Pentenried

Pentenried
Gemeinde Krailling
Koordinaten: 48° 5′ N, 11° 21′ OKoordinaten: 48° 4′ 40″ N, 11° 20′ 43″ O
Höhe: 581 m
Einwohner: 757 (1. Jan. 2021)
Postleitzahl: 82349
Vorwahl: 089
Alte Brennerei in Pentenried
Alte Brennerei in Pentenried

Pentenried ist ein Ortsteil der Gemeinde Krailling in der Nähe von Gauting im oberbayerischen Landkreis Starnberg.

Geologie

Geologisch sind die rißeiszeitlichen Schotterfelder am Ostrand des Moränenzuges von besonderem Interesse.

Geschichte

In der Umgebung der ehemaligen Hofgebäude der Schwaige Pentenried wurden frühmittelalterliche Körpergräber entdeckt, die in der bayerischen Denkmalliste unter der Aktennummer 1 D-1–7934–0263 verzeichnet sind.

Der Ortsname Pentenried weist mit der Endung „-ried“ auf eine Rodungssiedlung hin. Die historischen Namensformen dokumentieren seine sprachliche Entwicklung: 1294 ist „in Sancti Benedicti Riede“ überliefert, 1430 „Pentiktenried“ (bei Wolfgang Krämer auch „Pentictenried“), 1488 „Penigkenried“ und 1610 „Pendtenried“. Weitere Schreibweisen sind unter anderem „Benediktenried“, „Penterriedt“ und „Pendtenriedt“.

Der Historiker Wolfgang Krämer vermutet eine Entstehung des Gutes Pentenrieds in Zusammenhang mit dem Kloster Benediktbeuern um 1100, da das Stift in dieser Zeit bereits nachweislich zu den im Gautinger Raum begüterten Klöstern gehörte. Ein genaues Gründungsjahr der Siedlung ist nicht nachgewiesen. Aufgrund der räumlichen Nähe und der Lage an der Römerstraße Gauting–Augsburg wird zudem vermutet, dass die Rodung von Gauting ausging.

Die Schwaige Pentenried wird von Johann Nepomuk Sepp in seiner Religionsgeschichte Oberbayerns im Zusammenhang mit dem Kloster Benediktbeuern erwähnt. Demnach wurde Pentenried dem Kloster im frühen 13. Jahrhundert zehntpflichtig.

Eine weitere urkundliche Erwähnung findet sich um 1430 in einer Hussitensteuerliste, was auf eine bereits gut etablierte, wehrhafte und wirtschaftlich leistungsfähige Einheit schließen lässt.

Die Schwaiger von Pentenried sind seit dem frühen 15. Jahrhundert namentlich überliefert. Wolfgang Krämer nennt für 1430 Porgel zu Pentictenried, den er der Familie Hauser zuordnet. Für die Zeit von 1435 bis 1490 führt er Lindl Hauser und dessen Sohn Hermann an. Im Jahr 1499 wurde das 149 Tagwerk umfassendes Areal aus Feld und Wald als ein klösterliches Gut des Stift Benediktbeuern bewirtschaftet. In den Urkunden von 1504 wird die Schwaige als „ain ainöd“ bezeichnet. Sie bestand zu diesem Zeitpunkt (und bis ins 19. Jahrhundert) aus einem einzelnen, isolierten Gutshof.

Die dort ansässige Schwaigerfamilie Hauser prägte das Gut über Generationen und stellte auch die lokale Verteidigung sicher: Für das Jahr 1517 ist verzeichnet, dass der dortige Schwaiger Hermann Hauser (unter dem damaligen Ortsnamen „zu Benediktenried“) im militärischen Aufgebotsfall mit einer vollständigen Rüstung (Krebs, Spieß und Degen) auszurücken hatte. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts stellte die dort ansässige Verwalterfamilie Hauser mit Jorg (Georg) Hauser einen der fünf Hauptleute des lokalen bayerischen Verteidigungsaufgebots.

Der Familienname Pentenrieder ist ein Herkunftsname zum Siedlungsnamen Pentenried. Der Übergang innerhalb der dort ansässigen Familie Hauser ist 1588 durch Michael Hauser, „genannt Penterrieder“, belegt. Im 17. Jahrhundert erscheint Penterrieder beziehungsweise Pentenrieder als fester Familienname.

Ein Gerichtsprotokoll des Landgerichts Starnberg aus dem Jahr 1678 belegt die Verwandtschaft der im Würmtal und Starnberger Raum ansässigen Familienstämme.

Aus Pentenried stammte der spätere Bernrieder Stiftsdekan Johann Georg Wilhelm Pentenrieder (1674–1731).

Im Chorkuppelfresko der Rokokokirche St. Josef in Starnberg aus dem 18. Jahrhundert ist der ständische Pfleger Pentenrieder dargestellt. Das Fresko zeigt die „Bitte der Stände an Maria und Josef um Fürsprache bei der Heiligen Dreieinigkeit“.

Bis 1726 gehörte das Gut dem Kloster Benediktbeuern, danach wurde es Teil der Hofmark Planegg.

Im Jahr 1795 bestand der Gutshof Pentenried aus einem Wohnhaus, mehreren Wirtschaftsgebäuden, einer Hofkapelle, einem Backofen, einem Zuhaus sowie einem Brunnen.

