Pech Maho

Luftbild von Pech Maho, Blick von Südosten. Eine helle Linie am linken oberen Bildrand markiert die Mitte des in diesem Bild ausgetrockneten Flussbetts der Berre. Es verläuft von Süd nach Nord, unterhalb und parallel zum westlichen Rand des Plateaus.

Pech Maho, auch Pech de Mao, ist ein Hügel oberhalb der südfranzösischen Gemeinde Sigean, etwa 20 Kilometer südlich von Narbonne, auf dem sich in vorrömischer Zeit ein Oppidum der Elisyker befand. Eine Besiedelung ließ sich archäologisch von etwa 560 bis 200 v. Chr. nachweisen.

Die Ruinen des „oppidum de Pech de Maho“ wurden schrittweise von 1961 bis 1963 als „Monument historique“ unter Denkmalschutz gestellt.

Lage

Lage bekannter Oppida der Elisyker (rot) auf einer Karte mit den ungefähren eisenzeitlichen Küstenverhältnissen. Pech Maho ist der südlichste der bekannten Orte der Elisyker. Andere antike Stätte in Blau. Narbo Martius: heute Narbonne. Besara: Béziers, Agathe Tyche: Agde.
Wie vorherige Karte, aber mit den heutigen Küstenverhältnissen.

Das Oppidum lag auf einem etwa zwei Hektar großen, dreieckigen Kalksteinhügel, der sich etwa 20 Meter über das Umland erhebt. Eine Spitze des Dreiecks zeigt nach Nordwesten. Die beiden daran anschließenden Seiten sind durch steile Hänge gut geschützt. Nur von Süden her ist das Plateau leicht zugänglich. Hier liegt es nur um fünf Meter über der Gegend. Der Hügel erhebt sich heute am direkt am rechten Ufer der Berre und ist knapp 10 Kilometer von der östlich gelegenen Mittelmeerküste bei Port-la-Nouvelle entfernt. Die heutige Entfernung zum Ufer des nördlich liegenden Etang de Bages et de Sigean beträgt nur etwa 2,5 Kilometer.

In der Eisenzeit erstreckte sich der nördlich liegende Étang jedoch vermutlich bis an die Basis des Hügels, so dass die Berre bereits hier mündete. Pech Maho war daher eine Hafenstadt. Seitdem ist das Mündungsgebiet durch von der Berre angeschwemmte Sedimente stark verlandet, so dass sich die Mündung über die Jahrtausende zunehmend nach Norden verschoben hat. Auch weitere Küstenbereiche der nördlichen Étangs sind seitdem stark verlandet: Das nordwestlich gelegene Massif de la Clape war ein Insel, der Bereich zwischen dieser und dem westlichen Festland war den Römern als Lacus Rubrensis oder Lacus Rubresus bekannt, dessen größter Überrest heute der Étang de Bages et de Sigean ist. Möglicherweise gab es südlich von Pech Maho einen Nebenfluss der Berre.

Die Siedlungsstätte wurde auf etwa einem Hektar des Plateaus nachgewiesen. Nach Süden hin war die Siedlung durch ein starkes Verteidigungssystem geschützt. 500 Meter östlich des Oppidums liegt die Nekropole Las Peirros, die ebenfalls in die späte Eisenzeit datiert.

In späteren Jahrhunderten führte die Römerstraße Via Domitia unweit von Pech Maho vorbei. Diese Straße folgte in weiten Teilen der früheren Via Heraclea, der „Straße des Herkules“, die die spanische mit der italienischen Halbinsel verband, die aber bisher nicht archäologisch nachgewiesen wurde. Es wird dennoch als sicher angenommen, dass bereits in der Eisenzeit ein wichtiger Landweg am Fuß von Pech Maho vorbei führte.

Pech Maho liegt am südlichen Ende der Küstenebene des Languedoc. Südlich davon reichen die Corbières bis an die Mittelmeerküste und bilden eine natürliche Grenze des Gebiets der Elisyker. Pech Maho war daher Relaisstation und der südliche Grenzposten des von der Hauptstadt Montlaurès aus beherrschten Gebietes.

