Pfarrkirche Zlan

Pfarrkirche Zlan
Innenansicht

Die evangelische Pfarrkirche Zlan steht am Nordrand der Ortschaft Zlan in der Gemeinde Stockenboi im Bezirk Villach-Land in Kärnten. Die Pfarrkirche gehört zur Evangelischen Superintendentur A. B. Kärnten und Osttirol. Die Kirche steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Gebäude

Das Kirchenschiff wurde 1805 bis 1807 im Stil des Nachrokoko errichtet, der Turm 1950 hinzugefügt. Da Zlan zur Erbauungszeit nicht zu Österreich, sondern zu den Illyrische Provinzen Napoleons gehörte, war die Kirche nicht von den baulichen Einschränkungen des josephinischen Toleranzpatents betroffen. Die Kirche besitzt an der Südseite einen geschweiften Wellgiebel und ein mit einem zarten Relief umrahmtes Portal. Das Langhaus und der Chor haben Rundbogenfenster und werden durch Pilaster gegliedert. Der westliche Turm mit einer Halle im Erdgeschoß und rundbogigen Schallfenstern wird von einem Spitzhelm bekrönt. Der einschwingende, eingezogene Chor hat im Schluss ein Rundfenster. Hinter dem Chorschluss ist eine niedrige Sakristei angebaut.

Im Inneren wird das Tonnengewölbe durch Gurtbögen, die auf Wandpilastern ruhen, in vier Joche geteilt. Die Orgelempore mit vorschwingender Balustrade steht auf sechs zarten Stützen. Die Orgel schuf 1862/1864 Jakob Ladstätter. Altarraum und Predigtraum trennt ein Kommuniongitter, über das beim Abendmahl das Brot gereicht wurde. Der Altarraum endet in einer Apsis.

In dieser Apsis steht der Altar mit aufgelöster Säulenarchitektur und Opfergangsportalen. Den Mittelpunkt des Altars bildet ein Kruzifix, flankiert von zwei weiblichen Figuren, die die christlichen Tugenden Glaube und Hoffnung versinnbildlichen. Die Statuen der vier Evangelisten bekrönen den Altar. Die Kanzel und die Betstühle stammen aus der Erbauungszeit, wobei die letzteren in der Bleiberger Holzschnitzschule gefertigt wurden.

Die Kirche ist eine Station auf dem Weg des Buches.

Am 31. Jänner 2026 fand hier die Amtseinführung der neuen Superintendentin Andrea Mattioli statt.

Orgel

Orgel vor 2024

Die Orgel von Jakob Ladstätter wurde 1861 bis 1864 unter teilweiser Verwendung von Material aus einer einmanualigen Vorgängerorgel verfertigt. Sie war mit damals 28 Registern auf vier Manualen und Pedal die größte „evangelische Orgel“ Kärntens.

Eine Besonderheit dieser Orgel ist, dass sie trotz ihrer Größe kein einziges Zungenregister aufweist. Dies ist allerdings auf Johann Kuher zurückzuführen, welcher bei der Renovierung 1903 die Posaune 16′ durch einen Violonbass 16′, sowie die Trompete 8′ durch einen Violine 8′ ersetzte. Das auf dem vierten Manual vorhandene Harmonium baute er samt Klaviatur aus. Weitere Arbeiten erfolgten 1984 durch den Wiener Orgelbaumeister Herbert Gollini. Dieser ersetzte die Klaviaturen, welche sich inzwischen in einem recht schlechtem Zustand befanden. Die Anordnung der Manuale wurde getauscht und es kam zu einigen weiteren Umstellungen, „Modernisierungen“ und technischen Eingriffen.

Rekonstruierte Originalfassung 2025

Im August 2024 wurde die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais aus Bonn mit der Restaurierung beauftragt, die im Jahre 2025 abgeschlossen werden konnte. Die Restaurierung wurde von einer Bestandsuntersuchung begleitet. Die originale Farbfassung wurde nach Befund rekonstruiert. Die Befundungen wurden von Matthias Wagner, Orgelbau Klais, Bonn vorgenommen. Wissenschaftliche Beratung und Archivforschung: Matthias Krampe, OSV, Wien und Matthias Reichling, Würzburg.

Ziel war die Wiederherstellung der Ladstätterschen Anlage unter Einbezug der Veränderungen durch Kuher. Hierzu mussten die 1903 in hoher Qualität gefertigten Register an anderer Stelle eingebracht werden. Der Violonbass erhielt eine eigene neue Windlade hinter der Orgel. Die Violine erhielt einen neuen Platz auf einer Doppelschleife im Oberwerk.

Ansonsten wurden die zahlreichen Veränderungen der letzten Eingriffe rückgängig gemacht und auch die eingelagerten Originalklaviaturen wieder integriert. Eine Besonderheit stellt die technische Anlage der Orgel dar, die im Wesentlichen erhalten geblieben ist. Ein Großteil der Register, die Manualwindlade I und Teile der Traktur stammen aus dem Jahr 1828; der Erbauer ist unbekannt. Zwei Register stammen von Johan Kuher (1903), drei weitere Register und zahlreiche Ergänzungspfeifen wurden von Orgelbau Klais im Jahr 2025 rekonstruiert. Folgende Disposition wurde realisiert:

I Hauptwerk C–f3
1.Prinzipal8′H
2.Flöte8′H
3.Gambe8′J
4.Oktave4′H
5.Flöte4′H
6.Quinte2 2⁄3′H
7.Superoktave2′H
8.Mixtur II1 1⁄3′H
II Hinterwerk C–f3
9.Principal16′H
10.Octave8′H
11.Flöte4′
12.Kornett III2 2⁄3′
13.Trompete8′K
III Oberwerk C–f3
14.Bordun16′
15.Prinzipal8′
16.Salicional8´
17.Violine8′J
18.Flöte8′
19.Gedeckt8′
20.Gemshorn4′
21.Flöte4′
22.Quinte2 2⁄3′
23.Octav2′
24.Mixtur III


IV. Manual C–f3
25.Physharmonica8′K
Pedal C–c1
Principalbaß (= Nr 9)16′
26.Subbaß16′
27.Violonbass16′
28.Oktavbaß8′J
29.Posaune16´
Trompete (= Nr 13)8′K
Spieltisch der Ladstätterorgel
  1. ↑ Windlade der Vorgängerorgel.
  2. 1 2 Holzpfeifen.
  3. ↑ Kombinationswindlade mit Pedal.
  4. ↑ ursprünglich als Kombinationslade angelegt.
  5. ↑ 2025 neu angefertigt.
  6. ↑ Schwellbar im Spieltisch.
  7. ↑ als Kombinationswindlade mit dem Hinterwerk.
  8. ↑ Auf neuer Windlade (2025).
J = Register von Johan Kuher (1903)
K = Register von Orgelbau Klais (2025)
H = Register von ca. 1828 (Erbauer unbekannt)

Literatur

Commons: Pfarrkirche Zlan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Matthias Wagner: Restaurierungsbericht. Hrsg.: Orgelbau Klais, Bonn. 1 bis 3. Bonn Dezember 2025.

Koordinaten: 46° 43′ 45,8″ N, 13° 34′ 49,8″ O