Philarète Chasles

Philarète Chasles.
Illustration aus Mirecourts Philarète Chasles, 1857.

Philarète Victor Euphémion Chasles (* 6. Oktober 1798 in Mainvilliers (Eure-et-Loir); † 18. Juli 1873 in Venedig) war ein französischer Journalist und Literaturkritiker.

Leben und Werk

Chasles war der Sohn von Pierre Jacques Michel Chasles (1754–1826), einem der bürgerlichen Mitglieder des Nationalkonvents, die 1793 für die Hinrichtung Königs Ludwig XVI. stimmten. Seinem Sohn ließ er eine Erziehung angedeihen, die sich an den Idealen von Rousseaus Emile orientierte. Mit 15 Jahren begann Philarète Chasles eine Lehre bei einem Buchdrucker. Als sich 1815 herausstellte, dass sein Meister in eine der in diesem Jahr zahlreichen politischen Verschwörungen verwickelt war, wurde auch Chasles verhaftet und verbrachte zwei Monate im Gefängnis. Nach seiner Freilassung, für die sich François-René de Chateaubriand persönlich eingesetzt hatte, ging Chasles nach London, wo er beim Verleger Abraham John Valpy seine Ausbildung fortsetzte. Hier begann er, Zeitschriftenartikel zu veröffentlichen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich setzte er seine journalistische Karriere fort und veröffentlichte in Zeitschriften wie der Revue des Deux Mondes, der Revue britannique sowie dem Journal des Débats, dem er auch lange Jahre als Redakteur verbunden war. 1837 wurde er zu einem der Kuratoren der Bibliothèque Mazarine ernannt. 1841 wurde er auf den Lehrstuhl für „Germanische Sprachen und Literaturen“ am Collège de France berufen, ab 1853 hatte er gemeinsam mit Edgar Quinet die Professur für „Sprachen und Literaturen des modernen Europa“ inne.

In seinen zahlreichen Feuilletonbeiträgen, von denen nur ein Teil in seinen rund dreißig Einzelbänden gesammelt wurden, widmete sich Chasles einer Vielzahl französischer wie internationaler Themen besonders aus Geschichte und Literatur. Besonders verdient machte er sich um die Vermittlung der englischen Literatur an ein französisches Publikum, etwa mit Studien über William Shakespeare und Daniel Defoe. Auch der deutschen Literatur schenkte er einige Beachtung und übersetzte etwa Jean Pauls Titan ins Französische, weitere Arbeiten befassen sich auch mit der amerikanischen, italienischen, spanischen und sogar russischen Literatur. René Wellek bezeichnet ihn in seiner Geschichte der Literaturkritik daher als den „ersten offen kosmopolitischen französischen Literaturkritiker“. Gleichwohl seien seine Arbeiten jedoch „zu weitschweifig, zu überladen mit langen Zitaten, zu ausschließlich beschreibend oder belehrend,“ als dass sie heute noch viel bedeuten könnten; es mangele Chasles zugleich an echter Gelehrsamkeit wie an einer stringenten literarischen Theorie, der Historismus habe bei ihm gar zu einem „historischen Relativismus geführt, zur Preisgabe aller Maßstäbe und folglich zu einer Auflösung der Literaturkritik.“

Werke

Literaturkritische und historische Arbeiten

Sonstiges

Übersetzungen

Literatur

Commons: Philarète Chasles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Collège de France: Professeurs depuis 1530 (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  2. ↑ René Wellek: Geschichte der Literaturkritik. Band 2. Walter de Gruyter, Berlin und New York 1977–1990. S. 13–15.