Pentameron

Titelblatt von 1891

Pentameron (neapolitanisch Il Pentamerone ‚das Fünftagewerk‘) ist der Titel einer Märchensammlung von Giambattista Basile, die 1634/36 erschien und 50 Texte enthält. Der ursprüngliche Titel der Sammlung war Märchen der Märchen (Lo cunto de li cunti). Zehn Frauen erzählen Märchen, an fünf Tagen jede jeweils eines. Dazu entwirft Basile eine Rahmenhandlung (siehe die Rahmenhandlung des Pentameron), ähnlich dem Vorbild Decamerone von Giovanni Boccaccio. Zwischen den fünf Tagen ist jeweils eine Ekloge eingeschoben. Die Rahmenhandlung leitet jeweils zwischen den einzelnen Erzählungen kurz über, die sonst für sich stehen und unabhängig rezipiert wurden. Viele der 50 Cunti kann man heute gut als Märchen, einige eher als Schwänke bezeichnen. Sie triefen von Satire. Oft werden blasierte Könige karikiert. In verfahrener Lage beleben Feen die Handlung neu. Am Ende steht stets ein Schlussvers, der ironisch Moral zieht.

Enthaltene Texte

Der erste Tag

Illustration von George Cruikshank zu Peruonto und Vardiello, 1850

Der zweite Tag

Illustration von Warwick Goble zu Der Dummling, 1911

Der dritte Tag

Illustration von George Cruikshank zu Petrosinella, Der Drache, Verde Prato, 1850

Der vierte Tag

Illustration von Warwick Goble zu Die beiden kleinen Kuchen, 1911

Der fünfte Tag

Illustration von George Cruikshank zu Die sieben Täublein, Die Bärin, Der goldene Stamm, Ninnillo und Nennella, 1850

Bearbeitungen

Eine frühe Erwähnung des Pentameron findet sich in der Bibliothèque Universelle des Romans von 1777, wo es mit Perraults Märchen meiner Mutter Gans verglichen wird, allerdings finde sich darin „nicht eine vernünftige […] Geschichte“, nur „Salbadereien und richtige Ammenmärchen.“ Die Brüder Grimm schufen Zusammenfassungen aller Texte, die 1822 im Anmerkungsband zu ihren eigenen Märchen erschienen. Clemens Brentano modernisierte einige Stücke als Italienische Märchen. Viele der Texte erschienen auf Deutsch in Hermann Kletkes Märchensaal von 1845. Den größten Einfluss auf die deutschsprachige Leserschaft hatte bisher wohl die erste Gesamtübersetzung von Felix Liebrecht, 1846. Sie wird wohl durch die Neuübersetzung durch Rudolf Schenda, Luisa Rubini, Alfred Messerli, Doris Senn, Johann Pögl und Dieter Richter (Leitung: Rudolf Schenda) abgelöst. Dabei wurde auf Vorarbeiten u. a. von Benedetto Croce und die zweisprachige Basile-Ausgabe des Neapolitaners Michele Rak zurückgegriffen.

Es gibt Illustrationen von George Cruikshank (1850), Franz von Bayros (1909), Warwick Goble (1911), Josef Hegenbarth (1974).

Der italienisch-französisch-britische Film Das Märchen der Märchen aus dem Jahr 2015 basiert auf drei Geschichten des Pentamerons: Der Floh (I,5), Die hinterlistige Hirschkuh (I,9) und Die geschundene Alte (I,10). Der Film erzählt die drei Märchen parallel und verwebt sie lose. Regie führte der italienische Regisseur Matteo Garrone, zum internationalen Ensemble gehörten Schauspieler wie Salma Hayek, Toby Jones, Vincent Cassel und John C. Reilly.

Ausgaben

Einzelnachweise

  1. ↑ Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 9 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).
  2. ↑ Giambattista Basile: Das Märchen der Märchen. Das Pentamerone. Herausgegeben von Rudolf Schenda. C.H. Beck, München 2000, ISBN 3-406-46764-4, S. 11 (nach dem neapolitanischen Text von 1634/36, vollständig und neu übersetzt).
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