Siedlungsperioden

Aus den archäologischen Ausgrabungen haben sich drei Perioden der Besiedelung ergeben, Pech Maho I bis III, die zusammen von etwa 575/550 bis 225/200 v. Chr. dauerten. Pech Maho III endete mit einer kriegerischen Zerstörung der Siedlung. Einige Arbeiten des 21. Jahrhunderts beschreiben nach der Zerstörung noch eine Nutzung in geringem Umfang, die als Pech Maho IV bezeichnet wird.

Pech Maho I, 575/550 – 475/450

Im Gegensatz zu den folgenden Perioden wird Pech Maho I noch der älteren Eisenzeit zugerechnet. Der Ort wurde als Handelshafen geplant, als Anlege- und Umschlagplatz für den Mittelmeerhandel mit Griechen, Etruskern, Iberern und Puniern, im Sinne eines Emporions. Die Größe von nur etwa 1,5 Hektar steht dabei im Kontrast zu den massiven Befestigungsanlagen und der blühenden Wirtschaft des Ortes.

Erste Bauten

Eine erste kurzlebige Bebauung bestand aus Lehmbauten mit Flechtwerk auf tragenden Pfosten, die über das Plateau verstreut waren. Aus dieser Zeit gibt es bisher nur eine kleine Ausgrabungsfläche. Baupläne konnten nicht rekonstruiert werden. Es wurde aber der steinerne Sockel einer Befestigungsmauer gefunden, die den Zugang zum Platau von Süden her beschränkte. Auf dem Sockel war vermutlich eine Erhöhung aus Erde aufgebracht und vor der Mauer befand sich ein V-förmiger Graben. Auch die erste Siedlung war also bereits befestigt.

Dieser allerersten Bebauung sind bereits eine Reihe von importierten Keramikfunden zuzuordnen, die eine genaue zeitliche Einordnung ermöglichen: ein etruskischer Kantharos im Bucchero-Stil, ein korinthischer Aryballos, eine Amphore aus Chios und ein attischer Krater aus der Werkstatt des Vasenmalers Lydos, dessen Herstellung genau auf die Zeit von 560 bis 540 v. Chr. datiert werden kann. Dominierend war aber einheimische Keramik.

Städtische Struktur

Bereits um 550/540 folgte den ersten Bauten ein großangelegtes Stadtplanungsprogramm. Die Wohnhäuser waren nur etwa 20 bis 30 Quadratmeter groß, meist nur mit einem Raum, der Wohnraum also für eine Familie sehr begrenzt. Für die Häuser wurden Lehmziegel verwendet, die auf Steinfundamente aufgebracht wurden. Diese Bautechnik war für die Gegend neu. Mehrere Häuser grenzten aneinander und die Häuserblöcke wurden durch Straßen voneinander getrennt, die mit Kieselsteinen gepflastert waren. Ähnliche Siedlungspläne setzten sich auch in anderen Regionen des heutigen Südfrankreichs durch, Pech Maho ist allerdings ein besonders frühes Beispiel. Dieses frühe Auftreten in Verbindung mit neuer Bautechnik und der Internationalität des Ortes als Handelsplatz deuten auf technische Expertise der seefahrenden Handelsvölker hin. Es ist gut denkbar, dass das gemeinsame Interesse an einem neuen Handelsposten zu einer Zusammenarbeit von ausländischen Händlern mit einheimischen Machthabern geführt hat, wobei letztere die Mehrheit der Arbeitskräfte organisiert hätten.

Die südliche Stadtbefestigung wurde wesentlich verstärkt. Sie bestand nun aus zwei aufeinander folgenden Mauern, vor denen ein über 10 Meter breiter und 3 Meter tiefer Graben lag. Auch eine solche Anlage war für Südfrankreich neu. Die Stadtbefestigung wurde von zwei viereckigen Türmen überragt, die allerdings keinen Wert für die Verteidigung hatten und auch nicht am Haupttor standen, sondern wohl Repräsentationsbauten waren. Die Größe der Verteidigungsanlagen deutet darauf hin, dass diese nicht nur zur Verteidigung dienten, sondern auch die Macht des geschützten Ortes demonstrieren sollte.