Die unterschiedlichen Ortsbezeichnungen waren noch im 18. Jahrhundert Gegenstand einer historischen Auseinandersetzung. Eine Prozessschrift von 1725 erwähnt den früheren Gutsinhaber Georg Pentenrieder im Zusammenhang mit den vermeintlich verschiedenen Gütern Pentenried und Benediktenried. Der Münchner Hofkammerrat Frh. von Kremer stellte 1796 dagegen fest, dass beide Bezeichnungen „unum ac idem“ (ein und dasselbe) meinten. Er vertrat die feste Auffassung, dass sich der Name Pentenried nach dem Familiennamen „Pentenrieder“ früherer Gutsinhaber und Verwalter „per abusus“ eingebürgert habe.

1801 wurde der Ort, nachdem Planegg aus dem Patrimonialgericht Starnberg ausgeschieden war, der Hofmark Krailling zugeschlagen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Gut eine Ziegelei errichtet, Anfang des 20. Jahrhunderts kam noch eine Brennerei dazu. Von 1932 bis 1941 ging der Hof in den Besitz der Burghauser Großindustriellenfamilie Wacker über. Am 1. Juni 1941 erwarb die Wehrmacht Pentenried und betrieb das Gut als Lehrgut der Heeresfachschule für Landwirtschaft. Nach Kriegsende war es dann im Besitz der amerikanischen Militärregierung, die den Landwirtschaftsbetrieb wieder aufnahm. 1948/49 wurden, teilweise mit finanzieller Unterstützung des bayerischen Staats, über 100 Häuser errichtet, die vor allem von über 600 deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen aus Böhmen, Mähren, Ostpreußen und Schlesien errichtet und bewohnt wurden. Die ersten dieser Neubauten waren Schwarzbauten, die jedoch toleriert wurden. Die heutige Gestalt des Ortes ist also eine Folge von Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950.

Filialkirche St. Benedikt

Heute wohnen etwa 750 Menschen in Pentenried. Der Ort hat, zusammen mit dem benachbarten Frohnloh, die eigene, von der für die übrige Gemeinde Krailling geltenden abweichende Postleitzahl 82349.

Baudenkmäler

Das einzige erwähnenswerte Bauwerk des Kirchdorfes ist die katholische Filialkirche St. Benedikt, ein Neubau von Karl Blum aus dem Jahr 1958. Die Ausstattung der Kirche entstammt unterschiedlichen Quellen. Obwohl der Ort früher zu Planegg und jetzt zu Krailling gehört, war die Kirche immer ein Teil der Pfarrei Gauting.

Sport

Sportplatz TSV Pentenried

In Pentenried ist der etwa 700 Mitglieder starke Sportverein TSV Pentenried beheimatet, der u. a. die Sportarten Fußball, Tennis, Taekwondo, Tischtennis und Bergsport anbietet. Die 1. Herrenmannschaft Fußball des Vereins spielt seit der Saison 2022/23 wieder und auch in der aktuellen Saison 2024/25 in der Kreisklasse (9. Liga) im Kreis Zugspitze. Die 2. Herrenmannschaft spielt zusammen mit der 2. Mannschaft des TV Stockdorf in der zur Saison 2023/24 begründeten Spielgemeinschaft SG TV Stockdorf II/TSV Pentenried II. Diese Mannschaft tritt aktuell in der C-Klasse (12. Liga) an.

Persönlichkeiten

Commons: Pentenried – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Krailling in Zahlen und Daten 20/21. (PDF; 333 KB) S. 2, abgerufen am 15. April 2024.
  2. ↑ Bayrisches Denkmalamt: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. Freistaat Bayern, abgerufen am 2. Juli 2026.
  3. ↑ Johann Nepomuk Sepp: Religionsgeschichte von Oberbayern in der Heidenzeit, Periode der Reformation und Epoche der Klösteraufhebung. Band I, BSB 11564933-2. Bayrische Staatsbibliothek, München 1895, S. 70.
  4. 1 2 3 4 5 Wolfgang Krämer: Geschichte der Gemeinde Gauting einschließlich der Hofmarken Fußberg und Königswiesen nebst Grubmühle, Reismühle und Gemeinde Stockdorf sowie der Schwaigen Kreuzing und Pentenried. In: Gauting, Selbstverlag der Gemeinde (Hrsg.): Wissenschaftliches nach archivalischen Quellen dargestelltes Standardwerk zur Geschichte der Würmtal-Gemeinden. Selbstverlag, Gauting 1949, S. 377 ff.
  5. ↑ Altmann: Katholische Kirchen – Starnberg. S. 11.
  6. ↑ Dr. Wolfgang Krämer: Chronik Gautings. Hrsg.: Selbstverlag. 1949.
  7. ↑ Edgar Pscheidt: Zur Integration der Sudetendeutschen in Bayern. In: Peter Heumos (Hrsg.): Heimat und Exil. München: Oldenbourg, S. 209. ISBN 3-486-56355-6
  8. ↑ Gerhard Schober: Denkmäler in Bayern. Landkreis Starnberg. München: Schnell & Steiner, S. 210. ISBN 3-7954-1005-3
  9. ↑ Personal- und Schulnotizen, in: Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. Zehnter Jahrgang, 1859, S. 754.