Die vom griechischen HistorikerHerodot erwähnte keltische Siedlung Pyrene soll sich auf Pfohren beziehen. Damit wäre Pfohren die älteste schriftlich erwähnte Ortschaft Deutschlands. Systematische archäologische Ausgrabungen haben in Pfohren bisher noch nicht stattgefunden. Es existieren allerdings einige Streufunde aus dem Bereich der Pfohrener Gemarkung, so etwa ein keltischer Eisenbarren.
Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus
1932 wurde in Pfohren von der Abteilung 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ ein Lager des Reichsarbeitsdienstes zur Riedentwässerung gegründet. Nach kurzer Zwischenstation in Donaueschingen wurde dieses Arbeitslager schließlich 1935 komplett nach Hüfingen verlagert.
Eingemeindung
Am 1. Januar 1972 wurde Pfohren in die Stadt Donaueschingen eingegliedert. Die Fläche der ehemaligen Gemeinde betrug 15,69km². Seither bildet die Gemarkung der ehemaligen Gemeinde eine Ortschaft mit Ortschaftsrat unter Vorsitz eines Ortsvorstehers nach der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg (§68 bis 71.).
Wappen
Der Wappenschild zeigt zwei schräggekreuzte silberne Jagdspeere überlagert von einem goldbeschlagenen silbernen Jagdhorn auf rotem Grund, umgeben von einem blau-silbernen Wolkenfeh. Der Wolkenfeh verweist auf die jahrhundertelange Ortsherrschaft der Grafen und späteren Fürsten von Fürstenberg, die Jagdattribute stehen symbolisch für das örtliche fürstenbergische Jagdschloss, die Entenburg.
Politik
Liste der Vögte
1496: Konrad Kuttler
1509: Michael Fritschi
1552–1585: Hans Fritschi
1587: Jacob Münzer
1648: Jacob Fritschi
1663: Ottmar Engesser
1668–1685: Jacob Fritschi
1700–1715: Jacob Engesser
1735: Gottlieb Engesser
1742: Joseph Hirt
1749: Christian Grieshaber
1757: Hans Höfler
1758: Christian Grieshaber
1768: Johannes Höfler
1774–1797: Johann Georg Seyfried
1798: Othmar Engesser
1809: Johann Fehrenbacher
1830–1831: Johann Engesser
Liste der Bürgermeister
um 1832: Josef Betz
1838–1848: Joseph Wiehl
1848–1849: Johann Bausch
1849–1852: Joseph Scherer
1852–1864: Joseph Wiehl
1865–1868: Adolf Welte
1868–1883: Karl Hasenfratz
1883–1913: Matthä Wolf
1913–1923: Heinrich Ohnmacht
1923–1933: Xaver Wolf
1933–1936: Martin Reichmann
1936–1941: Franz Straub
1941–1945: Hermann Engesser
1945: Siegfried Sigg
1945–1963: Franz Josef Engesser
1963–1971: Karl Ohnmacht
Liste der Ortsvorsteher
1972–1989: Karl Ohnmacht
1990: Franz Scherer
1991–2014: Gottfried Vetter
seit 2014: Gerhard Feucht
Sagen
Kirche St. Johannes der Täufer in PfohrenDie Entenburg
Rund um die Burg Entenburg rankt sich die Sage, dass in ihren Mauern der Geist des angeblich im Pfohrener Ried erstickten Kaisers KarlIII. als sogenannter ‚Schnufer‘ spuke.
Verkehr
In Pfohren gab es schon früh eine Poststation für die Teilstrecken der Postrouten Hausach–Hornberg–Krummenschiltach–Villingen–Donaueschingen–Pfohren – Geisingen–Tuttlingen und Neustadt–Unadingen–Donaueschingen–Pfohren–Geisingen–Tuttlingen.
Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, ISBN 3-00-008750-8.
Thomas H. T. Wieners: Irdische Güter für himmlischen Lohn. Die Pfohrener Vergabungen an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2005. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 29, S. 160–163.
Thomas H. T. Wieners, Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann (Hrsg.): Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, ISBN 3-00-016373-5.
Thomas H. T. Wieners: Capellae regiae. Pfohren und Kirchdorf, zwei Urkirchen der Baar – Otolf und Ruotbert, zwei Priester der königlichen Hofkapelle, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft. Tagung des Alemannischen Instituts vom 6.–8. März 2008 in Donaueschingen (= Veröffentlichung des Alemannischen Instituts Freiburg i. Br., Band 77), Ostfildern 2010 (ISBN 978-3-7995-0851-3), S. 161–176.
Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Folge 35, S. 184–188.
↑Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 420.
↑Uebersichts-Plan der Gemarkung Pfohren, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde, Donaueschingen 2001, S. 134f.
↑Thomas H. T. Wieners: Pfohren – der älteste schriftlich erwähnte Ort Deutschlands? Zur Lokalisierung der mysteriösen keltischen Siedlung Pyrene in Herodots Historien, in: Almanach 2011. Jahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, Bd. 35, S. 184–188.
↑Thomas H. T. Wieners: Cheneinga marca & capella sancti Martini. Die Urmark Klengen und die Urkirche Kirchdorf im Spiegel der frühmittelalterlichen Urkundenüberlieferung des Klosters St. Gallen, in: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart (Hrsg.): Das Brigachtal im frühen Mittelalter (= Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Bd. 67), Weinstadt 2013 (ISBN 978-3-942227-14-8), S. 95–131, hier S. 96.
↑Michael Nick: Wein gegen Sklaven – Der keltische Handel, in: Andrea Bräuning, Andreas Burkhardt, Rolf Dehn, Eckhard Deschler-Erb, Saskia Dornheim, Andrea Hagendorn, Christoph Huth, Michael Nick, Norbert Spichtig, Holger Wendling und Jean-Jacques Wolf: Kelten an Hoch- und Oberrhein (= Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg, Band 24), Konrad Theiss Verlag, Esslingen 2005, ISBN 3-8062-2034-4, S. 48–54, hier Abb. 52, S. 53.
↑Thomas H. T. Wieners: Zinsen für die Ewigkeit. Die Vergabungen im Schwarzwald-Baar-Kreis an das Kloster St. Gallen in fränkischer Zeit, in: Almanach 2006. Heimatjahrbuch des Schwarzwald-Baar-Kreises, F. 30, S. 157–159, hier S. 157.
↑Peter Erhart: Herr und Nachbar. Beziehungen zwischen dem Kloster St. Gallen und der Baar in der Karolingerzeit, in: Volkhard Huth, R. Johanna Regnath (Hrsg.): Die Baar als Königslandschaft, Ostfildern 2010, S. 127–160, hier S. 151.
↑Urkundenbuch der Abtei Sanct Gallen, hrsg. v. Hermann Wartmann, Zürich 1863, Bd. 1, Nr. 226, S. 227f.
↑Die Pfohrener Übergabeurkunden an das Kloster St. Gallen aus der Karolingerzeit aus dem Mittellateinischen von Thomas H. T. Wieners, in: ders., Stephan Bäumle, Ernst Zimmermann: Otolf – Priester in Pfohren. 1150 Jahre Kirche in Pfohren. Festschrift zum 1150-jährigen Jubiläum der Ersterwähnung eines Priesters und der Kirche in Pfohren. Hüfingen 2005, S. 27–39, hier S. 27f.
↑Rüdiger Schell: Das RAD-Lager der Abt. 2/263 „Heinrich von Fürstenberg“ in Hüfingen und seine wechselvolle Geschichte, Hartung-Gorre-Verlag, Konstanz 2014, ISBN 978-3-86628-488-3.
↑Statistisches Bundesamt (Hrsg.):Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Endgültige Ergebnisse nach der Volkszählung vom 13.September 1950 (=Statistik der Bundesrepublik Deutschland. Band33). W.Kohlhammer, Stuttgart/Köln 1952, S.213 (Digitalisat[PDF; 27,1MB]).
↑Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 22.
↑Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 20f.
12Gottfried Vetter: Die Gemeinde. Einsatz für die Dorfgemeinschaft, in: Ernst Zimmermann (Hrsg.): Pfohren – Das erste Dorf an der jungen Donau. Aus der Geschichte einer Baargemeinde. Donaueschingen 2001, S. 19–24, hier S. 21.
↑Johannes Künzig: Schwarzwald Sagen. S. 273, Diederichs Verlag, 1930.
↑Walter Leibbrand: Postrouten (Postcourse) in Baden-Württemberg (1490–1803), in: Historischer Atlas von Baden-Württemberg, herausgegeben von der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg in Verbindung mit dem Landesvermessungsamt Baden-Württemberg, Stuttgart 1972–1988, hier Karte X,2 (1979).