Etwa hundert Meter weiter südlich wurde ein zweiter, kleinerer Graben gefunden, dessen Bau ebenfalls dieser Zeit zugerechnet wurde. Er war etwa vier Meter breit und 1,50 Meter tief. Heute befindet er sich unter den angrenzenden Weinstöcken. Ob dieser Graben auch einen Wall hatte, ist ungeklärt, ebenso ob es sich um eine vorgeschobene Verteidigungsanlage oder um ein Viehgehege handelte.

Keramikfunde

Die einheimische Keramik von Pech Maho I ist gleichartig zur ibero-languedocischen Keramiken der Zeit. Das Gebrauchsgeschirr für Küche und Vorratsgefäße entsprang einheimischer Tradition und wurde noch ohne Töpferscheibe hergestellt. Tischgeschirr wurde dagegen mit Hilfe der Töpferscheibe hergestellt, die von den Griechen im 6. Jh. v. Chr. hier eingeführt wurde. Es handelte sich um einfarbig graue Ware in phokäischer Tradition, jedoch lokal produziert. Bemalte Keramiken lokalen Ursprungs oder aus dem iberischen Kulturkreis importierte sind hauptsächlich Gefäße, die zur Aufbewahrung dienten. In ohne Töpferscheibe gefertigten Gefäßen wurden Schmorgerichte gekocht.

Daneben wurde eine Vielzahl importierter Werke gefunden, die den Mittelmeerhandel der Periode unterstreichen. Zum Tafelgeschirr gehörten auch dünnwandigere Stücke aus Massalia und kostbarere Vasen, die als Trinkgefäße dienten, sogenannte „Ionische Schalen“, die in Ostgriechenland oder Süditalien produziert wurden. Zu den besonders bemerkenswerten Fundstücken gehört ein Rhyton, ein Trinkgefäß, in Form einer geflügelten Sphinx, der auf 470/460 datiert wird.

Die aus Pech Maho I gefundenen Amphoren stammten zu je etwa einem Drittel aus etruskischen, griechischen und iberischen Werkstätten, letztere überwiegend aus der Gegend um Valencia, die griechischen überwiegend aus Massilia, aber auch aus Süditalien, Korinth und der Ägäis. Die iberischen enthielten Öl, Fischlake oder Wein während die etruskischen und griechischen fast ausschließlich für Wein verwendet wurden. Importe aus der phönizisch-punischen Welt waren dagegen selten. Es wird angenommen, das sie über Empúries importiert wurden.

Pech Maho II, 475/450 – 325/300

Straßen (blau), Häuserblöcke (îlots) und Stadtmauer (orange), markiert auf einem Luftbild von Pech Maho. Strukturen an den Rändern, die von Bäumen bedeckt sind, sind nicht eingezeichnet.

Der Beginn von Pech Maho II fällt mit dem Beginn der Späten Eisenzeit im Languedoc zusammen. Auch Pech Maho III gehört in diese Periode.

Am Anfang dieser Periode wurden Änderungen am Stadtgrundriss vorgenommen, die entstandene Aufteilung wurde auch während Pech Maho III weitgehend beibehalten. Die Stadtmauer wurde deutlich verstärkt, der Zugang bekam ein Tor, durch das Wagen fahren konnten. Die Anordnung der Blöcke I und IV scheint sich im Vergleich zu Pech Maho I nicht verändert zu haben. Die weiter nördlich gelegenen Bereiche wurden jedoch neu angelegt. Die Blöcke III und II sind typisch für die Eisenzeit der Gegend. An eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende Brandmauer stoßen beidseits Zimmer an, die je eine Tür zur Straße haben. Das östliche Ende von Block II ist nicht erhalten, da der Bereich im 3. Jh. v. Chr. neu gestaltet wurde.

Westlich der Straße 7 wurden Säulenreste aus der Mitte des 5. Jahrhunderts entdeckt, die zu einer Halle oder einem Säulengang gehörten. Das Gebäude selbst wurde Stand 2012 noch nicht ausgegraben. Dieses zivile oder religiöse öffentliche Gebäude erinnert an die Architektur des Mittelmeerraums, derartige Gebäude kommen bei einheimischen Bauten vor dem 3. Jh. kaum vor, es ist daher ein weiterer Fall bei dem in Pech Maho griechische Elemente früh übernommen wurden.

