
Der Begriff „Petrodollar“ bezeichnet das Phänomen, dass Erlöse aus Ölverkäufen in US-Dollar gehalten oder umgewandelt werden. „Petrodollar“ ist keine Währung, sondern eine seit den 1970er Jahren bekannt gewordene und umgangssprachliche Beschreibung für diejenigen Deviseneinnahmen, welche einige erdölexportierenden Länder aus dem Export von Erdöl und dessen Abrechnung in US-Dollar erzielen. Der Wortbestandteil Petro steht für Erdöl (englisch petroleum – Rohöl). Die Produkte des Erdöls bzw. der Mineralölindustrie sind u. a. die Kraftstoffe oder Petrochemikalien.
Im Einzelnen geht es hierbei um die seit 1945 bestehenden Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien. Das System „Petrodollar“ stellt eine gewisse weltwirtschaftliche und geopolitische Ordnung dar, die mit der US-Währung und den Beziehungen der Länder wechselwirkt. Umgangssprachlich wird somit auch von einer „Petrodollar-Politik“ gesprochen.
Seit dem 21. Jahrhundert mehren sich die Veränderungen und Meinungen in Bezug auf das ursprüngliche Konstrukt. Die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind nach offiziellen Angaben jedoch nach wie vor sehr eng. Zudem wird der Stellenwert des US-Dollar als Leitwährung laufend neu eingeschätzt. Dabei kam es 2024 auch zu Falschinformationen, siehe der Abschnitt Kontroversen.
Der Begriff „Petrodollar“ geht auf einen bestimmten Aspekt der Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien zurück. Letzteres ist seit Mitte des 20. Jahrhunderts eines der größten Ölförderländer der Welt und erzielte seine Einnahmen historisch hauptsächlich durch den Export von Rohstoffen und generierte so „Petrodollars“. Der Handel mit den US-Mineralölkonzernen wurde jedoch bereits seit Jahrzehnten in US-Dollar abgewickelt. Die Beziehungen der beiden Länder reichen bis auf das Jahr 1945 zurück, auch bekannt als das Memorandum of Conversation Between the King of Saudi Arabia (Abdul Aziz Al Saud) and President Roosevelt.
Es gab in der Geschichte nie einen offiziellen Vertrag oder Abkommen mit dem Wort „Petrodollar“ im Titel. Ebenso werden der US-Dollar oder der Ölhandel in öffentlichen Verträgen und Dokumenten nicht erwähnt, sondern die Zusammenarbeit beider Länder. Das eigentliche Abkommen trug den Originaltitel US-Saudi Arabian Joint Economic Commission und es wurde als sogenanntes Technical Cooperation Agreement (TCA) ausgeführt. Es wurden auch einzelne TCAs für verschiedene Zwecke verhandelt. Jedoch wurde ab 1979 der Begriff „Petrodollars“ in einem Bericht des Comptroller General of the United States, dem Direktor des Government Accountability Office (GAO) bzw. US-Rechnungshofes, erwähnt. Dort wird die Kommission wie folgt beschrieben (übersetzt): Die Kommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit – gegründet unmittelbar im Anschluss an das arabische Ölembargo und die damit einhergehenden Preissteigerungen
Die erweiterte Kooperation wurde am 8. Juni 1974 von Henry Kissinger und Prinz Fahd unterzeichnet, das Original TCA am 13. Februar 1974. Die Vereinbarung wurde stets verlängert. Der bis 2016 verdeckte Teil des Abkommens war, dass Saudi-Arabien zustimmte, Öldollars in US-Staatsanleihen zu investieren.
Die aktuellste Vereinbarung (Name wurde verändert) ist das Agreement for Technical Cooperation (ATC) zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien wurde am 8. Mai 2023 in Dschidda unterschrieben. Es setzt die Beziehungen der Länder fort, spricht aber ebenfalls nicht vom Ölhandel oder US-Dollar.

