Pfarrkirche Thalgau

Katholische Pfarrkirche hl. Martin in Thalgau
Langhaus mit Seitenaltären und Kanzel, Chor mit Hochaltar
Leute- und Musikempore

Die römisch-katholische Pfarrkirche Thalgau steht in der Ortsmitte der Gemeinde Thalgau im Bezirk Salzburg-Umgebung im Land Salzburg. Die dem hl. Martin unterstellte Pfarrkirche gehört zum Dekanat Thalgau der Erzdiözese Salzburg. Das Patrozinium wird am Martinitag, dem 11. November, gefeiert. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Geschichte

Urkundlich wurde im frühen 8. Jahrhundert eine Kirche genannt, Reste einer kleinen Saalkirche aus dem 8. bis 10. Jahrhundert wurden 1979 ergraben. Im 11. Jahrhundert entstand eine Chorquadratkirche mit einer Halbrundapsis, im 12. Jahrhundert bestand ein zweischiffiger Bau mit zwei Halbrundapsiden, im 13. Jahrhundert erhielt der zweischiffige Bau einen geraden Abschluss.

Urkundlich wurde 1243 die Pfarre gegründet. Die gotische, zweischiffige Kirche mit einem langen polygonalen Chor wurde 1481 geweiht. Der Neubau der Kirche erfolgte von 1747 bis 1749 nach den Plänen des Hofmaurermeisters Tobias Kendler, die Kirchweihe war 1755. Die Kirche wurde 1899 renoviert und 1952 innen restauriert und 1954/1955 sowie 1979/1980 restauriert.

Architektur

Die spätbarocke Saalkirche mit einem gotischen und barock erhöhten Westturm ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.

Das Kirchenäußere zeigt ein mächtiges Langhaus und einen über konvexen Schmiegen eingezogenen flachbogig schließenden Chor mit hohen Rundbogenfenstern und einer umlaufenden Traufkehle. Das Langhaus hat erneuerte Rundbogenportale und nördlich einen Portalvorbau aus 1980, südlich befindet sich ein Rundturm als Aufstieg zur Kanzel, der Rundturm wird von modernen Gruftlauben aus 1954 und einem 1980 erneuerten Portalvorbau flankiert. Der Chor mit einer segmentbogigen Apsis wird von einer niedrigeren zweigeschoßigen Sakristei rechteckig umzogen, der Chor hat Oberlichtportale und Rechteckfenster und eine Traufkehle. Der vorgestellte gotische Westturm zeigt Quadermauerwerk und Schlitzfenster und ist durch Kaffgesimse viergeschoßig gegliedert, das gotische Klanggeschoß hat profilierte spitzbogige Schallöffnungen teils mit zweibahnigen Maßwerkfüllungen, über einem barocken Gesims befindet sich ein pilastergegliederter Achteckaufsatz aus 1701 mit rundbogigen Schall- und Blendfenstern sowie Gebälk und darüber ein Doppelzwiebelhelm aus 1744/1746. Nordseitig steht eine Aufbahrungshalle, die 1969 erweitert wurde.

Außen an der Kirche befindet sich eine Schnitzgruppe Kruzifix und Schmerzhafte Muttergottes aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Das Kircheninnere zeigt einen weiträumigen hellen Saal mit einheitlicher Gliederung durch marmorierte ionische Pilaster mit mächtigen Gebälkköpfen. Das fünfjochige Langhaus hat eine gedrückte Stichkappentonne mit Gurtbögen, die sich in die Vertikalgliederung fortsetzen, ein schmales geschlossen gewölbtes Zwischenjoch in der Langhausmitte und die in der Deckenwölbung aufgenommenen Ausrundungen der Ostecken werden durch weite Doppelpilasterstellungen mit einem durchlaufenden Gebälken akzentuiert. Die östlichen Schmiegen bilden mit der Kommunionbank ein Vorjoch, die marmorierte Holzbalustrade entstand 1754. In der Westfront befinden sich gotische Turmportale wohl aus dem 15. Jahrhundert, sie sind kräftig und haben mehrfach profilierte Trichtergewände, im Erdgeschoß kielbogig mit schulterbogiger Verstäbung, im Emporengeschoß gedrückt spitzbogig, beide mit bandbeschlagenen Holztoren, seitlich des Erdgeschoßportals befinden sich umbiegende Sockelprofile. Die Turmhalle hat ein Kreuzgratgewölbe. Im Westjoch steht eine Doppelempore auf Flachdecken auf toskanischen Säulen, die Empore hat geschwungene Brüstungen mit Stuckrahmenfeldern, das Obergeschoß ist gestaffelt nach hinten versetzt.