Die lokale Keramik wurde zunehmend mit Hilfe von Töpferscheiben hergestellt; sie wird dem ibero-languedocischen Kulturkreis zugerechnet. Der Handel mit den Etruskern nahm stark ab, während Massilia und Empúries ihre Position stärken konnten. Bei den importierten Amphoren stieg der Anteil Massilias stark an, die iberischen bildeten jedoch weiterhin die Mehrheit. Der Import feiner attischer Keramik hatte seinen Höhepunkt in der ersten Hälfte des 4. Jh. Vermutlich wurden diese Trinkschalen hauptsächlich über Empúries eingeführt.

Spätestens im 4. Jh. v. Chr. wurden auch Gebäude außerhalb der Mauern errichtet. Am Hang hinunter zur Berre wurde ein ausgebrannter Getreidespeicher gefunden. Getreide wurde aber auch innerhalb der Mauer gespeichert, denn hier wurden gemeinschaftliche Getreidesilos entdeckt, die für längerfristige Speicherung großer Mengen genutzt werden konnten. Es wird vermutet, dass hier Getreide aus der Gegend für den Export auf dem Seeweg gespeichert wurde.

Aus der Zeit von Pech Maho II wurde eine Bleiplatte mit griechischen und etruskischen Inschrift gefunden.

Mitte oder Ende des 4. Jh., am Übergang von Pech Maho II zu III, kam es zu wesentlichen Umbauten. Block IV wurde neugestaltet um die Straße 2 anlegen zu können. Südöstlich von Platz 1 wurden Fundamente zweier Votivsäulen angelegt. Am Fuß der einen wurden Überreste angenagelter menschlicher Schädel gefunden, daher wird angenommen, dass hier eine „Säule mit abgetrennten Köpfen“ gestanden hat. Derartige Säulen sind aus dem keltischen Raum bekannt, sie dienten der Zurschaustellung der Köpfe besiegter Feinde.

Pech Maho III, 325/300 – 225/200

In der dritten Periode von 325/300 bis 225/200 v. Chr. entwickelte sich die Stadt weiter, die Verteidigungsanlage blieb jedoch unverändert. Der Handel mit Empúries nahm zu, wie Keramikfunde und Amphoren von dort belegen. Einige von diesen sind mit iberischer Schrift verziert. Auch drei Bleibleche mit iberischer Schrift aus dieser Zeit wurden gefunden.

Wenig überraschend ist die Aufteilung der Stadt in der jüngsten, obersten Schicht aus dem 3. Jh. v. Chr. heute am besten bekannt.

Öffentlicher Bereich um den Hauptplatz am Stadttor

Das Stadttor in der Festungsmauer konnte durch eine Doppeltür verschlossen werden. Seine Schwelle zeigt deutliche Karrenspuren. Hinter dem Tor erstreckte sich der größte Platz der Stadt (heute Platz 1 oder Straße 1 genannt), etwa 20 Meter lang und 6 Meter breit. Am südöstlichen Rand standen die beiden Votivsäulen, an die der Block IV anschließt. Am Nordende und südlichen Rand von Block III ist der Sockel einer Säulenhalle oder überdachten Galerie. Ein ähnliches Gebäude wird für die Westseite des Platzes vermutet.

Der westlich des Platzes gelegene Block IV besteht aus zwei Einheiten. Die am Platz gelegene, westliche Einheit (109) war von Norden (Straße 4) und Süden (Straße 2) zugänglich. Neben einem kleineren, gut geschützten Lagerraum, an dem eine Türschlossplatte gefunden wurde, und einem Innenhof hat das Gebäude im nördlichen Teil einen großen 30 Quadratmeter großen Lagerraum mit über einem Dutzend Dolia. Harzreste lassen vermuten, dass sie für Wein verwendet wurden. Hinweise auf eine Bewohnung fanden sich dagegen nicht. Die fünf Räume dieser Einheit sind zusammen knapp 70 Quadratmeter groß. Die andere, östliche Hälfte des Blocks IV (Einheit 110) enthielt eine 46 Quadratmeter große Schmiede mit drei Arbeitsplätzen mit je einem Ofen und einem gepflasterten Bereich.