Bereits in den 1930er Jahren waren die USA, insbesondere die California-Arabian Standard Oil Company (heute Aramco), durch Konzessionen an der Erdölförderung in Saudi-Arabien beteiligt. Ursprünglich verhandelte bereits 1945 der US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit Saudi-König Abdul Aziz Ibn Saud langfristige Handelsbeziehungen, umgangssprachlich bekannt als „Quincy Pact“ („Quincy-Abkommen“), zwischen den Länder aus. Ab diesem Zeitpunkt dominierten die großen westlichen Mineralölkonzerne, auch „Seven Sisters“ genannt, die Preisgestaltung und Entwicklungen der Ölwirtschaft, da sie den größten Markt bedienten.
Im August 1971 beendete US-Präsident Richard Nixon (vgl. auch „Nixon-Schock“) die nominale Goldbindung des US-Dollars. Mit dem Ende der Goldkonvertibilität verabschiedete sich die Geldpolitik der westlichen Welt von diesem System. Genauer gesagt wurde die Konvertibilität des US-Dollars in Gold für ausländische Regierungen und Zentralbanken außer Kraft gesetzt. Diese einseitige Entscheidung und Abwertung der Währung führte dazu, dass die ölproduzierenden Länder (OPEC und OAPEC) unter erheblichen Druck gerieten, da sie bereits Geschäfte in dieser Währung abgewickelt hatten.
Ein Jahr später wurden diplomatische Beziehungen zwischen den USA und der VR China aufgenommen. Im Jahr 1973 folgte der Jom-Kippur-Krieg, der unter anderem die erste Ölkrise verursachte. Dieser Konflikt führte aufgrund der Spannungen zwischen den USA und der Sowjetunion am 25. Oktober 1973 zu einem seltenen DEFCON 3-Status.
Anfang der 1970er Jahre stieg der Ölpreis von etwa 3 US-Dollar pro Barrel (vor dem Embargo) auf rund 12 US-Dollar kurz nach dem Ölpreisschock 1973/74 – damit vervierfachte sich der nominale Preis. Dieser starke Preissprung löste erhebliche Sorgen in vielen Industrieländern aus. Der Sicherheits- und Außenpolitiker Henry Kissinger schreibt in seinen Memoiren:
„In addition, other more important—if less urgent—issues were waiting for the new President (Gerald Ford). Perhaps the most fateful challenge to the industrial democracies was their collective demoralization due to the quadrupling of energy prices. Only concerted action could avoid financial panic and political deterioration in Western Europe, and the time had come to begin the process of taking charge of our common future. Sub-Cabinet officials of the industrial democracies were meeting even then to establish an International Energy Agency to enable the countries they represented to conserve energy, share supplies in an emergency, and create a financial safety net if the oil producers should seek to use their huge petrodollar surpluses to pressure the consumers of oil.“
„Darüber hinaus warteten weitere, wichtigere – wenn auch weniger dringende – Themen auf den neuen Präsidenten (Gerald Ford). Die vielleicht verhängnisvollste Herausforderung für die Industriedemokratien war ihre kollektive Demoralisierung infolge der Vervierfachung der Energiepreise. Nur ein abgestimmtes Vorgehen konnte eine Finanzpanik sowie eine politische Destabilisierung in Westeuropa abwenden; und nun war der Zeitpunkt gekommen, den Prozess der eigenverantwortlichen Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft einzuleiten. Vertreter der zweiten Regierungsebene der Industriedemokratien trafen sich bereits zu jener Zeit, um eine Internationale Energieagentur ins Leben zu rufen, die es den von ihnen vertretenen Ländern ermöglichen sollte, Energie einzusparen, im Notfall Versorgungsressourcen zu teilen und ein finanzielles Sicherheitsnetz zu schaffen – für den Fall, dass die Ölproduzenten versuchen sollten, ihre enormen Petrodollar-Überschüsse als Druckmittel gegen die Ölverbraucher einzusetzen.“

Kissinger und Bill Simon intensivierten die diplomatischen Beziehungen zu Saudi-Arabien. Die Gespräche zwischen Kissinger und dem König Faisal ibn Abd al-Aziz hatten mehrere Ziele, darunter speziell den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder.
