen.
Um polnische, ungarische, rumänische und französische jüdische Kinder retten zu können, deren Eltern in Konzentrationslager deportiert worden waren, arbeiteten sie mit einem Netzwerk katholischer und protestantischer Freiwilliger zusammen. Die Helferinnen und Helfer tauschten sich aus Angst vor Denunziation untereinander nicht über ihre Arbeit aus, sondern vermittelten die Kinder von einem Retter zum nächsten, so dass es fast unmöglich wurde, ihren Verbleib zu ermitteln. Paulette Oppert half auch dabei, jüdische Kinder außer Landes zu schmuggeln.
1944 wurde Yves Oppert gefasst und während der Haft zu Tode gefoltert. Paulette Oppert setzte ihre Arbeit in der Résistance fort. Als Kurierin reiste sie mit dem Fahrrad durch das ganze Land. Zudem arbeitete sie mit der Jüdischen Brigade zusammen und suchte weiterhin sichere Unterkünfte für jüdische Kinder.
Paulette Opperts Eltern waren Ende 1941 über Spanien und Portugal und dann per Schiff in die USA geflohen und kehrten im Juni 1946 aus dem New Yorker Exil nach Paris zurück. Auch ihre beiden Geschwister hatten den Holocaust überlebt.
Nach Kriegsende half Paulette Oppert dabei, Flüchtlinge nach Palästina zu schleusen, und arbeitete mit dem Joint Distribution Committee zusammen, um mehrere Waisenhäuser zu gründen. Sie dienten dazu, jüdische Kinder zusammenzubringen, ihnen wieder jüdische Traditionen zu vermitteln und sie in jüdischen Familien unterzubringen. Viele von ihnen waren während des Krieges auf den Bauernhöfen in abgelegenen Dörfern bei den Gastfamilien heimisch geworden und ihre jüdische Herkunft und Kultur war ihnen nicht mehr bewusst. Die von ihr eingerichteten elf Häuser boten Platz für 1500 Kinder, die den Holocaust überlebt hatten. Das erste befand sich im Schloss Malmaison westlich von Paris.
Ab 1946 warb Paulette Oppert während ihrer zweijährigen USA-Reise unermüdlich um Spenden für die Waisenhäuser. Sie zog schließlich dauerhaft in die USA, ab 1951 besuchten ihre Töchter das Lycée Français in New York City. Am 14. September 1954 heiratete sie den Geschäftsmann Israel „Iz“ Fink (1902–1991), den sie auf einer ihrer Vortragsreisen kennengelernt hatte. Da ihr neuer Ehemann Geschäftsführer eines großen Unternehmens in Minneapolis in Minnesota war, zog sie mit den Töchtern dorthin. Sie war drei Jahre lang als nationale Vorsitzende der Frauenabteilung der UJA (United Jewish Appeal) tätig.
In späteren Jahren lebte Paulette Fink in Rancho Mirage in Kalifornien. Sie starb am 2. April 2005.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fink, Paulette |
| ALTERNATIVNAMEN | Weill, Paulette (Geburtsname); Weill Oppert, Paulette; Oppert, Paulette |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Krankenschwester und Widerstandskämpferin |
| GEBURTSDATUM | 22. Oktober 1911 |
| GEBURTSORT | Mülhausen |
| STERBEDATUM | 2. April 2005 |
| STERBEORT | Minneapolis |