Peter Claussen

Peter Heinrich Claussen (* 24. Oktober 1877 in Sahrensdorf auf Fehmarn; † 31. Dezember 1959 in Marburg) war ein deutscher Botaniker und Mykologe mit Lehrstuhl an der Universität Marburg. Sein botanisch-mykologisches Autorenkürzel lautet „Claussen“.

Leben

Peter Claussen wurde als Sohn eines Landwirts in Sahrensdorf auf Fehmarn geboren. Sein Interesse an der Beobachtung von Pflanzen entwickelte sich schon in der Kindheit. Sein Lehrer der Privatschule in Burg auf Fehmarn, setzte sich für einen Wechsel des Jungen auf eine weiterführende Schule ein. So wurde Peter 1890 in die Quarta der Plöner Lateinschule (später: Gymnasium Schloss Plön) aufgenommen. Er lebte nach dem frühen Tod der Eltern im Hause des Lehrers A. Schulz in Plön, der die Flora der Region um Plön erforschte und den Schüler an dieser Arbeit beteiligte.

Nach dem Abitur im Jahr 1897 studierte Peter Claussen zunächst in Freiburg im Breisgau Medizin, Mathematik und Naturwissenschaften, bis der Botaniker Friedrich Hermann Gustav Hildebrandt auf ihn aufmerksam wurde und ihn überzeugte, die Botanik doch zum zentralen Thema zu machen. 1899 wechselte er zur Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin (seit 1949 Humboldt-Universität) und promovierte dort 1901 bei Simon Schwendener.

1904 habilitierte er sich als Assistent in Freiburg im Breisgau am Lehrstuhl für Botanik (Friedrich Oltmanns). Da er seine Anforderungen an wissenschaftliche Arbeit dort nicht erfüllt sah, kündigte er 1907 und ging zurück nach Berlin zunächst als Hilfsassistent an der Landwirtschaftlichen Hochschule bei Leopold Kny, 6 Monate später an das Botanische Institut der Friedrich-Wilhelms-Universität, wo S. Schwendener ihm eine Assistentenstelle, die er zum Teil aus seinen privaten Mitteln finanzierte. Im Februar 1908 habilitierte er sich erneut und wurde wieder als Privatdozent tätig. Er vertrat den Nachfolger S. Schwendeners, Gottlieb Haberlandt, während dessen Krankheit 1911 etwa 6 Monate in allen Funktionen mit Ausnahme der Doktorexamina. Dazu gehörte auch die Planung des Neubaus des pflanzenphysiologischen Instituts in Berlin-Dahlem. Berufliche Tätigkeit außerhalb des Wissenschaftsbereichs kam für Claussen nicht in Frage, obwohl das Einkommen als Assistent keine Familiengründung ermöglichte.

Erst ab Januar 1912 setzte er seine Karriere an der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Berlin fort und konnte nun endlich Adele Schulz, Tochter der Plöner Lehrers A. Schulz, mit der er seit vielen Jahren verlobt war, heiraten.

1915 wurde er zum Wehrdienst bei der Infanterie eingezogen und diente als Landsturmmann und Musketier. 1916 wurde er nach Mitau (Lettland) zur Bakteriologische Untersuchungsstelle der 8. Armee kommandiert, deren Leitung er ab 1917 innehatte. Im September wurde er nach Dorpat versetzt und übernahm dort die Leitung der Bakteriologischen Untersuchungsstelle und zusätzlich die Professur für Botanik sowie der botanischen Anstalten der von der deutschen Militärverwaltung im Baltikum neu geordnete Landesuniversität Dorpat. Nach Kriegsende kehrte er an die Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zurück und wurde im März 1921 zum Oberregierungsrat ernannt. 1920/21 war er kurzzeitig beurlaubt worden, um den erkrankten Direktor des Instituts für Botanik an der Forstakademie Hann. Münden zu vertreten (stellvertr. Prof. d. Botanik u. Leiter d. forstwissenschaftl. Instituts u. - Gartens). 1921 wurde er an die Universität Erlangen berufen.

Ab 1922 war Claussen Direktor des Botanischen Instituts und Direktor des Botanischen Gartens in Marburg. Claussen war langjähriger Präsident der Deutschen Botanischen Gesellschaft.

Zeitweise war er Mitglied der DNVP. Im November 1933 unterzeichnete er das Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler.

Nach Beschwerden u. a. des Führers der Marburger Studentenschaft beim Rektor der Universität 1935 und Denunziation in den folgenden Jahren wurde er 1941 mehrfach von der Gestapo verhört. Daraufhin beantragte er im Oktober 1942 seine vorzeitige Emeritierung „aus gesundheitlichen Gründen“, die vom Ministerium angenommen wurde. Zum 31. März 1943 wurde Claussen emeritiert. Nach Kriegsende 1945 wurde er bis zur Rückkehr seines Nachfolgers A. Pirson aus der Kriegsgefangenschaft im Juni 1946 nach Prüfung durch die Militärverwaltung von der Universität Marburg mit der vertretungsweisen Leitung des Botanischen Instituts und Gartens beauftragt.

Schriften

Literatur

Einzelnachweise / Quellen

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 André Pirson: Peter Claussen – 1877-1959, Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft, Bd. LXXVI, Jahrgang 1963, Sondernummer, 2. Generalversammlungsheft, S. 154–162
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Universitätsarchiv Marburg (noch nicht indexiert): Familienarchiv-Personen: Claussen...,1877_1024_Claussen, Peter Heinrich, 00_CV_ Sammelmappe Lebenslauf
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Universitätsarchiv Marburg: Universitäts-Kuratorium Marburg. Personal-Akten betreffend den ordentlichen Professor Dr. P. Claussen. Bestand 310, Nr. 6149
  4. 1 2 Universitätsarchiv Marburg (noch nicht indexiert): Familienarchiv-Personen: Claussen...,1877_1024_Claussen, Peter Heinrich, 05_Korrespondenz, an Schulz, Adele, 1906 u. 1907
  5. ↑ Universitätsarchiv Marburg: Philipps-Universität Marburg a.d. Lahn. Nebenakten – betreffend den o. Professor Dr. Claussen. Bestand 305a, Nr. 4241
Personendaten
NAME Claussen, Peter
ALTERNATIVNAMEN Claussen, Peter Heinrich (vollständiger Name); Claussen (Person)
KURZBESCHREIBUNG deutscher Botaniker und Mykologe mit Lehrstuhl an der Universität Marburg
GEBURTSDATUM 24. Oktober 1877
GEBURTSORT Sahrensdorf auf Fehmarn
STERBEDATUM 31. Dezember 1959
STERBEORT Marburg