Zu dieser Zeit waren die USA außerdem eine der beiden Supermächte im Kalten Krieg und bestrebt, die Einflüsse bzw. Einflussversuche der Sowjetunion (UdSSR) in vielen Ländern der Welt einzudämmen. Nixon betrieb eine als „Twin-Pillar-Policy“ (Zwei-Säulen-Politik) bezeichnete Außenpolitik, die darauf ausgerichtet war, den sowjetischen Einfluss im Persischen Golf, speziell im Iran und in Saudi-Arabien, einzudämmen.
Im Fokus standen auch die Bedürfnisse Saudi-Arabiens, seine Verteidigung auszubauen und zu stärken. Dabei traten die USA durch ihre großen Rüstungskonzerne als Lieferant auf. Der Export von Waffen findet dabei bis heute über Foreign Military Sales (FMS) statt. Bei den Gesprächen zwischen den Staatsleuten ging es vermutlich auch um Öl. Laut US-amerikanischen Politikvertretern sollten diese neuen Beziehungen zu einer Steigerung der Ölproduktion führen und das Abkommen, auch bekannt als die US-Saudi Arabian Joint Economic Commission, sollte als Modell für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Washington und anderen arabischen Nationen dienen.
Ein vermuteter inoffizieller Teil des Abkommens sah vor, den Ölpreis in US-Dollar festzulegen bzw. für den Handel zu nutzen – damit entstand umgangssprachlich das „Petrodollar-System“ oder die „Petrodollar-Ordnung“. Riad erklärte sich bereit, in dieser Währung zu handeln und die durch Ölverkäufe erzielten Mehreinnahmen wieder in US-Staatsanleihen (vgl. U.S. Treasury) zu investieren. Im Gegenzug lieferte Washington Sicherheitsgarantien und Unterstützung – die bis heute andauert. Da es sich um US-Dollar handelt, kann dieses Geld genutzt werden, um in Dollar notierte Rohstoffe wie Öl zu kaufen. Diese Ordnung sorgte für eine beständige Nachfrage nach US-Dollars und der Wert war durch die Preisstandards der OPEC an das Öl gekoppelt. Man spricht in dem Zusammenhang auch vom „Ölgeld“ (englisch oil money) oder der „Petrodollarwirtschaft“ (englisch petrodollar economy). Fachleute argumentieren, dass dieses System es den USA ermöglicht hat, Schulden in Höhe von Billionen US-Dollar anzuhäufen: Der Rest der Welt kauft diese Schulden in Form von verzinslichen US-Wertpapieren auf.
Dieses System wird auch als „Petrodollar-Recycling“ bezeichnet. Die Erlöse der Ölproduzenten (vornehmlich Saudi-Arabiens) flossen somit zurück in die Volkswirtschaften der Ölverbraucher. Die Einnahmen der Produzenten wurden in Aktien, Anleihen, Wertpapiere und Bankeinlagen zurückinvestiert. In diesem Zuge wurden auch Technologien und andere Güter erworben, um die Modernisierungsprogramme zu finanzieren. Im Endeffekt floss das Geld, das der durchschnittliche amerikanische Autofahrer an der Zapfsäule zahlte, somit in Form von Petrodollar-Investitionen oder durch den Kauf amerikanischer Waren und Dienstleistungen in die Vereinigten Staaten zurück.
Dieses Abkommen war rund ein halbes Jahrhundert lang prägend für die beiden Länder und auch Weltwirtschaft. Weitere Details wurden erst 2016 durch eine Anfrage von Bloomberg mittels des Freedom of Information Act (FOIA) bei den National Archives öffentlich.
Bis 1977 hatte Saudi-Arabien bereits 20 Prozent aller im Ausland gehaltenen US-Staatsanleihen angesammelt. Mit einem Bestand von 117 Mrd. US-Dollar (bei ausländischen Währungsreserven von rund 587 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016) avancierte das Königreich zu einem der größten ausländischen Gläubiger Amerikas. Nach inoffiziellen Angaben ist die Zahl jedoch doppelt so hoch oder sogar noch höher. Die Saudi Central Bank hat dazu keine Angaben zum Gesamtumfang ihrer Bestände an US-Staatsanleihen öffentlich gemacht.
