Peter-Rudolf Zotl

Peter-Rudolf Zotl (* 10. Oktober 1944 in Köthen) ist ein deutscher Politiker (SED, PDS, Die Linke) und marxistischer Gesellschaftswissenschaftler bzw. Politikwissenschaftler. Er war von 1991 bis 2011 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und dort von 1993 bis 1995 Vorsitzender der PDS-Fraktion.

Leben und Beruf

Peter-Rudolf Zotl machte an der Erweiterten Oberschule in Köthen 1963 sein Abitur. Es folgte ein Studium am Pädagogischen Institut Dresden (später Pädagogische Hochschule) zum Oberstufenlehrer für Geschichte und Deutsch. 1967 absolvierte er sein erstes Staatsexamen. Von 1967 bis 1972 arbeitete er als Lehrer, Leiter des Kreispionierhauses und Mitarbeiter für Schulen, Hoch- und Fachschulen bei der SED-Kreisleitung in Köthen. Von 1972 bis 1976 war er wissenschaftlicher Aspirant am Institut für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED in Berlin. Dort schrieb er seine Dissertation über die DDR-Blockpolitik in der Mitte der 1950er-Jahre und wurde 1976 zum Dr. phil. promoviert.

Danach war Zotl von als Oberassistent an der (1976 umbenannten) Akademie für Gesellschaftswissenschaften (AfG) beim ZK der SED angestellt. Dort erhielt er 1979 die Facultas Docendi (Hochschul-Lehrbefähigung). Im Jahr darauf schloss er seine Dissertation B (entspricht etwa einer Habilitation) über nichtmarxistische Positionen zum politischen System der DDR ab, aufgrund der er den akademischen Grad Dr. sc. phil. erhielt. 1981 wurde er zum ordentlichen Hochschuldozenten ernannt. Von 1986 bis 1989 leitete er den Forschungsbereich „Sozialismus und Systemauseinandersetzung“ bzw. „Politisches System der DDR“ im Institut für Wissenschaftlichen Kommunismus der AfG.

Er ist seit 1969 mit der Diplom-Psychologin Barbara Zotl verheiratet und hat zwei Kinder sowie drei Enkel.

Politik

1964 trat Zotl in die SED ein und war von 1976 bis 1990 Mitglied im FDGB. In der Zeit der Wende in der DDR wurde Zotl Ende November 1989 Sekretär für Parteienpluralismus, Koalitionsarbeit und staatliche Angelegenheiten der SED-Bezirksleitung Berlin. Nach der Umbenennung blieb er Mitglied der PDS und war von Januar 1990 bis 1999 stellvertretender Vorsitzender der PDS Berlin.

Abgeordneter

Als Spitzenkandidat der PDS wurde Zogl bei der ersten freien Kommunalwahl in der DDR im Mai 1990 in die Stadtverordnetenversammlung von Ost-Berlin gewählt und war dort anschließend bis zu ihrer Auflösung im Dezember 1990 Fraktionsvorsitzender.

Von Januar 1991 bis 2011 war Zotl Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Er wurde zuletzt (2006) im Wahlkreis Lichtenberg 2 gewählt. Von 1991 bis 1993 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender und von 1993 bis 1995 Vorsitzender der PDS-Fraktion. Er war Mitglied im Ausschuss für Europa- und Bundesangelegenheiten, Medien, Berlin-Brandenburg, im Ausschuss für Verwaltungsreform, Kommunikations- und Informationstechnik sowie im Unterausschuss Produkthaushalt und Personalwirtschaft des Hauptausschusses. Zotl übernahm im Abgeordnetenhaus die Aufgabe des Sprechers für Regional-, Kommunal- und Verwaltungspolitik seiner Fraktion.

Ehrung

Veröffentlichungen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Erik Natter: Die inneren Ursachen des Umbruchs in der DDR. Eine Analyse der politisch-kulturellen Debatten 1989-1991 (= Schriftenreihe der Forschungsgruppe Deutschland. Band 3). Mainz 1994, S. 45.
  2. ↑ Biographische Daten von Peter-Rudolf Zotl in: Wer ist Wer – Das deutsche Who’s Who 2000/2001. 39. Ausgabe, Schmidt-Römhild, Verlagsgruppe Beleke, Lübeck 2000, S. 1583, ISBN 978-3-7950-2029-3.
  3. ↑ Lothar Mertens: Rote Denkfabrik? Die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED (= Studien zur DDR-Gesellschaft. Band X). Lit Verlag, Münster 2004, S. 332.
Personendaten
NAME Zotl, Peter-Rudolf
KURZBESCHREIBUNG deutscher Politiker (Die Linke), MdA
GEBURTSDATUM 10. Oktober 1944
GEBURTSORT Köthen