Die Straße 2 läuft vom Hauptplatz Richtung Osten auf die Stirnseite von Block I zu, wo sie sich platzähnlich verbreitert und den Blick auf ein Ensemble mit vermutlich öffentlichen Funktionen freigibt. Die beiden südlichen Einheiten der Stirnseite (102 und 119) waren von hier aus zugänglich, über einen Sockel zu dem Stufen führten. Möglicherweise standen auf dem Sockel Säulen, die ein Vordach trugen. Auf dem Sockel fand sich ein Grab einer vermutlich verehrten Persönlichkeit, dass durch eine Stele markiert war. Der Fund ist besonders, weil die Toten normalerweise außerhalb der Wohnbereiche der Lebenden, in Nekropolen, bestattet wurden. Möglicherweise handelte es sich um ein Heroon. Im südlichen Bereich des Sockels befanden sich zwei kleine, direkt an die Stadtmauer angelehnte Räume, die als Kapellen interpretiert wurden. Einheit 102, in der Mitte der Stirnseite des Blocks I, war ein Gebäude für Zusammenkünfte, 36 Quadratmeter groß. Hier wurden zahlreiche Trinkschalen gefunden. Einheit 119, direkt an der Stadtmauer gelegen, besteht aus einem Hauptraum und einem kleinen Nebenraum in der rechten hinteren Ecke, zusammen 39 Quadratmeter groß. In der Mitte des Hauptraums wurde ein kleines steinernes Becken gefunden, das von drei Dolia und einer Amphore umgeben ist. In zwei Ecken wurde je ein weiteres Becken mit Dolium gefunden. Es wird vermutet, dass der Raum eine religiöse Funktion hatte.

Die Vielzahl der Gebäude mit Gemeinschaftsfunktionen am Stadttor und Hauptplatz lässt an einen Ort des Austauschs und des Handels denken, an dem die staatliche Autorität auch durch die Architektur widergespiegelt wurde und an dem auch religiöse Motive für alle sichtbar waren, ähnlich einer griechischen Agora oder einem römischen Forum.

Block I

Die weiteren Einheiten des sich an der Stadtmauer entlang ziehenden Blocks I haben ihre Eingänge nach Norden hin, zur Straße 4. Einige der zugehörigen Häuser werden als Läden interpretiert, andere als metallverarbeitende Betriebe, als Lagerräume oder einer Kombination dieser Funktionen. Manche waren wohl auch bewohnt, erkennbar an Funden wie Getreidemühlen, Feuerstätten, Kochgefäßen und Geschirr, und nicht (nur) Arbeitsstätten. Einige hatten mehrere Räume, darunter Innenhöfe, die auch der Beleuchtung der angeschlossenen Räume dienten.

Zerstörung um 225/200

Gegen Ende des 3. Jh. v. Chr. wurde das Oppidum durch Kriegshandlungen zerstört, teilweise abgebrannt und danach nicht wieder aufgebaut. Welche Kriegspartei hierbei beteiligt war, ist nicht bekannt, verschiedene Hypothesen werden diskutiert. In den Ruinen wurden vier als Wurfgeschosse verwendete Steinkugeln (lithobolos) gefunden, sowie ein Katapult-Projektil mit Eisenkopf. Beides weist auf den Einsatz von Belagerungsmaschinen hin, was einen Kampf mit benachbarten iberischen oder einwandernden keltischen Stämmen (den Volcae) ausschließt. Vielmehr muss eine der hochentwickelten Mittelmeer-Kulturen involviert gewesen sein. Drei Szenarien werden erwogen.

Die Zerstörung könnte mit dem Zug von Hannibal im Zweiten Punischen Krieg von Spanien nach Italien im Jahr 218 zusammenhängen. Vermutlich ist seine Armee auf dem Weg von Spanien nach Italien auf dem Landweg direkt unterhalb von Pech Maho vorbeigezogen. Die Plünderung der von einigen Dutzend Bewaffneten beschützten Siedlung zur Versorgung seiner Armee wäre Hannibal sicher möglich gewesen. Es ist von Titus Livius überliefert, dass Hannibal sich nach dem Überschreiten der Pyrenäen in Ruscino nahe dem heutigen Perpignan mit lokalen Stammesoberhäuptern traf und eine Vereinbarung schloss, die ihm freien friedlichen Durchzug erlaubte. Ein Angriff auf Pech Maho wäre in Bruch dieser Vereinbarung gewesen, die den nachfolgenden Durchzug durch die nordöstlich gelegenen Gebiete sicher erschwert hätte. Allerdings schreibt Polybios, das Hannibal die Gunst einiger gallischer Führer gewann und andere nötigte, so dass der Durchzug womöglich doch nicht immer friedlich war. Ein Angriff durch Hannibal wird als zwar plausibel aber sehr unsicher angesehen.