Ende der 1970er Jahre (1979) folgte die Islamische Revolution im Iran, die eine weitere Krise im Nahen Osten auslöste. Bereits Jahre zuvor hatte es Auseinandersetzungen um die Kontrolle des iranischen Öls gegeben. Der Schah von Iran forderte in den 1960er-1970er Jahren die großen westlichen Ölkonzerne heraus und es kam zu Neuverhandlungen früherer Verträge. Den Veränderungen ging die Suezkrise von 1956/1957 voraus, infolge derer das Vereinigte Königreich sein bisheriges Engagement in der Golfregion zurückfuhr.

Im Zuge der Terroranschläge vom 11. September 2001 warnte Saudi-Arabien vor einem Verkauf von Staatsanleihen und anderen Vermögenswerten – für den Fall, dass der Kongress ein Gesetz verabschiedet, das es ermöglicht, das Königreich vor US-Gerichten für die Terroranschläge haftbar zu machen. 15 der 19 Flugzeugentführer waren saudische Staatsbürger.
Der Begriff „Petrodollar“ wurde im Jahr 2006 vom Internationalen Währungsfond (IMF) und dem U.S. Treasury in einzelnen Berichten für Analysen aufgegriffen.
Die USA haben seit dem Schieferöl- und Schiefergas-Boom der 2010er Jahre ihre Ölimporte aus Saudi-Arabien stark reduziert und haben ihre eigene Erdöl- und Erdgasproduktion seither massiv gesteigert.
2018 kam es zur Ermordung von Jamal Khashoggi. Der spätere US-Präsident Joe Biden äußerte sich damals mit dem Wort „Paria“. Es kam zu einer diplomatischen Verstimmung zwischen Vertretern der USA und der saudischen Führung. In diesem Zusammenhang spielen auch das Nachbarland Iran und sein umstrittenes Atomprogramm eine Rolle bei Fragen der Sicherheit und US-Garantien. Darüber hinaus meldet sich die OPEC mit Produktionskürzungen im Zusammenhang mit dem Russisch-Ukrainischen Krieg im Jahr 2022 zu Wort.
Im Januar 2023 signalisierte Saudi-Arabien, dass es bereit sei, Ölverkäufe in anderen Währungen außer dem US-Dollar auszuhandeln.
Im Dezember 2022 lud Saudi-Arabien zum China-Arab States Summit 2022 ein. Hauptgast war Staatspräsident Xi Jinping. Beobachter sahen in dem Treffen erste Anzeichen, dass Saudi-Arabien bereit sei, in Yuan zu handeln. Des Weiteren argumentieren Beobachter der Ereignisse, dass eine strategische Partnerschaft zwischen den beiden Ländern möglich sei, da die arabischen Länder und die VR China eine Win-Win-Situation sehen, z. B. auf Basis der „Neuen Seidenstraße“. BRICS und die Shanghai Cooperation Organization (SCO) sind zwei weitere Initiativen in dem Kontext.
Am 8. Mai 2023 wurde in Dschidda das „Agreement for Technical Cooperation“ (ATC) zwischen den USA und Saudi-Arabien unterzeichnet – die aktuellste und mehrjährige Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien.
Nach Angaben des Weißen Haus tätigte Saudi-Arabien im Jahr 2023 Direktinvestitionen in verschiedenen Industriesektoren in den USA von rund 9,5 Mrd. US-Dollar. Der Warenhandel zwischen den beiden Ländern belief sich 2024 auf rund 25,9 Mrd. US-Dollar, davon entfielen 13,2 Mrd. US-Dollar auf US-Exporte, 12,7 Mrd. US-Dollar auf US-Importe und der Handelsüberschuss im Warenhandel belief sich auf 443 Mio. US-Dollar.
