Philippe Suchard

Philippe Suchard

Philippe Suchard (* 9. Oktober 1797 in Boudry (Kanton Neuenburg); † 14. Januar 1884 in Neuenburg) war ein Schweizer Schokoladenhersteller und Unternehmer.

Leben

Minaret de Philippe Suchard in Serrières
Rechnung der Firma Philippe Suchard vom 14. Mai 1875

Philippe Suchard begann im September 1814 in der Berner Confiserie seines Bruders Frédéric eine Lehre als Zuckerbäcker. Im Mai 1824 erfüllte er sich seinen grossen Traum und begab sich auf eine Reise nach Amerika. In seinem Gepäck befanden sich Schweizer Uhren und Stickereien, mit denen er sich als Geschäftsmann niederlassen wollte. Der erwünschte Erfolg blieb jedoch aus.

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz eröffnete er 1825 in der Stadt Neuenburg eine erste eigene Confiserie-Chocolaterie. Bereits 1826 zog die Fabrikation in die leerstehende Mühle des Neuenburger Vororts Serrières um. Philippe Suchard erfand den Mélangeur – eine Maschine zur Vermengung von Zucker und Kakaopulver, wie sie heute noch verwendet wird.

Suchard war Mitglied im Bund der Freimaurer. Am 24. Mai 1874 feierte er sein 50-jähriges Jubiläum als Mitglied der Loge La Bonne Harmonie. Diese ist bis heute in Neuenburg ansässig. Er war ein tätiger Menschenfreund, so finanzierte er beispielsweise den Ausflug junger Mädchen mit der Eisenbahn zum Creux du Van.

Von 1841 bis 1846 war er Direktor des Asphaltbergwerks La Presta im Val de Travers. Inspiriert von einer Orientreise im Jahr 1865 liess Suchard sein Haus vom Architekten Louis-Daniel Perrier mit dem orientalisierenden Element eines Minaretts verzieren. Dies gab zu bisher unbelegten Vermutungen Anlass, Suchard sei zum Islam konvertiert.

1880 eröffnete er im deutschen Lörrach seine erste Fabrik im Ausland. Ende des 19. Jahrhunderts war Suchard der grösste Schokoladenhersteller weltweit. Heute gehört die Schokoladenfabrik Suchard zu Mondelēz International und produziert nicht mehr in Neuenburg.

Werke

Literatur

Commons: Chocolat Suchard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Von 1707 bis 1806 und dann wieder von 1814 bis 1857 regierten Preussens Könige das Fürstentum in Personalunion, aber das Fürstentum Neuenburg war nie Teil des Königreichs Preußen, sondern ein souveränes Fürstentum und Suchard damit kein Preuße. Allerdings wurde Sucard auch nicht als Schweizer geboren, da das Fürstentum Neuenburg erst 1814 als 21. Kanton in die Schweiz aufgenommen wurde.
  2. ↑ Schokoladenpioniere: Philippe Suchard, swissworld.org (Memento vom 17. April 2015 im Internet Archive)
  3. ↑ Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurerlexikon. Überarbeitete und erweiterte Neuauflage der Ausgabe von 1932, München 2003, ISBN 3-7766-2161-3.
  4. ↑ Frédéric Künzi: L’art dans la Franc-maçonnerie. Éditions Favre, Lausanne 2011, ISBN 978-2-8289-1226-0, S. 68.
  5. ↑ Die Geschichte der Loge La Bonne Harmonie (französisch)
  6. ↑ Léonard Farron: En chemin, de Jean-Jacques Rousseau à Emile Brodbeck. In: Le Pays de Neuchâtel, pas à pas... 75 ans de Neuchâtel Rando (= Caroline Calame [Hrsg.]: Nouvelle Revue neuchâteloise (NRN). 142, La Chaux-de-Fonds 2019). ISSN 1012-4012, S. 10–27, hier S. 14.
  7. ↑ Claudine Dubois: L’asphalte de Travers dans le monde. In: Bon pour la tête. 7. Januar 2020, archiviert vom Original am 29. September 2020; abgerufen am 19. August 2021 (französisch).
  8. ↑ Alexandre Bardet: Les goûts orientaux de Philippe Suchard : le minaret de Serrières. In: Pays de Neuchâtel insolite et secret (= Caroline Calame [Hrsg.]: Nouvelle Revue neuchateloise (NRN). 119-120/30, La Chaux-de-Fonds 2013). ISSN 1012-4012, S. 102 ff.