Zehn Jahre später, im Jahr 208 sendeten die Karthager Verstärkung für Hannibal unter dem Kommando seines Bruders Hasdrubal. Über den Zug dieser Armee ist wenig bekannt, nur dass sie den gleichen Weg nahm wie Hannibal.

Auch eine Zerstörung durch die Römer ist denkbar, als diese als Ergebnis des zweiten punischen Krieges die Herrschaft über Iberien übernahmen und ein strategisches Interesse am Landweg unterhalb von Pech Maho haben mussten.

Nach der Zerstörung: Pech Maho IV

Neuere Untersuchungen konnten archäologische Spuren entdecken, die erst nach der Zerstörung entstanden sind. Diese werden in zwei Abschnitte unterteilt: Pech Maho IVa entspricht der unmittelbaren Folgezeit der Zerstörung. IVb umfasst die gelegentlichen Nachweise von Spuren aus der ersten Hälfte des 2. Jh. v. Chr.

Die Nekropole „des Oubiels“

Etwa 500 Meter südlich oder östlich von Pech Maho wurde eine Nekropole mit Gräbern vom Anfang des 4. bis Anfang des 3. Jh. v. Chr. gefunden. Der Name „nécropole des Oubiels“ leitet sich vom modernen Namen des Gebiets ab, „plateau des Oubiels“, das bis zum Fuß des Hügels von Pech Maho reicht. Oubiels ist ein okzitanisches Wort für Schafgatter. Der Ortsname hier sollte nicht verwechselt werden mit der etwa vier Kilometer westlich liegenden Kirche Notre Dame-des-Oubiels auf dem Gebiet der Gemeinde Portel-des-Corbières.

Bereits seit 1860 wurden erste archäologische Überreste gefunden, Ausgrabungen wurden erst ab 1971 von Yves Solier durchgeführt. Er fand etwa 40 „Gruppierungen aus Keramiken, Mettallobjekten und menschlichen Überresten“, so dass auf einen vorgeschichtlichen Friedhof beziehungsweise eine Nekropole geschlossen werden konnte. Landwirtschaftliche Arbeiten auf dem Grundstück hatten im Laufe der Jahre schwere Schäden an den Gräbern verursacht und Gegenstände verteilt, so dass genaue Schlüsse zur ursprünglichen Anordnung häufig nicht möglich sind. Auch die Grenzen des Gräberfeldes und damit seine Bedeutung für Pech Maho sind nicht bekannt.

Soweit noch feststellbar ähnelte die Bestattungsart anderen zeitgenössischen Orten im Languedoc wie der Nekropole des Oppidum d’Ensérune. Die Toten wurden bekleidet und geschmückt auf einem Scheiterhaufen verbrannt, die Männer mit ihren Waffen. Als Urne für die Asche wurde häufig eine attische Trinkschale verwendet. Sie kam in eine Grube im Boden. Als Grabbeigaben dienten Vasen, Metallgegenstände, Waffen und Speiseopfer. Manche Gegenstände, darunter Waffen und Bronzeschalen, wurden absichtlich verbogen oder zerstört, vermutlich um sie dem Toten zu weihen. Die verschlossenen Gräber wurden mit Steinen markiert. Ähnliche Bestattungssitten finden sich in der zeitgenössischen iberischen Welt, besonders im heutigen Katalonien bei Cabrera de Mar und Ullastret.