Im Jahr 2016 veröffentlichte Saudi-Arabien seine wirtschafts-strategische Saudi Vision 2030. Darin enthalten u. a. die Diversifikation vom Öl in andere Wirtschaftssektoren, aber auch eine Kooperationen mit Russland und der VR China. Russland ist außerdem bereits Teil der OPEC+. Experten kommentieren die neuen Verhältnisse:
„Saudi Arabia is aware that the world is no longer unipolar with just the United States dominating everything, and that it's moving towards a multipolar world with other powers rising like China and India; (...) and that it has to maintain a relationship with as many of these countries, especially these rising powers, who are its major customers for oil and petrochemicals.“
„Saudi-Arabien ist sich bewusst, dass die Welt nicht mehr unipolar ist – in der allein die Vereinigten Staaten alles dominieren –, sondern sich hin zu einer multipolaren Welt bewegt, in der andere Mächte wie China und Indien aufsteigen; (...) Zudem ist dem Königreich klar, dass es Beziehungen zu möglichst vielen dieser Länder pflegen muss – insbesondere zu jenen aufstrebenden Mächten, die seine wichtigsten Abnehmer für Erdöl und Petrochemikalien sind.“
Im Jahr 2017 reisten US-Präsident Trump und eine Delegation nach Riad. Im Rahmen der Joint Strategic Vision Declaration vertieften die Parteien ihre Beziehungen.
Im Jahr 2025 folgte im Mai ein Staatsbesuch von Donald Trump und Mitgliedern seiner Regierung. Dort traf er auch Kronprinz Mohammed bin Salman, welcher das Weiße Haus im Herbst besuchte.
Eine Sprecherin der Botschaft von Saudi-Arabien in Washington, D.C. kommentierte auf Anfrage der Newsweek im Jahr 2024: „Unsere Beziehung zu den Vereinigten Staaten besteht nicht nur seit acht Jahrzehnten fort, sondern hat sich auch vertieft und erweitert. Sie umfasst mittlerweile auch Bereiche wie Spitzentechnologien, die Resilienz von Lieferketten sowie die Weltraumforschung.“
Ende Januar 2026 gibt die saudische Kapitalmarktbehörde (CMA) die Öffnung des Kapitalmarktes für alle Kategorien ausländischer Investoren sowie die Ermöglichung direkter Investitionen in diesen bekannt.
Saudi-Arabien und die USA schließen ein langfristiges (30-jähriges) Abkommen über die zivile Nutzung der Kernenergie. Genauer wurde ein 123-Agreement vereinbart, welches die zivile (friedliche) Nutzung und Kooperation regelt. Angesichts der zahlreichen Konflikte im Nahen Osten (Golfkriege und Irankrieg 2026), sowie der Spannungen zwischen den arabischen Ländern und Israel wirft der noch relativ aktuelle Deal einige Fragen auf.
Aus der Dollarfakturierung des Erdöls lassen sich drei Bedeutungen ableiten:
Da es den meisten erdölexportierenden Ländern bis heute an interessanten Investitionsobjekten in großem Umfang fehlt, fließt seit jeher ein erheblicher Anteil der Dollarbestände in die USA zurück. Dies führt zu der für die USA angenehmen Situation, dass dem Land erstens hohe Seigniorage-Einnahmen zufallen (vereinfacht gesagt: Gewinn durch Gelddrucken). Die nachhaltig starken Kapitalimporte aus den Ölländern senken das Zinsniveau in den USA, was Investitionen begünstigt.
Globalisierungskritiker vergleichen dies mit einer Bank, die Schuldscheine ausgibt, die aber anschließend von den Gläubigern wieder bei derselben Bank angelegt werden. Der starke Dollarrückfluss in die USA wirkt tendenziell inflationstreibend; die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten und auch die private Verschuldung seiner Bürger gelten als besorgniserregend hoch (siehe auch Haushaltskrise in den USA 2011).
