Peter Dimmel

Peter Hans Dimmel (* 31. August 1928 in Wien; † 5. Mai 2026) war ein österreichischer Bildhauer, Präsident des Österreichischen Gehörlosenbundes und Funktionär in verschiedenen Gehörlosen-Verbänden.

Leben

Kurz nach der Geburt erkrankte Peter Hans Dimmel an einer schweren Meningitis, in Folge derer er seinen Hörsinn verlor. Sein Vater, der Maler Herbert Dimmel, ließ ihn zunächst zu Hause in Laut- und Gebärdensprache unterrichten. Später besuchte Peter Dimmel die Döblingerschule, eine Eliteschule für Gehörlose in Wien. Im Jahr 1938 wurde die Schule in Döbling auf Anordnung der Schulbehörde mit dem Bundes-Taubstummeninstitut Wien (heute: Bundesinstitut für Gehörlosenbildung) zusammengelegt, welches er bis 1943 besuchte.

Von 1943 bis 1945 studierte er an der Universität für angewandte Kunst Wien beim Bildhauer und Keramiker Robert Obsieger. Von 1945 bis 1949 war er Keramiker in der Keramikwerkstätte Angermayr in Eberschwang. Bevor er in Linz freischaffend tätig wurde, besuchte er von 1949 bis 1957 die Kunstschule Linz.

Von 1957 bis 1963 war er Mitbewohner des Egon-Hofmann-Atelierhauses in Linz. 1964 bis 2000 besaß er ein eigenes Atelier in Leonding.

Wirken als Künstler

Dimmel war Mitglied der Innviertler Künstlergilde und seit 1953 der Künstlervereinigung MAERZ. Sein Lebenswerk umfasst mehr als 170 Arbeiten, darunter viele Plastiken und Restaurierungsarbeiten für Kirchen insbesondere mit dem Werkstoff Bronze. Die sakralen Werke, insbesondere Volksaltäre, Taufsteine, Tabernakel und Kreuzwege, entstanden kurz nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Seine Bronzetore mit figuralem Schmuck sind einzigartig, etwa das Tor am Linzer Bischofshof.

Werke

Chronologisch sortierte Werke:

Severinstor der Basilika Enns-Lorch
Nibelungenschiff
Hl. Erzengel Michael in Steyr

Einige Kirchengestaltungen erfolgten gemeinsam mit Architekt Anton Zemann (in Eisentratten, Mitterkirchen, Rainbach im Mühlkreis, Schenkenfelden und Tragwein).

Ausstellungen

Ausgewählte Ausstellungen:

Wirken für Gehörlose

Dimmel engagierte sich seit 1962 für gehörlose Menschen. Er organisierte etwa 1995 den Weltkongress der Gehörlosen in Wien und war über Jahrzehnte in vielen Funktionen der Gehörlosen-Interessensvertretung oberösterreich- und österreichweit tätig:

Zu seinen Verdiensten zählt in diesem Zusammenhang die Verankerung der Österreichischen Gebärdensprache in die oberösterreichische Landesverfassung (2001) und in die österreichischen Bundesverfassung (2005) als eigene Sprache. Er ist Gründer der Linzer Fachausbildung GESDO zum Gebärdensprach-Dolmetscher und er errichtete eine Dolmetsch-Vermittlungszentrale.

Auszeichnungen

Ausgewählte Auszeichnungen:

Literatur

Commons: Peter Dimmel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Aktuelles: Prof. Peter Dimmel. In: Gehörlosenverband Oberösterreich. Abgerufen am 6. Mai 2026 (Sammlung mehrerer Einträge zum Gedenken an Peter Dimmel im Facebook-Account „Gehörlosenverband Oberösterreich“).
  2. ↑ Biografie Peter Dimmels in Austria-Forum
  3. ↑ Gymnasium Döbling: NS-Kriegerdenkmal nach Jahrzehnten umgestaltet. In: derstandard.at. 25. November 2010, abgerufen am 9. Juni 2026.
  4. ↑ Walter Schott: Die niederösterreichischen Landes-Taubstummenanstalten in Wien-Döbling 1881-1921 und Wiener Neustadt 1903-1932. Eigenverlag, Wien 2002, S. 197.
  5. ↑ Prof. Peter Dimmel in Freistadt. In: museum-freistadt.at. 29. März 2012, abgerufen am 9. Juni 2026.
  6. ↑ Biografie. In: Peter Dimmel · Sculptor. 2013, S. 11.
  7. ↑ Die Bildhauer in der Innviertler Künstlergilde
  8. ↑ Ernst Gansinger: Ein Kommunikationslöwe. In: kirchenzeitung.at. Kirchenzeitung der Diözese Linz, 7. Februar 2012, abgerufen am 9. Juni 2026.
  9. ↑ Päpstliche Auszeichnung an Professor Peter Dimmel. (Memento vom 31. Mai 2012 im Internet Archive) In: Kirchenzeitung der Diözese Linz vom 17. April 2012.
  10. ↑ Künstlerisches Schaffen 1951–2010. In: Peter Dimmel · Sculptor. 2013, S. 35–245.
  11. ↑ Nibelungenschiff. In: stadtgeschichte.linz.at, Denkmäler in Linz.
  12. ↑ Neugestaltung des Kirchenraumes (1969/70). In: stadthaag.at. Stadt Haag, abgerufen am 9. Juni 2026.
  13. ↑ http://www.stlaurenz.com/Basilika/Geschichte
  14. ↑ Engelbert Leitner: Die vier Bronzetore in der Pfarrkirche Ried in der Riedmark: Marientor, Christustor, Augustinustor, Remigiustor, geschaffen nach Konzept von Engelbert Leitner von Peter Dimmel, Linz, von 1986 bis 1989. Eigenverlag, Pfarramt Ried in der Riedmark, 1996.
  15. ↑ Pfarrkirche Hl. Jakobus. In: neumarkt-muehlkreis.ooe.gv.at. Webpräsenz der Marktgemeinde Neumarkt im Mühlkreis, abgerufen am 9. Juni 2026 (Bronzetor und Predigtambo).
  16. ↑ Eintrag Dimmel, Peter im Austria-Forum, aufgerufen am 15. April 2023.
  17. ↑ Ausstellungen. In: Peter Dimmel · Sculptor. 2013, S. 16.
  18. ↑ Helmut Michael Berger, Peter Dimmel, Matthäus Fellinger: Bildhauerei, Graphik, Malerei, Keramik. Helmut Michael Berger, Peter Dimmel, Matthäus Fellinger. Ausstellung des Landes Oberösterreich mit dem OÖ. Kunstverein im Landeskulturzentrum Ursulinenhof von 3. – 20. 7. 1981. Linz 1981.
  19. ↑ Prof. Peter Dimmel (Memento vom 14. Januar 2013 im Webarchiv archive.today)
  20. ↑ Landesgehörlosen Kultur- und Sportverein (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive)
  21. ↑ Webpräsenz des Manus-Deaf-Theater in Linz (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive)
  22. ↑ Prof. Peter Hans Dimmel, Linz (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive)
  23. ↑ Gebärdensprachdolmetschen GESDO (Memento vom 20. März 2015 im Internet Archive)
  24. ↑ Ehrungen und Auszeichnungen. In: Peter Dimmel · Sculptor. 2013, S. 17.
  25. ↑ Dimmel2132008 Überreichung der Kulturmedaille an Professor Peter Dimmel, in: Landeskorrespondenz Nr. 213 vom 12. September 2008.
  26. ↑ Der ÖGLB gratuliert Prof. Peter Dimmel zum Life Award 2010. (Memento vom 29. Dezember 2010 im Internet Archive) In: gebaerdenwelt.at, 15. Dezember 2010.
  27. ↑ Päpstliche Auszeichnung an Professor Peter Dimmel. (Memento vom 31. Mai 2012 im Internet Archive) In: Kirchenzeitung der Diözese Linz. 17. April 2012.
Personendaten
NAME Dimmel, Peter
ALTERNATIVNAMEN Dimmel, Peter Hans (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Bildhauer
GEBURTSDATUM 31. August 1928
GEBURTSORT Wien
STERBEDATUM 5. Mai 2026