Außer Keramiken wurden 223 Grabbeigaben gefunden. Davon konnten 153 identifiziert werden. Fast die Hälfte (43 %) ist Teil von Bewaffnung, darunter acht Schwerter und sieben Scheiden. Die Schwerter entsprechen dem keltischen Typ La Tene I mit langer und spitzer Klinge. Unter den 18 Lanzenspitzen konnten einige keltischen oder iberischen Typen zugeordnet werden. Unter den weiteren Funden waren ein Schild, ein Soliferrum, ein Anhänger und ein Ohrhänger aus Gold und zahlreiche Gegenstände aus Bronze: Vier Gürtelschnallen keltischen Typs aber mit lokalen stilistischen Eigenheiten, eine Fibel und verschiedene Armreifen. Auch zahlreiche Teile von Bronzegeschirr wurden gefunden, sie machen 14 % der identifizierbaren Fundstücke und damit nach Waffen und Körperschmuck (25 %) die drittgrößte Gruppe aus, darunter Henkel von Situla, Teile von Schöpfkellen und ein unbrauchbar gemachter großer tiefer Teller. Keramikgeschirr ist jedoch zahlenmäßig häufiger vertreten. Metallbeschläge werden als Überreste von Möbelstücken, Nägel als Reste von Totenbetten, auf denen die Verstorbenen verbrannt wurden, gedeutet.

Insgesamt zeigen die Fundstücke keltische Einflüsse und hohe Übereinstimmung mit Fundstücken im iberischen Raum, besonders mit den Gebieten direkt südlich der Pyrenäen. Das Metallgeschirr wiederum zeigt mittelmeerische Einflüsse. Die Gürtelschnallen dagegen wurden so nur im Langedoc gefunden, was für eine eigenständige lokale Kulturtradition spricht. Auch die Verbrennungspraktiken des westlichen Languedocs dürften auf einheimische Traditionen zurück gehen. Der Fundort gilt daher als Beleg eines eigenständigen ibero-languedocischen Kulturkreises.

Name

Der heutige Name ist okzitanischen Ursprungs. Pech bedeutet Hügel. Die Schreibweise Maho existiert erst seit 1913. Ein wissenschaftlicher Artikel von 1988 bezeichnet diese Schreibweise als frei erfunden für Mau. Pech Mau bedeutet wörtlich übersetzt „schlechter Hügel“. Warum der Hügel schlecht sein sollte, ist unklar. Es wird auch die Ableitung von „Pech des Maures“, also Hügel der Mauren diskutiert, der auf die Schlacht an der Berre zurückgehen könnte, die hier geschlagen wurde.

Der antike Name des Ortes ist unklar. In den Ruinen der im heutigen Katalonien gelegenen griechischen Stadt Empúries wurde eine in ionischem Griechisch beschriftete Bleitafel gefunden, die etwa 480–460 v. Chr. erstellt wurde. Es ist ein Handelsbrief, der den Ortsnamen Σαιγάνθη (Saiganthe) enthält. 1988 wurde zunächst vorgeschlagen, dass sich der Name auf Sagonte (Sagunt) bezieht und auch andere Vorschläge wurden gemacht. 2014 wurde schließlich vorgeschlagen, dass dies die griechische Form des Namens des Oppidums von Pech Maho sei. Von diesem Namen sei dann der Name der heutigen Stadt Sigean abgeleitet, auf deren Gebiet das ehemalige Oppidum heute liegt.

Forschungsgeschichte

Ausgrabungen 2011

Die Stelle wurde 1913 entdeckt und zunächst von einer lokalen Amateurvereinigung ausgegraben. Dabei kamen Pferdeskelette und Teile von Rüstungen zum Vorschein, so dass zunächst spekuliert wurde es könne sich um den Schauplatz der Schlacht an der Berre handeln. Bald belegten weitere Funde jedoch eine Datierung in vorgeschichtliche Zeiten. Von 1948 bis 1979 fanden vom Centre national de la recherche scientifique (CNRS) finanzierte Ausgrabungen unter der Leitung von Yves Solier statt, auf den auch der Großteil der vorhandenen Dokumentation zurückgeht. Trotz einiger Publikationen blieb ein großer Teil davon unveröffentlicht. 1998 wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen. Ab 2004 standen sie unter der Leitung von Eric Gailledrat, erneut vom CNRS finanziert.