Die durch die beiden Ölkrisen stark angewachsenen Gewinne der Ölstaaten werden nicht nur in die USA und nach Europa exportiert, sondern führen auch in Schwellen- und Entwicklungsländern zu hohen Kapitalzuflüssen. Zusammen mit den nicht ausreichend tragfähigen Finanzmärkten der Länder trugen die Kapitalimporte aus den Erdölstaaten zur Schuldenkrise vieler Schwellen- und Entwicklungsländer Anfang der 1980er Jahre bei, da die Länder das zufließende Kapital in großem Umfang für Konsumtätigkeit verwendeten und somit die den Anlegern versprochene Rendite nur teilweise erwirtschaften konnten.
Diese Problematik wurde dadurch verstärkt, dass in den Industrieländern Anfang der 1980er-Jahre eine Hochzinspolitik einsetzte, um die Inflationstendenzen zu stoppen. Da die meisten der vergebenen Kredite flexibel verzinst waren, stiegen die Kreditkosten innerhalb kurzer Zeit sehr stark an. Dies wird häufig als letztendlicher Auslöser der ersten Schuldenkrise gesehen, die mit der Zahlungsunfähigkeit Mexikos 1982 offensichtlich wurde.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wird der Handel mit Erdöl hauptsächlich in US-Dollar abgerechnet. Frühere Leitwährungen wie das britische Pfund (Sterling) wurden dadurch zunehmend verdrängt.
Historisch erlebten die USA aufgrund ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und ihres großen Binnenmarkts einen „Ölboom“, und die US-Ölindustrie fand dort früh einen großen Markt. Die Denominierung und Preisbildung erfolgte daher für viele Ölmärkte seit dem 20. Jahrhundert häufig in US-Dollar pro Barrel (42 Gallonen oder c. 159 l).
Für die USA ist das meistgehandelte Referenzöl (englisch marker oil) die Sorte West Texas Intermediate (WTI), für Europa Brent, benannt nach dem ehemaligen Nordsee-Ölfeld, und für Asien Dubai Fateh. Dazu kommt das OPEC-Referenzöl, das wiederum ein Korb (Menge) von verschiedenen Ölsorten der OPEC-Mitglieder ist, aus denen ein gemittelter Durchschnitt errechnet wird. Alle vier Sorten haben den US-Dollar als Nennwert.
Der Begriff Petroeuro soll analog zu „Petrodollar“ ausdrücken, dass der Handel mit Erdölprodukten in Euro abgewickelt wird. Es handelt sich um einen theoretischen oder konzeptionellen Begriff, da weiterhin der US-Dollar eine Reservewährung ist.
Um einer tatsächlichen oder empfundenen Abhängigkeit von den USA, dem bedeutendsten Einzelimporteur, auszuweichen, aber auch, um die Währung der USA in ihrer Bedeutung und ihrem Wert zu mindern, haben einige Länder eine Abkehr vom US-Dollar und einen Wechsel zum Euro in der Vergangenheit vorgenommen, zum Beispiel Syrien. Der Irak wechselte während der letzten Jahre der Herrschaft Saddam Husseins zum Euro, stellte jedoch unter US-Führung wieder zurück auf US-Dollar.
Für März 2006 plante der Iran die Eröffnung einer eigenen Ölbörse mit der Absicht, ausschließlich in Euro zu handeln. In der Folge wurde spekuliert, ob daraus ein Euro-basierter Preismechanismus entstehen könnte. Im Juli 2007 forderte die iranische Regierung von ihren Kunden, dass sie das iranische Öl in Zukunft nicht mehr in US-Dollar bezahlen sollen.
Am 17. Februar 2008 wurde die Iranische Ölbörse mit Sitz auf der Insel Kisch eröffnet. Statt in Euro werden die Preise allerdings überwiegend in der Landeswährung Rial berechnet.