Der Triumphbogen ist eingezogen. Das rechteckige Chorjoch hat ein Stichkappentonnengewölbe. Die Sakristeien unter Flachdecken haben Portale aus Holz mit einer Pilasterrahmung. Die Kästen in den Oratorien tragen Rocaille-Aufsätze aus 1763.

Einrichtung

Die Einrichtung entstand an die Bauzeit anschließend im Stil des Rokoko durch den Bildhauer Sebastian Eberl, die Altarblätter schufen Benedikt Werkstätter und seine Schule, das Holz wurde marmoriert.

Der Hochaltar aus 1750/1753 entstand nach einem Riss vom Baudirektor Baron Johann Ernst von Keutschach, der Altar mit einer Doppelsäulenstellung setzt die Krümmung der Apsis fort, durch spitzwinkeliges Umbiegen des Gebälks zu mittleren Freisäulen zwickelförmige Seitenräume bildend.

Orgel

Rochus Egedacher-Orgel 1750

Die Orgel schuf Rochus Egedacher im Jahr 1750. Das Prospekt mit dreiachsigem Pilastergehäuse, römischem Zifferblatt und der Statue König Davids mit Harfe entwarf Sebastian Eberl. Im Jahr 1879 untersuchte Johann Nepomuk Carl Mauracher (1818–1884) aus Salzburg die Orgel mit 9 Registern und stellte einen Befund aus. Er schlug vor, das Instrument zu reparieren und auf 16 Register zu vergrößern, mit 54 Tasten im Manual und 25 im Pedal, erhielt aber den Auftrag nicht. Laut Johann Maurachers Befund lautete die Disposition:

Manual C–c3
Prinzipal8′
Biffara8′
Coppel8′
Flöte4′
Octav4′
Quinte2 2⁄3′
Octav2′
Mixtur IV2′
Pedal
Subbass16′
Dauerkoppel M/P
Anmerkungen
  1. ↑ fängt bei c0 an, im Prospekt

Das Werk wurde von Hans Mauracher (1847–1900) im Jahr 1886 neu gebaut bzw. vergrößert und mit einem freistehenden Spieltisch versehen. 1908 veränderte Hans Mertel das Instrument, was 1000 Kronen kostete. Bei einzelnen Registern brachte Mertel Seiten- oder Vorderbärte an den Pfeifen an und baute eine neue Gambe 8′ ein, was in den Augen des Kollaudators Balthasar Feuersinger (1862–1938) eine wesentliche Verbesserung des Werkes darstellte. Außerdem fügte Mertel pneumatisch einen Oktavbaß 8′ hinzu, kassierte die Quinte 2 2⁄3′, um sie der Mixtur 1 1⁄3′ einzuverleiben, wodurch die Orgel laut Feuersinger ungemein gewonnen hätte.
Andrew Freeman (1876–1947), ein britischer Geistlicher und Orgelhistoriker, ließ die Disposition abdrucken.

Disposition ab 1908, abgedruckt 1935
I. Manual C–f3
Bourdun16′
Prinzipal8′
Gamba8′
Gedackt8′
Salicional8′
Octav4′
Flöte4′
Superoktav2′
Mixtur1 1⁄3′
II. Manual C–f3
Geigenprinzipal8′
Philomela8′
Æoline8′
Prästant4′
Dolzeflöte4′
Pedal C–d1
Violon16′
Subbass16′
Oktavbass8′
Anmerkungen
  1. ↑ vom Mertel 1908 statt der kassierten Quinte 2 2⁄3′ eingebaut
  2. ↑ plus der 1908 kassierten Quinte 2 2⁄3′
  3. ↑ 1908 pneumatisch ergänzt

Seit einem Umbau im Jahr 1985 durch Walcker-Mayer weist das Instrument 22 Register auf.

Grabdenkmäler

Literatur

Commons: Pfarrkirche hl. Martin, Thalgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Personalstand der Welt- und Ordens-Geistlichkeit der Erzdiözese Salzburg für das Jahr 1957 (Schematismus 1957), hg. vom Erzbischöflichen Ordinariat Salzburg 1957, S. 276.
  2. ↑ Schmeißner: Orgelkunst Thalgau. Salzburg 1982, S. 21 ff.
  3. ↑ Thalgau, 26. September. (Neue Orgel.). In: Salzburger Kirchenblatt, 30. September 1886, S. 10. (online bei ANNO).
  4. ↑ Schmeißner: Orgelkunst Thalgau. Salzburg 1982, S. 24.
  5. ↑ Organs on the Road from Salzburg to the Tirol. In: Andrew Freeman (Hrsg.): The Organ. Band 14, Nr. 56. London 1935, S. 213. Zitiert nach: Schmeißner: Orgelkunst Thalgau. Salzburg 1982, S. 24.

Koordinaten: 47° 50′ 28,4″ N, 13° 15′ 13″ O