Commons: Pech Maho – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ministère d'État Affaires Culturelles: Arrêté. 10. April 1963, abgerufen am 24. September 2026 (französisch, Anordnung zum Denkmalschutz).
  2. ↑ Eric Gailledrat: Pech Maho, comptoir lagunaire de l’Âge du fer (VIe–IIIe siècle avant notre ère). Hrsg.: Parc naturel régional de la Narbonnaise en Méditerranée (= Carnets du Parc. Band 12). 2012, ISBN 978-2-919202-05-8 (französisch, 72 S.).
    1. 1 2 3 S. 11 – 13
    2. 1 2 S. 14 – 15
    3. 1 2 S. 21 – 23
    4. ↑ S. 20 – 23
    5. ↑ S. 24 – 25
    6. ↑ S. 25 – 30
    7. ↑ S. 25 – 26
    8. 1 2 3 S. 30 – 31
    9. ↑ S. 20
    10. ↑ S. 33 – 34
    11. ↑ S. 34
    12. 1 2 S. 34 – 35
    13. ↑ S. 37 – 38
    14. 1 2 3 S. 38 – 40
    15. ↑ S. 41 – 44
    16. ↑ S. 44 – 45
    17. ↑ S. 45 – 46
    18. 1 2 S. 43
    19. ↑ S. 16 – 17
  3. ↑ Vestiges de l'oppidum de Pech de Maho. In: POP, Plateforme ouverte du patrimoine. Ministère de la Culture, abgerufen am 24. September 2026 (französisch, Reference de la notice: PA00102905).
  4. 1 2 3 4 5 6 Vestiges d’une occupation humaine à l’âge du Fer. In: Website der Gemeinde Sigean. Abgerufen am 5. September 2026 (französisch).
  5. ↑ Maria Carme Belarte; Eric Gailledrat; Jordi Principal: The functional and symbolic uses of space in Western Mediterranean protohistory: the Pech Maho example (Sigean, Western Languedoc, France). In: Oxford Journal of Archaeology. Band 30, Nr. 1, 2011, S. 57–83, doi:10.1111/j.1468-0092.2010.00359.x (englisch, wiley.com).
  6. 1 2 3 4 5 6 Eric Gailledrat, Nasrine Anwar, Alexandre Beylier, Henri Duday, Sébastien Munos, Ariane Vacheret: Victorious and defeated: Warfare, rituals and funerary practices at the end of the 3rd century BC in Pech Maho (Aude, France). In: Ancient West & East. Band 16, 2017, S. 113–138, doi:10.2143/AWE.16.0.3214936 (englisch, hal.science).
  7. 1 2 3 Eric Gailledrat, Maria Carme Belarte: Architecture and Urbanism in the Fortified Settlement of Pech Maho (Sigean, France) in the Third Century BC: A Social and Economic Perspective. In: Oxford Journal of Archaeology. Band 38, Nr. 3, 2019, S. 271–301, doi:10.1111/ojoa.12173 (englisch, wiley.com).
  8. 1 2 3 4 5 Nasrine Anwar: La nécropole à incinération des « Oubiels » (Sigean, Aude) : le mobilier non céramique des IVe–IIIe siècles av. J.-C. In: Philippe Barral u. a. (Hrsg.): L’âge du Fer en Basse-Normandie. Gestes funéraires en Gaule au Second-Âge du Fer. Presses universitaires de Franche-Comté, 2011, doi:10.4000/books.pufc.7242 (französisch, openedition.org).
  9. 1 2 Oppidum de Pech Maho. In: Sigean.fr. Commune de Sigean, abgerufen am 11. Oktober 2026 (französisch).
  10. ↑ Reinadouïro, Sainte-Marie des Oubiels. In: MaClape.com. Abgerufen am 11. Oktober 2026 (französisch).
  11. 1 2 Michel Lejeune; Jean Pouilloux: Une transaction commerciale ionienne au -Ve siècle à Pech-Maho. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. Band 132, Nr. 3, 1988, S. 526–536, doi:10.3406/crai.1988.14636 (französisch, persee.fr).
  12. ↑ María José Pena: Quelques réflexions sur les plombs inscrits d’Emporion et de Pech Maho. Pech Maho était-il un „comptoir du sel“ ? In: Revue des Études Anciennes. Band 116, Nr. 1, 2014, S. 3–21, doi:10.3406/rea.2014.5857 (französisch, persee.fr).

Koordinaten: 43° 2′ 44,5″ N, 2° 57′ 22,4″ O