Im Oktober 2009 berichtete die britische Zeitung The Independent darüber, dass die Golfstaaten (siehe auch der Golf-Kooperationsrat (GCC)), Russland, die VR China, Japan und Frankreich Geheimverhandlungen zum Ersatz des US-Dollars als Ölhandelswährung führen würden. Damit sollte der US-Dollar als Zahlungsmittel im Rohölhandel durch einen Währungskorb aus Yuan, Euro, Yen, einer neuen Gemeinschaftswährung der Golfstaaten und eventuell auch Gold abgelöst werden. Laut der Zeitung seien neun Jahre für den Übergang vorgesehen. „Das Vorhaben bedeutet, dass der Ölpreis nicht länger in US-Dollar festgesetzt wird“, zitierte das Blatt chinesische Bankenkreise in Hongkong. Saudi-Arabien wies den Zeitungsbericht, der zur Dollarschwächung führen würde, als „absolut falsch“ zurück.
Die Volksrepublik China strebt an, ihre Währung Yuan als weltweit führende Leitwährung zu etablieren. Auch Erdöl und Erdgas könnten dann zunehmend in China und in chinesischer Währung bezahlt werden. Im Zusammenhang mit den Sanktionen gegen Russland kündigte Wladimir Putin im März 2023 an, alle Öl- und Gasgeschäfte Russlands mit der VR China künftig in chinesischen Yuan abwickeln zu wollen.
Im April 2023 wurde gemeldet, dass Saudi-Arabien seine Erdölexporte in die Volksrepublik China künftig in „Petro-Yuan“ abrechnen könnte.
Im März 2026 erklärte ein Vertreter des Irans, Schiffe mit in Yuan gehandeltem Öl seien von der Blockade der Straße von Hormus ausgenommen.
Anfang Juni 2024 berichteten einzelne Nachrichten-Webseiten, jedoch kaum große Nachrichtenagenturen, Saudi-Arabien habe die damalige „Petrodollar-Vereinbarung“ auslaufen lassen. Das „Petrodollar-Abkommen“ sei nicht formell verlängert worden; die informelle und diskrete Natur der Vereinbarung mache schwierig zu beurteilen, ob es sich hierbei um eine politische Kursänderung handele.
Wie in diesem Artikel bereits erwähnt, gab es eine solche Vereinbarung nie unter diesem Namen und auch keine Aufhebung, sondern nur die angefragten (freigegeben) Informationen von Bloomberg aus dem Jahr 2016. Es gab lediglich das ursprüngliche Memorandum von 1945, die Wirtschaftskooperation von 1974, sowie Nachfolgevereinbarungen.
Die falsche Information war zunächst auch auf der Website der Nasdaq veröffentlicht worden, die sie jedoch wieder zurückzog, bzw. die Information heute nicht mehr Online ist. Auch die Organisation Politifact und MarketWatch berichten von Desinformation oder Fake News.
Saudi-Arabien signalisierte jedoch im Januar 2023, dass es bereit sei, Ölverkäufe in anderen Währungen auszuhandeln. Am 8. Mai 2023 wurde aber in Dschidda das „Agreement for Technical Cooperation“ (ATC) unterzeichnet – die aktuellste Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien.
Paul Donovan, der Global Chief Economist der UBS, ist der Meinung, dass die Erzählung ihren Ursprung in der Kryptowelt hat. In einem Blogbeitrag schreibt er: „Viele Krypto-Spekulanten wollen verzweifelt an den Niedergang des Dollars glauben. Der Bestätigungsfehler verleitet Menschen dazu, die Realität auszublenden, wenn sich ihre Vorurteile scheinbar bestätigt sehen. Dies ist eine denkbar schlechte Anlagestrategie.“
Donovan argumentiert, dies würde die Finanzmärkte nur wenig beeinflussen, da der saudische Riyal an den US-Dollar gekoppelt ist und sich die Finanzvermögen des Landes ebenfalls an dieser Währung ausrichten. Entscheidend für den Status des US-Dollar als Reservewährung sei nicht, in welcher Währung eine Transaktion stattfindet, sondern wie Geld angelegt wird. Anders formuliert: Die Stärke des US-Dollars liegt in seinem Einsatz im weltweiten Handel und nicht darin, dass Öl in US-Dollar verkauft wird. Für weitere Informationen zum US-Dollar siehe die Einzelnachweise.